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Schiffsunglück in China: Mehr als 400 Tote befürchtet

Jianli (dpa) Die Bergungsaktion nach der Schiffskatastrophe in Zentralchina bleibt ohne Erfolg. Die Hoffnung auf Überlebende schwindet. Das Kentern des Touristenschiffs wirft Fragen auf - aber die Zensur greift ein.

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Helfer an der Unglücksstelle am Jangtse. Es könnte Chinas «schlimmste Schiffskatastrophe in fast sieben Jahrzehnten» sein, berichteten Staatsmedien. Foto: Wu Hong

Ein Boot sucht mit einem Scheinwerfer die Unglückstelle im Jangtse ab. Foto: Wu Hong

Mehr als 3000 Polizisten, Soldaten und Helfer sowie mehr als 30 Schiffe und mehr als 100 kleinere Boote sind im Einsatz. Foto: Yuan Zheng

Angehörige können die Nachrichten nicht fassen. Die Chancen, noch Überlebende zu finden nehmen von Stunde zu Stunde weiter ab. Foto: Stringer

Bergungsschiff mit einem Kran am Unfallort. Der gigantische Jangtse-Strom ist der längste Fluss Asiens. Foto: Wu Hong

Retter auf dem Boden des gekenterten Touristenschiffs: Zum Unglückszeitpunkt soll ein schlimmes Unwetter geherrscht haben Foto: Featurechina

Nur noch der Rumpf des Unglücksschiffes ragt aus dem Wasser des Jangts. Foto: Yuan Zheng

Bei der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse in China sind möglicherweise mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen. «Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten», berichtete das Staatsfernsehen vom Unglücksort bei Jianli (Provinz Hubei).

«Die Chancen, noch Überlebende zu finden, sind gering.» Es wäre damit die «schlimmste Schiffskatastrophe in fast sieben Jahrzehnten» in China, wie es hieß.

In den beiden Tagen seit dem Kentern des Touristenschiffs «Stern des Orients» am Montagabend in einem schweren Sturm konnten trotz einer großen Bergungsaktion bisher erst gut zwei Dutzend Leichen geborgen werden. Nur 14 Überlebende wurden gefunden. «Wir haben heute kein Glück», sagte ein Reporter des Staatsfernsehens. Hunderte werden noch vermisst. An Bord waren 456 Menschen - neben 405 Touristen noch 5 Reiseführer und 46 Besatzungsmitglieder.

Die Bergungsarbeiten sind schwierig. In Zweier- oder Vierergruppen suchten Taucher im Inneren des Schiffs nach Opfern. Die Sicht war wegen des trüben Wassers auch mit starken Scheinwerfern extrem schlecht, wie Verantwortliche erklärten. Heftige Strömung und niedrige Wassertemperaturen erschwerten die Suche. Vielfach konnten sich die Taucher nur tastend fortbewegen.

Zwei Bergungsschiffe sollten das 76 Meter lange Schiff anheben. Es liegt kieloben in mehr als zehn Meter tiefem Wasser. Um die Bergung zu unterstützen, wurde der Wasserstand des Jangtse verringert, indem der Abfluss aus dem weiter flussaufwärts liegenden Drei-Schluchten-Damm gedrosselt wurde.

Chinas Staatsmedien berichteten über die Bergungsaktion detailliert und hoben besonders die «starke Führung» von Premier Li Keqiang bei der Koordinierung vor Ort hervor. Das Fernsehen zeigte, wie sich der Regierungschef in Trauer vor zwei mit weißen Tüchern zugedeckten Leichen auf einem Schiffsdeck verneigte und der Opfer gedachte. Die Abendnachrichten zeigten ihn bei Überlebenden im Krankenhaus.

Trotz des Einsatzes von mehr als 4600 Helfern, mehr als 200 Tauchern und zahlreichen Schiffen blieb die Suche nach den Vermissten erfolglos. Die Passagiere waren meist ältere Leute, die eine elftägige Tour von Nanjing in Ostchina nach Chongqing im Südwesten machten und unterwegs historische Stätten besuchten.

Es mehrten sich kritische Stimmen im Internet, die Chinas Zensur aber strich. «Warum sind so wenig Menschen gerettet worden? Warum kenterte das Schiff und warum wurden der Kapitän und ein Besatzungsmitglied gerettet?», lautete ein gelöschter Beitrag, der von der Aktionsgruppe Free Weibo wiederhergestellt wurde. «Warum gab es keinen Notruf? Wer hat die Verantwortung, das Schiff zu stoppen, wenn es mit Wind und Regen konfrontiert ist?»

Häufig wurde diskutiert, wie ausgerechnet der Kapitän und der Chefingenieur zu den Überlebenden gehören konnten. Auch nach chinesischem Recht muss der oberste Schiffsführer im Notfall eine etwaige Evakuierung koordinieren und als letzter von Bord gehen. Es wurde auch darauf verwiesen, dass das Unglück sehr schnell passierte und es möglicherweise keine Zeit für Notaktionen gab.

Chinesische Medien durften nicht selber Reporter an den Unfallort entsenden, sondern mussten Berichte der Staatsagentur Xinhua nachdrucken. Gegen den Kapitän wurden bisher keine Vorwürfe erhoben, doch gab es viele Fragen über den Unfallhergang. Der Kapitän sprach von einem Tornado, der das Schiff in Schieflage und zum Kentern gebracht habe. Das Wetteramt bestätigte, dass es zu der Zeit des Unglücks in dem Gebiet einen solchen Wirbelsturm gegeben habe.

Unklar war, warum das Schiff trotz des schlechten Wetters am Montagabend weitergefahren ist. So hatte ein anderes Schiff, das zu gleichen Zeit den Hafen verlassen hatte, angesichts des aufziehenden Sturmes seine Fahrt gestoppt, wie die «Chutian Metropolis Daily» berichtete. Der Bericht war später online nicht mehr abzurufen.

Ferner hatten Satellitenaufnahmen gezeigt, dass das Unglücksschiff um 21.20 Uhr plötzlich eine scharfe Wendung gemacht hat, bevor es zehn Minuten später gesunken ist, wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtete. Der Grund war nicht bekannt.

Papst Franziskus sprach den Betroffenen des Schiffsunglücks sein Mitgefühl aus. «Ich drücke dem chinesischen Volk in diesem schwierigen Moment meine Nähe aus», sagte der Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Er bete für die Opfer, für deren Familien und für alle, die bei der Rettung beteiligt seien.

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