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Schweiz verpasst Gold - „Herzen so groß wie das Matterhorn“

Kopenhagen. Im packenden WM-Finale von Kopenhagen stand die Schweiz dicht vor einer der größten Sensationen der Eishockey-Geschichte. Erst im Penaltyschießen verdarben die Schweden ihnen die Party. WM-Gold haben sich die Eidgenossen nun für die Zukunft zum Ziel gesetzt.

Schweiz verpasst Gold - „Herzen so groß wie das Matterhorn“

Niedergeschlagene Schweizer nach der Finalniederlage. Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE

Mit den Silbermedaillen um den Hals feierten die Schweizer Eishockey-Spieler in der Heimat ihren unvergesslichen WM-Moment.

Tausende Fans bereiteten der Mannschaft nach dem dramatisch mit 2:3 nach Penaltyschießen gegen Schweden verlorenen WM-Finale am Flughafen Zürich-Kloten einen begeisterten Empfang. Zur Enttäuschung nach dem knapp verpassten Gold kam auch Stolz. „Schlussendlich haben wir ganz Großes geleistet. Aber wir brauchen sicher noch ein paar Tage, um das zu verdauen“, sagte der beste Schweizer WM-Torschütze Enzo Corvi.

Dass es am Sonntagabend in Kopenhagen nicht zum ersten großen Titel reichte und die Schweden ihnen wie 2013 die Party vermiesten, nehmen die Schweizer als Ansporn. „Ich habe immer gesagt, dass die Schweiz irgendwann Weltmeister wird. Vielleicht erlebe ich es noch als Trainer, vielleicht als Fan, aber irgendwann werde ich es erleben“, sagte Trainer Patrick Fischer forsch. „Als wir vor drei Jahren über den WM-Titel gesprochen haben, hat mir jeder ins Gesicht gelacht. So falsch lag ich da wohl nicht.“

Im packenden Finale hatte es zunächst bei zweimaliger Führung ebenso wie im Penaltyschießen so ausgesehen, als könnte sich die Schweiz in den elitären Kreis der bisher nur acht Weltmeister-Nationen einreihen. In der Penalty-Lotterie scheiterten aber nach dem erfolgreichen ersten Schützen Sven Andrighetto alle seine Kollegen.

Oliver Ekman-Larsson und Filip Forsberg trafen für den Favoriten und krönten so die famose WM des Titelverteidigers mit zehn Siegen in zehn Spielen mit dem elften WM-Titel. Tief frustriert kauerten die Schweizer anschließend auf dem Eis. Sie lehnten sich an die Bande, blickten ins Nichts. „Ich hätte nicht einmal protestiert, wenn die Schweiz das gewonnen hätte. Sie spielten mit Herzen so groß wie das Matterhorn“, schwärmte die schwedische Zeitung „Aftonbladet“.

Auch vor fünf Jahren war die Schweiz ins Finale gestürmt, in Stockholm war der Underdog dem Gastgeber Schweden aber klar mit 1:5 unterlegen. Es war das erste WM-Edelmetall seit Bronze 1953 gewesen. Diesmal ist der zweite Platz wohl schwerer zu verdauen. „Wenn du die Bilder siehst, wie sie am Feiern sind, dann tut es weh. Es wollte nicht sein, vielleicht muss es das nächste Mal sein“, sagte der starke Torhüter Leonardo Genoni. NHL-Stürmer Timo Meier meinte: „Wir haben einen langen Weg hinter uns und große Schritte gemacht, aber wir sind noch nicht fertig. Unser Ziel ist die Goldmedaille.“

Ähnlich wie bei Olympia die deutschen Silbergewinner von Bundestrainer Marco Sturm hat die Schweiz mit dem Finaleinzug bei der WM einen Coup geschafft. Anders als bei den Winterspielen von Pyeongchang waren in Kopenhagen und Herning NHL-Spieler dabei, das Niveau war dadurch höher. Auch die Schweiz hatte sechs Profis aus der stärksten Liga der Welt in ihren Reihen.

Noch vor drei Monaten waren die Schweizer in Südkorea mit der knappen Niederlage im Ausscheidungsspiel fürs Olympia-Viertelfinale an den Deutschen gescheitert. Fischer war im Anschluss kritisiert worden, hat nun aber ein Siegerteam geformt, das daran glaubte, auch die Top-Nationen bezwingen zu können. „Wir sind aber weder Deppen noch Helden, sondern ehrliche Arbeiter mit einem großen Sportlerherz. Manchmal läuft es, manchmal läuft es nicht“, sagte der Trainer.

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