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Autobiografie über den Krebs in der Brust

HENNEN Martina Erlemann hat ein Buch über ihre Brustkrebserkrankung geschrieben. Was war, was ist - aber nicht darüber, was sein wird.

von von Hilke Schwidder

, 08.08.2008
Autobiografie über den Krebs in der Brust

Martina Erlemann: "Jeder muss seine Behandlung finden."

Martina Erlemann hat die Haare kurz gelassen. Alle vier Wochen geht sie zum Frisör. „Ich habe mich so entschieden“, erklärt sie. „Für wie lange, das weiß ich noch nicht.“ Die 53-Jährige streicht sich mit der Hand über die Frisur. Früher waren ihre Haare lang, sagt sie. Dann lehnt sie sich in ihrem Stuhl zurück. Vor ihr auf dem Tisch liegt ein Buch. 60 Seiten. Weiß-gelber Umschlag. Martina Erlemann hat dieses Buch geschrieben. Über das Leben mit Brustkrebs. Über ihr Leben mit Brustkrebs.

„Warum ...? Vielleicht deshalb, um dem Ganzen einen Sinn zu geben ...“ – Das ist die erste Passage. Sie ist so klar und direkt wie die folgenden Seiten. Keine Verniedlichungen. Keine Ausflüchte. Was zwischen den Buchklappen steht, ist persönlich. Es hilft der Autorin beim Verarbeiten der eigenen Angst und soll auch anderen Betroffenen und ihren Familien Mut machen. Im Oktober 2005 erhielt Martina Erlemann die Diagnose. Im August 2008 sitzt sie an diesem Tisch mit dem Buch darauf. Sie sagt: „Bald sind es drei Jahre. Und ich bin immer noch da.“ Sie hat viele Prognosen und Therapiemethoden gehört. Viele Ärzte gesehen, viele Niederschläge gespürt.

Und: Sie hat ihren eigenen Weg gewählt. „Jeder muss für sich selbst klären, mit welchem Arzt er am besten auskommt und mit welcher Behandlung.“ Für sie sei sehr schnell klar geworden, dass sie mitentscheiden und nicht blind den Anweisungen der Mediziner folgen wollte. Inzwischen ist die Chemotherapie vorbei. Martina Erlemann sagt den Zellen in ihrem Körper: „Bleibt ruhig. Ich muss mit euch leben, aber bleibt ruhig. Ich habe die Botschaft verstanden.“ Ein Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, während sie das erzählt. Menschen wollten die Sterblichkeit immer verdrängen, am besten gar nicht daran denken. „Aber die Krankheit hält mir die Vergänglichkeit wie ein Spiegel vor Augen“, sagt die Buchautorin.

Sie mache keine Pläne für die nächsten Jahre. Aber sie lebe schneller. Intensiver. Jetzt habe sie das Gefühl, sich erst einmal mit dem Krebs arrangiert zu haben. Ihr Feind? Nein, das sei er nicht. „Es sind meine Zellen, die das machen“, sagt Martina Erlemann. „Warum auch immer.“ Sie hebt die Schultern. Für sie sei es wichtig, dem Körper zu vertrauen. Manchmal kann die Hennenerin abschalten. Nicht, wenn sie über ihr Buch spricht. Und auch nicht in den ersten Monaten nach der Diagnose. „Aber man könne lernen ...“ Die lähmende Mutlosigkeit nennt Martina Erlemann „Krebs im Kopf“. Und natürlich gebe es Tage, an denen sie sich breit mache. Aber das dürfe nicht Überhand nehmen. Positive Bilder helfen der Autorin dabei, den Krebs aus dem Kopf wieder heraus zu bekommen. Und Freunde wie Familie stehen an ihrer Seite.

„Ich habe so viele Erfahrungen gemacht – positive wie negative, dass ich angefangen habe, das Buch darüber zu schreiben.“ Martina Erlemann wiegt die 60 Seiten zwischen ihren Handflächen. Und dann gibt es doch einen Plan: Sie möchte ihr Werk auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen.   Martina Erlemann: Auf der Suche nach den Glücksböhnchen. Leben mit Brustkrebs, Frankfurter Literaturverlag, Frankfurt a. M., 2008

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