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Schlecker-Aus: Beschäftigte sollen umschulen

Berlin (dpa) Nach dem endgültigen Aus der insolventen Drogeriekette Schlecker suchen Tausende Mitarbeiter eine neue Perspektive.

Schlecker-Aus: Beschäftigte sollen umschulen

Gewerkschafter und Betriebsräte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker in Dresden vor dem Wirtschaftsministerium. Sie fordern von der Regierung ein Umdenken. Foto: Matthias Hiekel

Nach den Vorstellungen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Arbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise könnten die gekündigten Schlecker-Beschäftigten Fachkräftelücken in anderen Branchen füllen.

Besonders gesucht würden Erzieher und Altenpfleger. Die Arbeitsagenturen wollten ihnen vollwertige Umschulungen in diese Mangelberufe anbieten, kündigten von der Leyen und Weise am Donnerstag in Berlin an.

In strukturschwachen Räumen könnten viele Schlecker-Frauen keine Anstellung im Handel finden, bei Erziehern oder in der Altenpflege aber sei der Bedarf groß. «Hier müssen wir passgenau qualifizieren», sagte von der Leyen. «Ich will den Frauen Mut zusprechen, einen Neuanfang zu wagen.» In verschiedenen Bundesländern protestierten am Donnerstag erneut Hunderte von Schlecker-Mitarbeitern, die Angst um ihre Zukunft haben. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Nach der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker müssen der Arbeitsministerin zufolge etwa 25 000 Beschäftigte - meist Frauen - neue Arbeit suchen. Von den 11 190 in der ersten Welle im Frühjahr Entlassenen seien bislang rund 5000 in Arbeit oder Fördermaßnahmen vermittelt worden. Weniger als 2500 hätten einen vollwertigen Job angetreten. «Das ist keine Zahl, die beruhigt, sie zeigt aber eine gewisse Dynamik», sagte Weise. Viele Schlecker-Beschäftigte hätten wertvolle Berufserfahrung und würden auf dem Arbeitsmarkt gesucht.

Zugleich gebe es im Einzelhandel bei 25 000 offenen Stellen derzeit aber rund 360 000 Arbeitssuchende, betonte Verdi-Chef Frank Bsirske. Viele Schlecker-Frauen seien nach der ersten Kündigungswelle lediglich in unbezahlte Praktika oder Urlaubsvertretungen vermittelt worden. «Es kann nicht sein, dass sie jetzt als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen», betonte er.

Während der zweijährigen Berufsqualifizierung zu Erzieherinnen oder Altenpflegern für strukturschwache Räume sollen die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten Arbeitslosengeld I erhalten.

Bsirske hat allerdings auch in Sachen Transfergesellschaft noch nicht aufgegeben. Zwar sei eine bundesweite Lösung am Votum der FDP gescheitert, jetzt wolle er das Problem auf landesspezifischer Ebene aber noch einmal erörtern, kündigte der Verdi-Chef an. Er halte eine Transfergesellschaft nach wie vor für ein sinnvolles Instrument. «Das Thema ist nicht vom Tisch.»

In Dresden zogen am Donnerstag zogen Schlecker-Frauen und Gewerkschafter gemeinsam vor das Wirtschaftsministerium des Landes - mit Fahnen, Tröten und Transparenten wie «Schämt Euch, Schlecker-Clan!» oder «Was wird aus uns?» zeigten sie ihren Unmut. «Wir haben richtig Wut im Bauch», hieß es. In den drei Ländern werden noch in diesem Monat rund 1500 Schlecker-Frauen ihren Arbeitsplatz verlieren, davon etwa 800 in Sachsen. Die Einrichtung einer Transfergesellschaft scheiterte bisher am Widerstand FDP-geführter Wirtschaftsministerien - darunter auch das sächsische Ressort. Minister Sven Morlok geht davon aus, das 80 Prozent der Betroffenen binnen eines halben Jahres eine neue Arbeit haben werden.

Auch in Hannover stellten am Donnerstag hunderte Schlecker- Mitarbeiter Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode zur Rede gestellt. Sie forderten den FDP-Politiker auf, eine neue Initiative zur Gründung einer Transfergesellschaft zu starten. «Das ist nach wie vor eine vernünftige Lösung, um Zeit zu gewinnen. Wir fordern Sie auf, das Möglichste zu tun», sagte Verdi-Landeschef Detlef Ahting bei der Demonstration vor dem Wirtschaftsministerium.

Am Freitag beginnt der Ausverkauf in den Schlecker-Filialen. «Das wird für uns alle ein schwerer Gang», sagte eine Mitarbeiterin, die sichtlich mit den Tränen kämpfte. Sie bitte daher alle Kunden, Solidarität mit den Verkäuferinnen zu zeigen.

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