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Aktionswoche an Kliniken - Projekt PARTY

Schocktherapie für Jugendliche soll Unfälle verhindern

Berlin Wenig Erfahrung am Steuer, dafür aber Alkohol im Blut: Für junge Leute ist das Risiko, einen Verkehrsunfall zu verursachen, besonders hoch. Mediziner wollen sie nun zu Vorsicht erziehen - auf der Intensivstation. Kliniken in Münster und Köln nehmen bereits an dem Projekt teil. So soll die "Schocktherapie" aussehen.

Schocktherapie für Jugendliche soll Unfälle verhindern

Der 16-jährige Gianluca schildert in Stuttgart Schülern seinen schweren Verkehrsunfall und dessen Folgen.

Zu schnell, betrunken oder mit dem Handy am Ohr: Um junge Leute vor Verkehrsunfällen zu bewahren, wollen Unfallchirurgen sie einer Art Schocktherapie aussetzen.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) am Montag in Berlin mitteilte, sollen 15- bis 18-Jährige bei einer Aktionswoche bundesweit mit ihrer Schulklasse einen Tag in einer Unfallklinik verbringen und erleben, wie Schwerverletzte versorgt werden. So sollen ihnen etwa die Folgen von zu schnellem oder betrunkenem Fahren vor Augen geführt werden.

"Lektion, die sie nicht so schnell vergessen"

Junge Leute erleben dabei die Stationen, die auch ein Unfallopfer durchläuft - vom Rettungswagen über die Erstversorgung im sogenannten Schockraum. Es folgen die Intensivstation und die Physiotherapie.

"Das ist eine Lektion, die sie nicht so schnell vergessen", sagte DGU-Präsident Michael Nerlich. Die Mediziner wollen Jugendliche so größtenteils schon zu vorsichtigem Fahren erziehen, bevor sie überhaupt den Führerschein machen.

13 Kliniken beteiligt 

Das Präventionsprogramm mit dem Namen "Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth" (PARTY) stammt den Angaben zufolge ursprünglich aus Kanada. Bis zum 19. Juni beteiligen sich 13 Kliniken, darunter auch das Klinikum der Stadt Köln und das Clemenshospital Münster. 

Die DGU arbeitet dabei mit der Akademie der Unfallchirurgie zusammen. Einzelne PARTY-Tage veranstaltet die Akademie bereits seit 2012, die komplette Woche ist jedoch neu. Derzeit gibt es die Schocktherapie etwa in Stuttgart oder Köln.

Risiko bei Jugendlichen doppelt so hoch

Partner und Unterstützer der Initiative sind den Angaben zufolge der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Neben einem tatsächlich Verletzten ist nach Angaben der Organisatoren auch ein früheres Unfallopfer vor Ort.

2014 starben nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 3368 Menschen auf deutschen Straßen, 389 000 wurden verletzt. Nach DGU-Angaben ist das Risiko, bei einem Unfall zu sterben, bei 18- bis 24-Jährigen etwa doppelt so hoch wie das der Gesamtbevölkerung.

Die Unfallchirurgen verweisen in dem Zusammenhang auch auf Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes. Demnach ist zu hohes Tempo die häufigste Unfallursache bei jungen Fahrern. Jeder vierte von ihnen verunglückt am Wochenende - etwa im Dunkeln auf dem Heimweg von der Disco.

von dpa

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