Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Schrille Gesellschaftskritik: Neues Pollesch-Stück uraufgeführt

München (dpa) - Ein Goldschatz aus Kairo, ein Pornofilm und immer wieder ein Liebhaber im Schrank - kreuz und quer geht's in René Polleschs neuem Stück «Solidarität ist Selbstmord» zu, das im Neuen Haus der Münchner Kammerspielen seine Uraufführung feierte.

Schräg, schnell und chaotisch, wie man es bereits von seinen früheren Stücken kennt, inszenierte der Berliner Autor und Regisseur Pollesch auch sein neues Werk. Wie stets bei Pollesch gibt es keine Rollen und keine Geschichte im klassischen Sinn.

Die Schauspieler sind anfangs nur auf der Leinwand zu sehen. Erst dann klärt sich: Das Spiel aus einem «Schlafzimmer» oder der Theater-Bar ist kein Film, sondern wird live in den Zuschauerraum übertragen. Immer wieder wechseln die Schauspieler den Ort, immer wieder sind sie nicht auf der Bühne, sondern nur «aus zweiter Hand» über die Kamera auf der Leinwand zu sehen.

Der Text hält Publikum wie Schauspieler am Rande der Überforderung. Kaum nimmt der Zuschauer einen Strang auf und folgt einer Aussage, reißt der Faden schon wieder ab, die Sätze kreiseln ins Absurde - um gerade damit wieder neue Denkräume zu öffnen.

Pollesch, der 2006 zum zweiten Mal als Dramatiker des Jahres ausgezeichnet wurde, entlehnte den Titel einem Vortrag seines langjährigen Wegbegleiters Carl Hegemann, Chefdramaturg der Berliner Volksbühne. Hegemann zitiert unter anderem den Ökonomen Adam Smith, der die Förderung des Gemeinwohls gerade darin sah, dass der Einzelne nur seine eigenen Interessen verfolgt und fragt: «Ist Solidarität Selbstmord».

In schrillen Klamotten liefern Anna Böger, Sylvana Krappatsch, Bernd Moss, Lasse Myhr, Mira Partecke und Sebastian Weber in dem einstündigen Stück denn auch eine teils überraschende Gesellschaftskritik: Lohnarbeit ist wie eine Pornodarstellung, aber bei letzterer wird wenigstens der Körper in seinen Fähigkeiten wirksam. In Pornofilmen wiederum gibt es keine Treue - außer die der Kundschaft. Warum also geht es in Hollywood nur um Treue von Liebespaaren und nicht um die Kundentreue - «dabei leben die davon».

Bunt und schnell wirbeln die Szenen, fast wie im wirklichen Leben. Nur: Was ist echt, was ist gespielt - und werden nicht am Ende Täuschung und Spiel schon dadurch Wirklichkeit, dass sie ja zumindest als (falsches) Spiel stattgefunden haben? «Hier spielen alle die Wirklichkeit, wie soll man sich da noch auskennen?!» beschwert sich Pornoproduzent Jack Horny (Bernd Moss). Fazit am Ende: Die Träume der Menschen werden erfüllt «von Spielern in der Wirklichkeit».

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Bühne

Johan Simons verabschiedet sich von der Ruhrtriennale

Bochum (dpa) Welche Aufgabe hat das Theater in politisch aufgeheizten Zeiten? Der Theatermacher Johan Simons hat dazu eine klare Meinung. Das hat er in drei Jahren seiner Ruhrtriennale-Intendanz bewiesen.mehr...

Bühne

Johan Simons: "Wir müssen noch offener sein"

Düsseldorf (dpa/lnw) Johan Simons hat die Ruhrtriennale politisch wie nie zuvor gemacht. Nach drei Jahren verabschiedet er sich nun als Intendant - mit einem politischen Aufruf.mehr...

Bühne

Volksbühne bietet Besetzern Räume an

Berlin (dpa) Tag 5 der Volksbühnen-Besetzung. Verhandeln statt vertreiben - so lautet das Motto der Berliner Kulturverwaltung. Nun sollen den Aktivisten Räume des Theaters zur Verfügung gestellt werden.mehr...

Bühne

"Der bewegte Mann" als turbulentes Musical

Hamburg (dpa) Mehr als 6,5 Millionen Zuschauer machten "Der bewegte Mann" zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinokomödien der 1990er Jahre. Jetzt feiert die Geschichte um die Liebeswirrungen von Homos und Heteros als Musical im Hamburger Thalia Theater Premiere.mehr...