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Schrittweise Öffnung: Der Fahrplan für das Humboldt Forum

Potsdam/Berlin. Zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt im Herbst 2019 soll in Berlin das Humboldt Forum öffnen. Doch Besucher werden sich gedulden müsse, bis sie wirklich alle Räume im wiederaufgebauten Stadtschloss besuchen können.

Schrittweise Öffnung: Der Fahrplan für das Humboldt Forum

Anfang Juni tritt Hartmut Dorgerloh seinen neuen Job an. Foto: Gregor Fischer

Der künftige Generalintendant des Humboldt Forums in Berlin, Hartmut Dorgerloh, will im Herbst eine Choreographie für eine schrittweise Öffnung des Hauses vorlegen.

Der erste Teilbereich solle im Herbst 2019 in Betrieb gehen, spätestens zwei Jahre später sollen dann alle Räume im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss genutzt werden, sagte Dorgerloh (55) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Bislang ist Dorgerloh Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Anfang Juni tritt er seinen neuen Job an.

„Das Haus ist riesengroß“, sagte Dorgerloh. Bei einem Besuch allein könne man ohnehin nicht alle Räume schaffen. „Insofern denke ich, ist da eine gestaffelte Eröffnung ganz gut. Die jetzigen Zeitpläne sehen aber vor, dass spätestens zwei Jahre nach der ersten Eröffnung alle Bereiche in Nutzung sind.“ Dies wäre dann der Herbst 2021.

Das Gebäude müsse allerdings im kommenden Jahr fertig sein, der Zeitplan hänge dann aber auch nicht nur am Bau, sagte Dorgerloh. Dabei verwies er auf den Bau der U-Bahn vor dem Gebäude. „Der verzögert sich gerade etwas“, sagte Dorgerloh. „Die U-Bahnbaustelle ist vor dem Haus, deshalb können die Außenanlagen nicht gemacht werden vom Land Berlin. Und wenn die Außenanlagen nicht gemacht sind, gibt es keine Aufstellflächen für die Feuerwehr. Daraus ergeben sich Einschränkungen, durch welche Tore man hinein und heraus kann.“

„Meine Aufgabe ist jetzt dafür zu sorgen, dass das Haus fertig wird, also die Kollegen vom Bau zu unterstützen, dass auch die Services wie Gastronomie oder Toiletten funktionieren.“ Zunächst stünden damit sehr praktische Fragen im Mittelpunkt. „Es nützt einem ja nicht, das tollste künstlerische oder wissenschaftlich anspruchsvolle Programm zu haben - und es ist im Haus nicht geheizt“.

Er sei aber optimistisch, dass die Planungen eingehalten werden - auch vor dem Hintergrund der Probleme am Berliner Großflughafen. „Gerade weil es andere Fälle gibt, haben die verantwortlichen Kollegen vom Bau in den vergangenen Jahren sehr genau auf das Humboldt Forum geschaut. Und die sagen unisono, das Haus liegt im Kosten- und Zeitplan“, sagte Dorgerloh. „Ich bin da ganz optimistisch. Es gibt bisher keine Anzeichen, dass man das Haus nicht in Betrieb nehmen könnte.“

Zum Gesamtkonzept des Hauses betonte Dorgerloh, er fange nicht bei Null an. „Es gibt ganz viele Gerichte, die vorbereitet und teilweise quasi auch schon in der Röhre sind. Die müssen aber noch in eine Menü-Abfolge kommen und dann wird man vielleicht feststellen, da fehlen noch ein paar Sachen.“ Er sehe sich selbst eher als „Spielplangestalter, der die Bühne öffnet, damit andere darauf inszenieren können“.

Das Humboldt Forum werde ein offenes Haus mit einer vielfältigen Nutzung werden. „Es will deutlich mehr und ist deutlich mehr als ein Museum“, sagte Dorgerloh. Nachdem es bereits als Berliner Centre Pompidou oder als Schaufenster Deutschlands bezeichnet worden ist, präferiere er einen historischen Begriff, der aus der Zeit der Entstehung der Berliner Museumsinsel stamme - das Forum solle eine „Freistätte für Kunst und Wissenschaften“ werden.

Als Generalintendant soll Dorgerloh künftig die Richtlinienkompetenz haben. Daneben gibt es mehrere Gremien wie die Leitungskonferenz, die Programmkonferenz oder den internationalen Expertenbeirat. In der Leitungskonferenz sind auch die drei Nutzer - die Preußenstiftung, die Humboldt-Universität und das Land Berlin - mit Stimmrechten vertreten.

Auf die Frage, ob er sich angesichts der Komplexität nicht vor einer überbordenden Bürokratie fürchte, sagte Dorgerloh: „Regeln sind notwendig und gut. Aber am liebsten ist es mir mit Handschlag. Wenn wir da eine Situation hinbekommen, die genau so funktioniert - dass man einfach sagt: heute mach ich das und morgen machst du dafür das und dafür braucht es keinen Kooperationsvertrag - das wäre ein schönes Ziel“. Man werde sich zwar auch mal streiten, wer am begehrten Samstagabend den Hauptsaal nutzen dürfe. Aber: „Wir alle wissen, wir können nur gemeinsam das Haus zum Erfolg führen.“

Angesichts der jüngsten Debatte über Raubkunst auch in den deutschen Museen sagte Dorgerloh: „Das ist ein zentrales Thema für das Haus. Das Humboldt Forum ist selber ein Katalysator für diese Debatte.“ Denn wenn die ethnologischen Sammlungen neu gezeigt werden, müsse man sich auch mit der Geschichte der Objekte beschäftigen. „Da gibt es auch Stücke, die ganz eindeutig aus Unrechtszusammenhängen aufgrund von Eroberungen, Erpressung oder Raub in die europäische Sammlungen gekommen sind, auch nach Berlin.“ Es werde auch künftig Rückgaben geben. Gerade auch bei Stücken aus der Kolonialzeit werde man mit den Herkunftsgesellschaften faire Lösungen finden müssen.

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