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Bekannt aus der Lindenstraße

Schriftsteller Harry Rowohlt ist tot

HAMBURG Harry Rowohlt ist tot. Der Schriftsteller und Übersetzer starb am Montag im Alter von 70 Jahren in Hamburg. Das bestätigte sein Agent Ertu Eren. Rowohlt kannte viele vor allem durch seine Auftritte als Obdachloser Harry in der Fernsehserie Lindenstraße.

Schriftsteller Harry Rowohlt ist tot

Der Schriftsteller und Übersetzer Harry Rowohlt ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

Rowohlt sei zu Hause gestorben, bestätigte sein Agent der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Harry Rowohlt war der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt und der Schauspielerin Maria Pierenkämper.  Rowohlt erbte 49 Prozent des gleichnamigen Verlags von seinem Vater Ernst Rowohlt, wollte aber nicht dort einsteigen. Sein Bruder und er verkauften den Verlag Anfang der 1980er-Jahre an die Holtzbrinck- Gruppe. Rowohlt arbeitete er zeitweise als Werbetexter in einer Werbeagentur. Seit 1971 arbeitete er als freiberuflicher Übersetzer aus dem Englischen.

Besondere Berühmtheit erlangte Rowohlt als Darsteller des Obdachlosen Harry in der Fernsehserie Lindenstraße. Durch seine Auftritte in der Serie vor einem Millionenpublikum war sein markantes Gesicht mit dem grauen Rauschebart und seiner unverwechselbaren Stimme jedem bekannt. Die Rolle erhielt er, weil er auf die Frage einer Zeitschrift nach seinem Lieblingsrestaurant vom „Akropolis“ in der „Lindenstraße“ sprach. 

Ausufernde Bühnenauftritte

Rowohlt war außerdem bekannt für seine  Solo-Bühnenauftritte, die mehr als sechs Stunden dauern konnten.  Die ausufernden Veranstaltungen nannte er früher „Schausaufen mit Betonung“, da er während der Lesung gerne alkoholische Getränke konsumierte. Nach längerer Alkoholabstinenz gab Rowohlt ab 2009 wieder Lesungen. Da jetzt nur noch Wasser auf dem Tisch stand, nannte er die Veranstaltungen nun „Betonung ohne Schausaufen“.

Im Juni 2007 gab Rowohlt bekannt, dass er an der nicht heilbaren Krankheit Polyneuropathie leide, die seine Gehfähigkeit stark beeinträchtigte. Die eigene Krankheit kommentierte er sarkastisch: „Ich brauch' mich als passionierter Stubenhocker nicht groß umschulen zu lassen.“ Seine Rolle in der Lindenstraße will Rowohlt weiterführen, notfalls im Sitzen, wie er dem Produzenten unverzüglich mitteilte. 

Multitalent

Harry Rowohlt galt als Multitalent. Er war Übersetzer zahlreicher Bücher aus dem Englischen, Vorleser, Autor, Original, und Botschafter des irischen Whiskeys. Geboren wurde Harry Rowohlt am 27. März 1945 in Hamburg. Nach dem Abitur war er Lehrling im Suhrkamp Verlag. Danach volontierte er kurz im Rowohlt Verlag und fand es „schrecklich“, wie er wiederholt erzählte. Gegen den Willen des Vaters stieg er danach nicht ins Familienunternehmen ein, sondern ging für eine Weile nach Amerika. Zurückgekehrt nach Deutschland verdiente er sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit Werbetexten.

Mit der Übersetzung des Kinderbuches „the last man alive“ wurde er schlagartig bekannt. Unter dem Titel die „Grüne Wolke“ schaffte das Werk als erstes Kinderbuch 1971 den Sprung in die „Spiegel“- Bestsellerliste. Rowohlts Übersetzungen von „Winnie-the-Pooh“ (Pu der Bär) wurden ebenfalls hoch gelobt, wie seine Übertragungen amerikanischer Literatur ins Deutsche. Als Kolumnist und Vortragskünstler war Rowohlt viele Jahre fast ebenso gefragt wie als Übersetzer.

Rowohlt, der mit seiner Frau Ulla in Hamburg-Eppendorf lebte, wurde auch als Vorleser und Schauspieler einem großen Publikum bekannt. So wurde er unter anderem für sein sechsteiliges Hörbuch „Pu der Bär“ ausgezeichnet, außerdem erhielt er den Sonderpreis des Deutschen Literaturpreises für sein Gesamtwerk. 



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