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Interview mit dem Russland-Experten

Scholl-Latour: "Ukrainer haben verrückt gespielt"

BERLIN Durch die Besetzung der Krim durch russische Truppen hat sich der Konflikt in der Ukraine verschärft. Der russische Präsident Wladimir Putin wird in der westlichen Welt als Provokateur gesehen, auch wenn er den Einmarsch russischer Truppen bestreitet. Peter Scholl-Latour, Publizist und Russland-Experte, hat eine ganz andere Sichtweise auf den Konflikt und Putin - und rät im Interview dem Westen, sich zurückzuhalten.

Scholl-Latour: "Ukrainer haben verrückt gespielt"

Der Journalist Peter Scholl-Latour rät dem Westen im Ukraine-Konflikt, sich zurückzuhalten und den russischen Präsident Putin ernst zu nehmen. Am 9. März wird Scholl-Latour 90 Jahre alt.

Man kann nur hoffen, dass sich hier die Vernunft durchsetzt. Russen und Europäer sind hoffentlich schlau genug, nicht schon wieder einen heißen Krieg anzuzetteln, nachdem sie gerade den Kalten Krieg beendet haben. Beide Seiten sollten sich jetzt zurückhalten. Viele Informationen über den Konflikt sind doch sehr einseitig. Der Maidan in Kiew ist nicht die Ukraine. Die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung war stets pro-russisch. Offenbar hat auch die Bundesregierung geglaubt, dass der Aufstand in Kiew repräsentativ für die gesamte Ukraine war. Das Land ist ethnisch und religiös sehr unterschiedlich und geteilt.  

Zu Sowjetzeiten unter Präsident Chruschtschow ist die Krim der Ukraine geschenkt worden. Das geschah ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und war ein willkürlicher Akt. Für Russland ist die Krim ein strategisch unverzichtbares Gebiet. Ein Rückzug von der Krim wäre für Moskau so, als würde man den Amerikanern sagen, sie müssten auf Florida verzichten.

Moskau/Washington Jetzt kommt der Kreml erst richtig in Fahrt. Während der Westen droht, leitet Moskau die schnelle Aufnahme der Krim ein. Weil die Ukraine vor dem Bankrott steht, lockt Russland mit stabilen Renten.mehr...

 

Russland ist für uns ein viel wichtiger Partner als die Ukraine. Es macht doch keinen Sinn, immer auf Putin einzuschlagen. Putin ist doch als Präsident an der Spitze Russlands das geringere Übel. Er ist relativ europa- und deutschlandfreundlich. Es ist idiotisch, mit ihm immer neue Auseinandersetzungen anzuzetteln.  

Die Ukrainer haben verrückt gespielt und dieses Abkommen verworfen. Die Regierung in Kiew hat sich doch selbst ernannt, ihr fehlt die demokratische Legitimation. Natürlich musste Janukowitsch ersetzt werden, das ist klar. Aber er ist immer noch der gewählte Präsident der Ukraine.

Geburtstag am 9. März

"Dinoasaurier" Scholl-Latour wird 90

Er ist der berühmteste Kriegsreporter der Republik: Peter Scholl-Latour erklärt den Deutschen seit sechs Jahrzehnten die Welt. Am Sonntag wird er 90 und ist noch immer unterwegs - demnächst im Tschad. Aber er vertraut weder dem arabischen Frühling noch dem Sieg des Internets.mehr...

 

Die Kanzlerin sollte sich etwas mit ihren Äußerungen zurückhalten. Das ist in dieser schwierigen Lage nicht hilfreich. Was sollen denn derartige Beschimpfungen von Präsident Putin? US-Präsident Obama hat mit seinen Drohnen-Angriffen inzwischen mehr Menschen umgebracht als bei der ukrainischen Revolution ums Leben gekommen sind. Gerade Deutschland sollte sich mit dem moralischen Zeigefinger und Demokratiepredigten etwas zurückhalten. Unser System lässt sich nicht auf alle Staaten übertragen. Wir hätten gute Gründe, uns etwas zurückzuhalten. Vielleicht wäre ein föderativer Staat eine Lösung, in der die unterschiedlichen ethnischen und religiösen Bevölkerungsteile der Ukraine ihre Autonomie zum großen Teil bewahren können.    

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