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Salzburger «Otello» mit wenig neuen Impulsen

Wien (dpa) Die Neuinszenierung von Giuseppe Verdis düsterem Beziehungsdrama «Otello» sollte zu einem der musikalischen Höhepunkte der Salzburger Festspiele 2008 werden. Und Stardirigent Riccardo Muti tat alles, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Salzburger «Otello» mit wenig neuen Impulsen

Aleksandrs Antonenko und Marina Poplavskaya sind die Hauptdarsteller im Salzburger «Otello».

Zusammen mit den furios aufspielenden Wiener Philharmonikern bot er am Freitagabend eine musikalische Interpretation dieser Oper um Liebe, Eifersucht, Neid und Intrigen, die in ihrer Gewalt und Klangschönheit begeistern konnte. Doch die Leidenschaft der Musiker war oft so groß, dass ihr Wohlklang die Solisten auf der Großen Bühne des Festspielhauses immer wieder überstrahlte. Am Ende belohnte das Premierenpublikum die Aufführung mit einem zwar leidenschaftlichen, aber ungewöhnlich kurzen Applaus, in den sich neben einigen «Bravos» auch Buh-Rufe für die Regie mischten.

Der britische Regisseur Stephen Langridge wollte bei dem neuen Salzburger Otello eigentlich neue Akzente setzen und die Eifersuchts-Tat des Ex-Sklaven, der zum jähzornigen Feldherrn befördert wurde, stärker in den gesellschaftlichen Rahmen einer rücksichtslosen venezianischen Gesellschaft stellen. Sein «Mohr von Venedig» (Aleksandrs Antonenko) strahlt auf der großen Salzburger Bühne nur ganz kurz als siegreicher Bezwinger der Muselmanen, bevor der gesellschaftliche Außenseiter durch Jagos böse Intrigen zum völlig verunsicherten und schließlich tobsüchtigen Mörder der unschuldigen Desdemona wird. Doch Landgridge setzte mit seiner Interpretation des Shakespearschen Psycho-Dramas letztlich kaum neue Akzente. Die handelnden Personen agieren fast ausschließlich in der Mitte einer meist ins Halbdunkel getauchten, trist wirkenden Bühne, um die Bühnenbildner George Souglides düster-graue Hausfassaden gezogen hat, die an ein verlassenes Fabrikgebäude erinnern.

Stimmlich und schauspielerisch konnte bei der Premiere die junge Russin die junge Russin Marina Poplavskaya voll überzeugen, die das Publikum mit ihrem warm getönten Sopran vor allem im letzten Akt begeisterte. Neben ihr fiel Aleksandrs Antonenko leicht ab, dessen durchaus strahlender Tenor aber leider immer wieder von der Wucht des allzu leidenschaftlich aufspielenden Orchesters «zugedeckt» wurde. Carlos Álvarez wurde seiner Rolle als durch und durch böser Intrigant Jago in den ersten drei Akten des Dramas sowohl stimmlich als auch schauspielerisch voll gerecht. Er erhielt neben Marina Poplovskaya dafür am Ende auch den meisten Beifall. Bemerkenswert auch die Auftritte des Wiener Staatsopernchors, den Emma Ryott mit prachtvollen Kostümen ausgestattet hatte. Doch selbst der Chor tat sich vor allem zu Beginn des ersten Aktes schwer, sich gegen das Orchester durchzusetzen.

Insgesamt, blieb die Neuinszenierung der 1887 entstandenen Verdi-Oper letztlich wohl unter den Erwartungen des Premierenpublikums und auch der Kritik. Die 25. Otello-Aufführung seit der Gründung der Festspiele - allein 14 gab es davon Anfang der 1970er Jahre unter Herbert von Karajan - sei eher ein Rückschritt gewesen, meinten die «Salzburger Nachrichten». Es bleibe «bei allem Bemühen der Gesamteindruck eines Salto mortale in eine graue Bühnen-Vorzeit».

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