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Schloss Heidecksburg: Eine Residenz vergangener Hofkultur

Rudolstadt (dpa/gms) - Das ehemalige Residenzstädtchen Rudolstadt im Saale-Tal in Thüringen gilt unter Freunden vergangener Hofkultur als Geheimtipp. Denn auf einem Bergsporn erhebt sich hier eindrucksvoll Schloss Heidecksburg.

Und dort hat im Revolutionsjahr 1918 Fürst Günther Viktor als letzter deutscher Regent sein Amt niedergelegt. Er schloss damit das Geschichtsbuch des politisch zwar unbedeutenden, kulturell aber reichen Zwergstaates Schwarzburg-Rudolstadt.

Zu den Gästen der Fürsten gehörte einst auch Friedrich Schiller, der in der Residenzstadt seine spätere Frau Charlotte kennen lernte. Schiller traf hier auch erstmals mit Johann Wolfgang von Goethe zusammen. In dem Schloss machten auch viele andere Prominente jener Zeit Station, denn die Prachtentfaltung der Schwarzburger stand im deutlichen Gegensatz zur politischen Bedeutung des Fürstentums.

Wie der Adel feierte, lässt sich im Schloss selbst noch erahnen: Prunkvoller Mittelpunkt war der zwölf Meter hohe Festsaal mit seinem großflächigen Deckenfresko und reich verzierten Stuckarbeiten. «Er ist einer des bedeutendsten des Rokoko in Deutschland», erklärt Museumsdirektor Lutz Unbehaun. «Wie er heute aussieht, so sahen ihn auch die Fürsten und ihre Gäste seit der Mitte des 18. Jahrhunderts.»

Es muss munter zugegangen sein auf Schloss Heidecksburg, denn das Hofmarschallamt erließ 1798 für Festivitäten strenge Vorschriften und erlaubte nur noch Gästen mit Einladung die Teilnahme. «Unser Zweck ist nicht allein, den Saal möglichst reinlich zu halten, sondern auch abzustellen, daß nicht so viel Unsittlichkeit und Unfug getrieben werde», hieß es in der schriftlichen Begründung.

Die Heidecksburg steht heute als Museum Besuchern offen. Die dreiflügelige Anlage geht in ihrer heutigen Form auf die Barockzeit zurück, doch eine Burg stand auf dem Felssporn schon im Mittelalter. Unmittelbar bevor der Fürst mit dem Fall der Monarchie in Deutschland abdanken musste, brachte er seine Sammlungen in eine Stiftung ein. «Um den dankmalpflegerischen Erhalt des ehemaligen Residenzschlosses kümmert sich seit 1994 die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die reichen Sammlungen betreut das Schlossmuseum», erklärt Unbehaun.

Es ist beachtlich, was die Schwarzburger zusammengetragen haben: In der Gemäldegalerie, den ehemaligen fürstlichen Wohnräumen, sind «etwa 100 Bilder ständig ausgestellt, der restliche Bestand von rund 900 Kunstwerken lagert in einem modernen Magazin», erläutert Kustos Jens Henkel. «Arbeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert bilden den Schwerpunkt.» Dazu gehört auch Caspar David Friedrichs Gemälde «Morgennebel im Gebirge» aus dem Jahr 1808, eines der wichtigsten Werke der deutschen Romantik.

Auch eine Grafische Sammlung mit Arbeiten von Albrecht Dürer, die Kunsthandwerkliche Sammlung mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs bei Hof und das «Schwarzburger Zeughaus» gehören zum Museum. Daneben gibt es noch die naturhistorische Sammlung mit einer beeindruckenden Fachbibliothek sowie eine Schau zur Regionalgeschichte. In der Schlossbibliothek stehen 6000 Bücher vom 16. bis 19. Jahrhundert.

Musikalisch verewigte der wenig bekannter Komponist Rudolf Herzer im Jahr 1912 das Schloss im häufig gespielten Konzertmarsch «Hoch Heidecksburg». Er erklang nach dem Zweiten Weltkrieg oft als Ersatz für die noch nicht wieder eingeführte bundesdeutsche Hymne.

Informationen: Das Schloss ist täglich außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, in den Monaten April bis Oktober bis 18.00 Uhr. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Schloßbezirk 1, 07407 Rudolstadt, Telefon: 03672/429 00

Schloss Heidecksburg: www.heidecksburg.de

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