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29-Jähriger Schwerter war ausgerastet - Gericht reduziert Strafe nach Körperverletzung

Prozess

Er war betrunken, wurde provoziert und rastete aus. Wegen Körperverletzung hätte ein 29-Jähriger aus Schwerte ins Gefängnis gesollt. Doch das Landgericht Hagen reduzierte die Strafe.

Schwerte

, 15.10.2018

Fahren ohne Führerschein, Körperverletzung, Drogenhandel, Beleidigung und Urkundenfälschung: Die Liste der Straftaten, die der Angeklagte seit 2014 begangen hat, ist lang und ausführlich. Wirklich schlimme Sachen hat er zwar nie angestellt. Irgendwann reichte es aber dafür, ins Gefängnis zu müssen.

Mitte 2017 befand sich der Schwerter schließlich im offenen Vollzug. Das bedeutete, dass er tagsüber die Haftanstalt verlassen durfte und nur zum Übernachten wieder zurückkommen musste. Und sogar Urlaub wurde ihm gewährt. So auch am 14. Juli 2017.

An diesem Abend hielt sich der Angeklagte zusammen mit zwei Freunden auf dem Kinderspielplatz an der Lichtendorfer Straße auf. Alle drei tranken Wodka und Bier. Und als später drei Männer auf dem Heimweg von einer Party an dem Spielplatz vorbei kamen, dauerte es nicht lange, ehe die Situation eskalierte.

Keine Zigarette gegeben, aber Rauch ins Gesicht gepustet

Der Angeklagte fragte die Nachtschwärmer nach einer Zigarette. Die lehnten ab, doch einer konnte es nicht lassen, dabei auch noch genüsslich an einer Zigarette zu ziehen und dem 29-Jährigen den Rauch ins Gesicht zu blasen. Das war zu viel für den betrunkenen Schwerter. Nachdem er den Provokateur mit einem Faustschlag zu Boden geschickt hatte, trat er mehrmals mit seinen Füßen auf den Kopf des Mannes ein. Die Bilanz: mehrere blutende Wunden und eine schwere Prellung.

All das gab der Angeklagte am Montag in der Berufungsverhandlung zu. Sein Ziel war nicht ein Freispruch vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung, sondern allein eine Bewährungsstrafe. „Die vier Monate sind völlig okay“, sagte sein Verteidiger. „Ich glaube aber, dass mein Mandant heute eine positive Sozialprognose vorweisen kann und eine Bewährung deshalb gerechtfertigt wäre.“

Vorstellungsgespräch: Hat der Angeklagte bald einen neuen Job?

Einen Job hat der 29-Jährige zwar noch nicht. Wohl aber die Erinnerung an ein Vorstellungsgespräch vor ein paar Tagen. „Das ist vielversprechend gelaufen“, so der Verteidiger. Der Anwalt führte außerdem ins Feld, dass sein Mandant inzwischen eine eigene Wohnung bezogen und dem Alkohol abgeschworen habe. „Null komma null“, würde der Angeklagte heute trinken.

Staatsanwaltschaft und Landgericht reichten diese Angaben. Nach kurzen Plädoyers und einer etwas längeren Beratungspause stand fest: Das Urteil des Amtsgerichts Schwerte wird abgeändert, die vier Monate Haft werden zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der Schwerter regelmäßig Kontakt mit einem Bewährungshelfer halten und in bestimmten zeitlichen Abständen nachweisen, dass er keinen Alkohol und keine Drogen mehr zu sich nimmt.

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