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Sachsen springt an PISA-Spitze

Berlin (dpa) Nach Sachsens Sprung an die deutsche PISA-Spitze wollen die Kultusminister weitere Schulreformen. In allen Ländern gebe es deutliche Leistungsverbesserungen, vor allem in den Naturwissenschaften, unterstrichen die Minister bei der Vorstellung des dritten PISA-Bundesländervergleichs.

Sachsen springt an PISA-Spitze

Bei der neuen PISA-Studie hat sich Sachsen an die Spitze gesetzt.

Der erste PISA-Test 2000 hatte wegen des schlechten Abschneidens der deutschen Schüler einen Schock ausgelöst. Diesmal gab es gemischte Reaktionen.

Laut Bericht ist die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Schulerfolg noch immer zu groß - trotz leichter Verbesserungen. Auch klafft zwischen den Ländern weiter ein enormes Leistungsgefälle. Im neuen PISA-Siegerland Sachsen haben die getesteten 15-Jährigen gegenüber Gleichaltrigen aus dem erneuten Schlusslichtland Bremen einen Lernvorsprung von zwei Schuljahren. Akademikerkinder haben eine viermal so große Abiturchance wie Schüler aus Facharbeiterfamilien.

Sachsen kommt jetzt in allen PISA-Disziplinen auf den ersten Platz und verweist damit den bisherigen innerdeutschen Sieger Bayern auf Rang zwei. In den Naturwissenschaften erreicht Sachsen mit 541 Punkten Weltniveau und liegt nahe bei den internationalen PISA-Siegerstaaten Finnland (563) und Hongkong (542). Auch Thüringen drängt stark nach vorn. Im aktuellen PISA-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften liegen 13 Bundesländer mit ihren Leistungen inzwischen über dem Schnitt der Industrienationen.

Wenig Bewegung gibt es dagegen bei der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis. Noch immer kann jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig verstehen. Der PISA-Forscher Manfred Prenzel forderte die systematische Leseförderung auch für ältere Schüler. Der Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei völlig falsch.

Ungeachtet des großen Leistungsgefälles zwischen den Ländern zeigte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), zuversichtlich: «Die Schere schließt sich», sagte die saarländische Bildungsministerin. Länder «am unteren Rand» der Leistungsskala hätten deutlich aufgeholt. Dies gelte auch für das Schlusslicht Bremen, sagte Prenzel. Als positiv hob er hervor, dass bundesweit die Zahl der Sitzenbleiber zurückgehe.

Den Erfolg der sächsischen Schulpolitik führt der deutsche PISA-Koordinator Prenzel auch darauf zurück, dass man sich dort Probleme mit der Schulstruktur «vom Halse geschafft» habe. Sachsen, Thüringen und auch Sachsen-Anhalt hatten gleich nach der Deutschen Einheit eine zweigliedrige Schulstruktur eingeführt - ohne Hauptschule. Nach dem jüngsten PISA-Test haben die Hauptschulen vor allem in Ballungsregionen den höchsten Anteil an Risikoschülern.

Einen «Trend zum Besseren» sieht Prenzel bei der in Deutschland besonders ausgeprägten Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft. «Statistisch bedeutsame» Verbesserungen in diesem Bereich machen die PISA-Forscher dabei allerdings nur in Bayern und Rheinland-Pfalz aus. In Bayern war diese Abhängigkeit bisher besonders ausgeprägt. Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren seine Ganztagsschulen erheblich ausgebaut und wird ab 2011 an mehr als jeder dritten Schule Ganztagsbetreuung anbieten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte weitergehende Bildungsreformen an. «Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen», sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer. «Die fehlende Chancengleichheit ist nach wie vor ein Schandfleck.» Der konsequente Ausbau der Ganztagsangebote wie etwa in Rheinland-Pfalz und auch Versuche zum längeren gemeinsamen Lernen wie in Schleswig-Holstein wiesen in die richtige Richtung.

Der Deutsche Philologenverband hob die kleinen Klassen und die gute Lehrerversorgung in Sachsen hervor - aber auch die geringere Zahl von Ausländerkindern in den Schulen. Für den Berliner Bildungsforscher Olaf Köller zeigen die Ergebnisse, dass sich Baden-Württemberg und Bayern zu stark «auf ihren Lorbeeren» ausgeruht hätten. Beide Länder seien in der Schulpolitik gegenüber Ost-Ländern zurückgeblieben, sagte Köller, der den nächsten Länder-Schulvergleich 2009 der Kultusminister leitet, der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch).

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigte zusätzliche Schritte an, um beim nächsten Test wieder ganz vorn zu sein: «Das bedeutet kleine Klassen, mehr Lehrer, mehr Ganztagsschulen und noch mehr Qualität im Unterricht.»

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