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Sam Vance-Law träumt von „Homotopia“

Berlin. Als Titel seines Debütalbums hat Sam Vance-Law eine Wortneuschöpfung gewählt: „Homotopia“. Es geht um eine Utopie für homosexuelles Leben in einer Zeit, in der Vorurteile und Feindseligkeiten gegen Schwule längst der Vergangenheit angehören sollten.

Sam Vance-Law träumt von „Homotopia“

Frühreif: Sam Vance-Law feiert das Leben. Foto: J. Konrad Schmidt

Auf der Hipster-Skala rangiert Sam Vance-Law derzeit ziemlich weit oben. Ein „Aspekte“-Auftritt im ZDF noch vor Veröffentlichung seines Debüts, viele wohlmeinende Albumbesprechungen, eine Menge Hype um seine starke Stimme und seine tollen Popsongs - der Kanadier kann zufrieden sein.

„Homotopia“ - dieses „schwule Manifest“, wie seine Plattenfirma Caroline schwärmt - ist aber auch wirklich ein bemerkenswertes, geradezu frühreifes Album. In zehn mit orchestraler Grandezza ausgestatteten Liedern erzählt der seit Jahren in Berlin lebende Vance-Law Geschichten rund ums Schwulsein, um Coming-Out, Vorurteile, Verletzungen, Feindseligkeiten - oder auch einfach nur über die Freuden eines queeren Lebenswandels.

So versteht er in einem Song die britische Insel Isle Of Man als „isle of men“, also Insel voller Männer, und wünscht sich augenzwinkernd-lüstern in dieses Paradies. Auch Titel wie „Gayby“, „Prettyboy“ oder „Faggot“ sind einigermaßen selbsterklärend. Seit Rufus Wainwright und seinen großen Alben in den Nuller-Jahren hat wohl kein schwuler Musiker mehr seinen Lebensstil und seine Fantasien so selbstbewusst ausgebreitet.

„Einige der Geschichten habe ich mir ausgedacht, andere habe ich von Freunden gehört, wieder andere beruhen auf Dingen, die ich in der Zeitung gelesen habe“, erzählte Vance-Law dem deutschen „Rolling Stone“, der „Homotopia“ als „das schönste Debütalbum des noch jungen Jahres“ lobt. Mit seinen Liedern sollten Zuhörer „verstehen, dass es um Geschichten von Menschen geht und nicht um etwas Fremdartiges oder bedrohlich Anderes“, so der aus Edmonton stammende Sänger.

Schlimm genug eigentlich, dass ein Künstler heutzutage überhaupt noch für seine sexuelle Orientierung um Verständnis werben muss. Vance-Law tut dies, unterstützt von Konstantin Gropper (Get Well Soon) und seinen sinfonischen Arrangements, mit so viel Humor und Verve, mit so schönen Melodien, dass er eine Menge Leute erreichen dürfte.

Musikalische Vergleiche mit Rufus Wainwright, Adam Green oder Sufjan Stevens sind durchaus angebracht. Vor allem aber erinnert der von der Klassik kommende Singer-Songwriter Vance-Law mit seinen opulenten und doch nie überzuckerten Liedern an die besten Werke des kanadischen Landsmannes Owen Pallett, etwa dessen meisterliches „Heartland“ (2010).

„Homotopia“ ist also in jeder Hinsicht ein künstlerisch ambitioniertes Statement - bis zum Cover-Artwork. Das stammt vom Berliner Maler Norbert Bisky, der Vance-Law grünes Licht für einen Ausschnitt aus seinem Ölgemälde „Musa Tropicana“ gab. Auch das keine Selbstverständlichkeit für einen jungen, bisher unbekannten Musiker und sein Debütalbum.

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