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Ein neues Gutachten, um das alte Gutachten zu überprüfen

Verkehr in Schwerte

Ein Gutachten für 4500 Euro überprüft, ob ein Vorschlag aus einem Gutachten für 105.000 Euro umsetzbar ist. Nur ein Detail, warum das Mobilitätskonzept für Schwerte bislang kaum wirkt.

Schwerte

, 05.07.2018
Ein neues Gutachten, um das alte Gutachten zu überprüfen

Das Einbahnstraßenschild an der Brückstraße kann hängen bleiben. Hier geht es auch künftig weiter links herum. © Mühlbauer

Ein Mobilitätskonzept für die Stadt Schwerte für lange Jahre hatte der Rat 2012 in Auftrag gegeben. 105.000 Euro hat das 118 Seiten starke Papier die Stadt gekostet, als es vier Jahre später endlich vorlag. Man hatte mit Vertretern der Bürgerschaft, mit der Wirtschaft und den Verkehrspolitikern der Parteien gesprochen, den Verkehr gezählt und die Straßenverbindungen analysiert. Im Juli 2016 wurde das Ergebnis dann endlich vorgestellt, und noch heute wird es auf der Homepage der Stadt als strategischer Rahmenplan für die Verkehrsplanung auf gesamtstädtischer Ebene gefeiert. Doch dort, wo das Papier konkret ist, bleibt alles beim Alten. Jüngst nahm die Stadt sogar 4500 Euro in die Hand, um die Umsetzbarkeit einer der Maßnahmen zu prüfen. Das Ergebnis: Die Maßnahme ist gar nicht umsetzbar. Andere Vorschläge der Gutachter aus Hannover haben politisch keine Mehrheit, und dann gibt es schlichtweg Sachen, die auf die lange Bank geschoben wurden.

Kurze Mitteilung am Ende der Sitzung

Es war nur eine kurze Mitteilung am Ende der Sitzung des Planungsausschusses in der vergangenen Woche. Das Büro Planquadrat habe sich nach einem Prüfauftrag des Ausschusses mit der Verkehrssituation an der Hagener Straße/Brückstraße beschäftigt, erklärte Jan Menges von der Bauverwaltung. Für diesen Bereich hatte das Mobilitätskonzept vorgeschlagen, die Einbahnstraßenregelung umzukehren. Statt von der Hagener Straße nach rechts in Richtung Markt, solle man prüfen, ob der Verkehr künftig nicht besser links in die Ostenstraße einbiegen könne. Damit sei der Parkplatz Im Reiche des Wassers besser zu erreichen, werde die Führung der Buslinien vereinfacht, und die Tiefgarage unter dem Markt sei von Osten her besser erreichbar.

Neue Kosten für neues Gutachten

Die Prüfung wurde ebenfalls nach außen vergeben, diesmal an das Büro Planquadrat. Kosten: erneut 4500 Euro. Das Ergebnis: Alles bleibe besser beim Alten. Denn die Feuerwehr müsse auf ihrem Weg von der Wache (im Osten der Stadt) auf ihrem Weg zu Einsätzen im westlichen Stadtgebiet auch durch die Einbahnstraßen im historischen Stadtkern. Bislang fahren Löschzüge und Rettungswagen mit der Einbahnstraße durch die Ostenstraße und dann entgegen der Einbahnregelung das kurze Stück Hagener Straße bis zur Polizeiwache. Würde man die Einbahnstraßenregelung umkehren, würden die Rettungswagen 25 bis 35 Sekunden länger brauchen, weil die Ostenstraße zu eng sei, um gegen die Einbahnregelung zu fahren. Das gefährde die Ziele des Brandschutzbedarfsplans, nach dem die ersten Rettungskräfte innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein sollen.

Auch bei anderen Kernthesen des teuren Gutachtens tut sich derzeit nichts. So sollte der südliche Bereich der Hagener Straße statt mit der Fußgängerampel zwischen Mährstraße und City-Cen-trum mit einem sogenannten Shared-Space-Konzept (eine Art befahrbare Fugängerzone) an die Fußgängerzone angebunden werden. Ein Vorschlag, der so lange nicht umsetzbar ist, wie die Hagener Straße dem Land gehört. Mit dem will man seit Jahren Hagener- gegen Beckestraße tauschen, geklappt hat das noch nicht.

Bahnhofstraße als Einbahnstraße

Der Vorschlag, die Bahnhofstraße nach dem Umbau ab der Einmündung Poststraße in eine Einbahnstraße stadteinwärts umzuwandeln, wurde ebenfalls wieder verworfen.

Die Wiedereinführung von Parkgebühren, die ebenfalls im Konzept stehen und damit im Prinzip vom Rat auch beschlossen wurden, lehnt die Ratsmehrheit bisher eigentlich ab. Für solche Fälle hat man sich ein Hintertürchen aufgelassen. Das 105.000-Euro-Papier wurde eben als strategischer Rahmenplan verabschiedet. Die Einzelmaßnahmen müssen alle ebenfalls die politischen Gremien passieren und werden dann noch mal überprüft. Wie das ausgehen kann: siehe Einbahnstraßenregelung.

Kommentar

Ob die Reise durch die Altstadt rechts oder linksrum führen soll, ist mir persönlich eigentlich recht egal. Was mir dann doch weniger egal ist, wenn die Stadt ein Konzept für viel Geld in Auftrag gibt, dessen wenige halbwegs konkreten Lösungsvorschläge am Ende ohnehin nicht umgesetzt werden können. Denn dass der Verkehr in Schwerte ein Problem ist, das hätte man auch ohne Experten wissen können. Dass der Landesbetrieb die B 236 auch in der Innenstadtdurchfahrt erneuern wird, dass man Verkehr vermeiden kann, wenn mehr Menschen statt mit dem Auto mit dem ÖPNV, dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, ist auch nicht unbedingt Expertenwissen. In dieser Hinsicht hatte das Papier ohnehin wenig Konkretes zu bieten. Wenn bei dem spärlichen Rest dann aber auch noch Wille oder Möglichkeit zur Umsetzung fehlen, dann hätte man sich das Geld für dieses Konzept auf jeden Fall sparen können. Heiko Mühlbauer
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