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Schülerfirmen bereiten auf die Arbeitswelt vor

Wilhelm-Rein-Förderschule

50 Schüler der Wilhelm-Rein-Förderschule machen in sechs Schülerfirmen erste Erfahrungen mit der Arbeitswelt. Seit zehn Jahren schon. Erstmals arbeiten in diesem Schuljahr acht Inklusions-Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums (HHG) in den Firmen mit. Wir haben sie besucht.

OESTRICH

, 15.02.2017
Schülerfirmen bereiten auf die Arbeitswelt vor

Die "Froschkönige“ bereiten nicht nur den Teich hinter der Schule für den Frühjahrswuchs vor. Auf Anfrage kümmern sie sich auch um Privatgärten.

Hümeyra ist 16 Jahre alt und sitzt an der Nähmaschine. Akribisch befestigt sie Schlaufen an einem Babyknistertuch. „Es ist fast fertig. Mit dem Stoffaussuchen habe ich angefangen“, erzählt sie. Einen Arbeitstag hat sie an dem Spiel- und Kuschelaccessoire gearbeitet. Hümeyra ist konzentriert. „Man muss sich viel Mühe geben, das ist manchmal anstrengend. Wenn ich einen Fehler mache, muss ich ihn ausbessern.“

Schriftliche Bewerbung

Jeden Mittwoch von 10.30 Uhr bis 15 Uhr arbeitet sie in der Firma „Stoffträume“, donnerstags reflektieren die Angestellten die Arbeit und lernen Grundlagen des Rechnungswesens kennen. Denn alle Produkte werden verkauft, Dienstleistungen der Schwesterfirmen ebenfalls honoriert. Den Job bekam Hümeyra nicht „geschenkt“. Ohne schriftliche Bewerbung und Lebenslauf geht auch in den Schülerfirmen nichts. Dann folgte das Vorstellungsgespräch, schließlich die Einstellung – Vertrag inklusive. „Alle Schüler durchlaufen dieses Verfahren“, erklärt Barbara Winzer-Kluge. „Die meisten Bewerber kommen zu den Vorstellungsgesprächen auch besser gekleidet“, hat die Wilhelm-Rein-Schulleiterin beobachtet. Der Alltag in den Schülerfirmen: Berufspraxis – kein Rollenspiel, bis hin zur Abmahnung.

Enge Zusammenarbeit der Schulen

„Die Schülerfirmen decken den kompletten Bereich der Arbeitslehre ab“, sagt Sigrid Bass, Förderschullehrerin am Heinrich-Heine-Gymnasium. Förderschule und Gymnasium? „Größer kann die Spanne nicht sein“, sagt Barbara Winzer-Kluge. Eine Konsequenz aus der Inklusion: Seit fünf Jahren nimmt das HHG Schüler mit Förderbedarf im Lernen auf. „Ohne Wilhelm-Rein könnten wir das nicht, weil wir die Infrastruktur gar nicht haben“, betont Heine-Schulleiter Dr. Detlef von Elsenau. „Ich habe mir aber auch gar keine Gedanken darüber gemacht, wie es anders gehen könnte. Schließlich arbeiten wir im Bildungsnetzwerk Mengede eng zusammen.“ Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch unterstreicht das: „Ich bin froh, dass wir die Wilhelm-Rein-Schule erhalten haben.“

Kooperations-Anfragen

Für Barbara Winzer-Kluge ist die neue Kooperation eine wichtige Probe, denn auf ihrem Schreibtisch liegen bereits Anfragen anderer weiterführender Schulen.

Während die aktuellen Kooperationspartner berichten, rattern im Hintergrund die Nähmaschinen. „Hier arbeite ich, dort lerne ich“, sagt Hümeyra. „Beides macht mir Spaß.“ Im Sommer wird sie das HHG verlassen. „Wenn sie mich annehmen, gehe ich auf das Berufskolleg in Castrop.“ Fachrichtung: Ernährung. Hümeyra ist dann mit dem Arbeitsalltag schon ein wenig vertraut. Das Fach ist dann ebenfalls kein Neuland. „Ich helfe meiner Mutter gerne, backe Torten und koche türkische Gerichte.“ Und das gewiss ebenso akribisch und konzentriert wie beim Nähen.