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Tierquälerei

Schwere Missstände auf deutschen Schlachthöfen

Berlin Schlachten ohne richtige Betäubung: Beim akkordmäßigen Töten von Schweinen und Rindern in deutschen Schlachthöfen kommt es aus Sicht der Bundesregierung teils zu gravierenden Tierschutzmängeln und unnötigen Leiden. Die Fleischwirtschaft in NRW weist die Vorwürfe zurück.

Schwere Missstände auf deutschen Schlachthöfen

Rinderhälften im Schlachthof: Die Grünen forderten ein Ende der Akkordarbeit auf den Schlachthöfen. Foto: dpa

Optimaler Tierschutz komme in deutschen Schlachthöfen zu kurz, heißt es in einer Antwort des Bundesagrarministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Zentrales Problem sind Defizite bei der Betäubung. Sind die Tiere nicht ausreichend betäubt, können sie bei den Schlachtarbeiten das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen wiedererlangen und müssten unnötig leiden. Bei Rindern würden laut Studien bis zu 9 Prozent nicht richtig betäubt. Die höchste Fehlbetäubungsrate liegt bei Schweinen bei bis zu 12,5 Prozent – wenn per Hand bediente elektrische Betäubungsanlagen eingesetzt werden.

Bei Westfleisch werden Schweine wie auch in vielen anderen Großbetrieben vor dem Schlachten mit CO2 betäubt, erklärt der Unternehmenssprecher aus Münster auf Anfrage. Die Fehlerquote ist bei diesem Verfahren wesentlich niedriger. „Und die handbediente Betäubung wäre in großen Betrieben gar nicht praktikabel“, so der Sprecher. In Coesfeld, einem von fünf Westfleisch-Schlachthöfen, werden stündlich zwischen 600 und 800 Schweine mit einem sogenannten Entblutestich getötet. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisiert, dass derart hohe Tötungszahlen Grund für Tierschutzmängel seien. Sie fordert Vorschriften für maximale Tierzahlen pro Stunde und bessere Kontrolle an den Betrieben. Für die sind die Veterinärämter zuständig. Schlachthöfe, die mehr als tausend Tiereinheiten pro Jahr töten, sind zudem verpflichtet, Tierschutzbeauftragte zu beschäftigen.

Der Verband der Fleischwirtschaft hielt der Bundesregierung „Pauschalierungen und Unkenntnis der aktuellen Situation“ in der Branche vor. Undifferenzierte Prozentwerte und nicht zeitgemäße Literaturquellen würden in unseriöser Weise verallgemeinert.  Die Unternehmen seien mit moderner Betäubungs- und Entblutetechnik ausgerüstet und hätten ein großes Eigeninteresse daran, Prozesse ständig weiterzuentwickeln. Westfleisch beispielsweise hat gerade erst ein neues Verfahren, das sicherstellen soll, dass die Tiere vor der Verarbeitung wirklich tot sind, zum Patent angemeldet, so der Sprecher.

Vom Westfälischen Landwirtschaftsverband hieß es gestern, die Landwirte als Erzeuger vertrauten auf die Kontrollbehörden: „Wir können die genannten Zahlen nicht weiter kommentieren“, so ein Sprecher. Bauern würden ihre Tiere dorthin verkaufen, wo es die besten Preise gebe und das Geld auch fließe: „Sicherlich stehen die Schlachthöfe aber unter Preisdruck“, so der Sprecher. In Coesfeld kontrollieren die Amtstierärzte täglich die Abläufe bei Westfleisch. „Da jedes Tier anders ist, kann es vorkommen, dass einzelne nicht ausreichend betäubt sind“, sagt Dr. Raphaele Brüske, Amtstierärztin im Kreis Coesfeld. Das sei aber die Ausnahme, und dann werde sofort nachbetäubt.

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