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Sarkozy in Kabul: Zweifel an Gefechts-Darstellung

Kabul/Paris (dpa) Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Afghanistan hat Präsident Nicolas Sarkozy am Mittwoch bei einem Truppenbesuch in Kabul die Fortsetzung des Kampfes an der Seite der afghanischen Regierung verkündet.

Sarkozy in Kabul: Zweifel an Gefechts-Darstellung

Französische ISAF-Soldaten in Afghanistan (Archivbild): Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist einen Tag nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Kabul eingetroffen.

«Hier entscheidet sich ein Teil der Freiheit der Welt. Hier wird der Kampf gegen den Terror geführt», sagt Sarkozy vor mehreren hundert Soldaten auf dem Stützpunkt Warehouse der NATO-geführten Schutztruppe ISAF. In Paris wuchsen aber Zweifel an der Darstellung des Todes der Soldaten und am Sinn des Einsatzes. Die Opposition forderte eine Parlamentsdebatte über den Militäreinsatz; Kleinparteien verlangten den Rückzug der Truppe.

Neue Gefechte wurden aus dem Osten Afghanistans gemeldet. In Paktika starben nach Polizeiangaben zehn Aufständische bei einem US- Luftangriff; 13 weitere wurden verwundet. Tags zuvor seien im Grenzgebiet zu Pakistan mindestens 22 Taliban getötet worden, sagte der Gouverneur der Provinz Chost, Arsala Jamal. Die Aufständischen hätten einen Bautrupp angegriffen und die ISAF sowie afghanische Truppen seien zur Hilfe geeilt. Trotz des Einsatzes von 70 000 ausländischen Soldaten haben die radikalislamischen Taliban in den vergangenen zwei Jahren erheblich an Gefährlichkeit gewonnen.

Sarkozy war in der Nacht zu einem Blitzbesuch nach Kabul geeilt. Er verneigte sich vor den Särgen der Gefallenen, sprach im Lazarett mit Verwundeten und traf mit Präsident Hamid Karsai zusammen. «Ich habe die Särge gesehen; 20 Jahre, 21 Jahre», sagte Sarkozy vor der Truppe. «Ihr habt Eure Pflicht erfüllt.» Nach dem Treffen mit Karsai flog Sarkozy nach Paris zurück.

Am Morgen trafen in Paris die elf Soldaten ein, die bei dem Taliban-Angriff am schwersten verletzt worden waren. Die Heimkehr der Übrigen werde organisiert, sagte Veteranen-Staatssekretär Jean-Marie Bockel beim Empfang der Verwundeten. In Afghanistan gehe es «auch um die Sicherheit hier in Frankreich und Europa», sagte Bockel. Er bescheinigte den Regierungstruppen steten Machtzuwachs. «Man kann hoffen, dass die Bedrohung in dem Maße abnimmt, wie die afghanischen Truppen die Sache in die Hand nehmen. Aber ein Risiko besteht.»

Bei dem Angriff am Montag waren zehn Franzosen und angeblich 30 Taliban gefallen sowie 21 Franzosen und 30 Taliban verletzt worden. Nach offizieller Darstellung war ein Konvoi mit 100 Soldaten, darunter auch Afghanen und US-Experten zur Zielmarkierung, im Usbin- Tal östlich von Kabul angegriffen worden. Ein französischer Spähtrupp sei in einen Hinterhalt geraten und neun Soldaten seien gleich zu Beginn gefallen. Ein Soldat sei tödlich verunglückt. Bei den folgenden 13 Stunden Gefechten habe es keine weiteren Verluste gegeben. Ein Taliban-Chef sei verwundet in Gefangenschaft geraten.

Eine andere Darstellung gibt die Zeitung «Le Monde» unter Berufung auf Überlebende des Angriffs. Danach verteilen sich die französischen Verluste über mehrere Stunden und sind auch auf unpräzise Luftschläge der Alliierten zurückzuführen. Zudem habe die Luftwaffe wegen Koordinationsmängeln viel zu spät eingegriffen und es sei keine Schnelleingreiftruppe in Bereitschaft gewesen. Der Spähtrupp habe «fast vier Stunden ohne Unterstützung unter Feuer» gelegen, erklärten die Überlebenden dem Blatt. «Wir hatten keine Munition mehr, um uns mit anderen Waffen zu verteidigen als mit unseren Famas» (Sturmgewehren).

Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan 183 ausländische Soldaten gefallen. Seit 2002 sind es mehr als 930, darunter 26 Angehörige der Bundeswehr und 24 Franzosen.

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