Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Löst eine andere Anlaufstelle für Szene Probleme im Stadtpark?

Stadtentwicklung

Mit einer Bürgersprechstunde vor Ort wollte die CDU-Fraktion dem Problem Stadtpark zu Leibe rücken. Die Klagen sind bekannt. Die von vielen favorisierte Lösung wirft aber viele Fragen auf.

Schwerte

, 04.09.2018
Löst eine andere Anlaufstelle für Szene Probleme im Stadtpark?

Die Beschwerden von Anwohnern und Nutzern über den Stadtpark reichten vom Hundekot, über die Wege bis zur Stadtparkszene. CDU-Ratsfrau Bianca Dausend (r.) hatte zur offenen Sprechstunde vor Ort eingeladen.Paulitschke © Bernd Paulitschke

Die Lösung liegt an der Margot-Rötger-Rath-Straße. Ein alternativer Treffpunkt für die Stadtparkszene soll das Problem lösen. Zumindest konnte man das so aus der Diskussion am Montagabend vor Ort im Park ableiten. Auch wenn die vermeintliche Lösung noch etliche Fragen aufwirft.

Die Vorsitzende des Generationenausschusses des Rates, der in Schwerte auch gleichzeitig der Sozialausschuss ist, hatte zur Bürgersprechstunde in den Stadtpark eingeladen. Mit dabei waren auch die Sozialarbeiter, die hier für die Stadt seit etwas über einem Jahr im Einsatz sind, Vertreter des Trägervereins, der für die Stadt die Sozialarbeit übernimmt, Nachbarn, Passanten und auch ein paar Betroffene, also Mitglieder der Stadtparksszene.

Schnell wurde klar, dass die Probleme nicht neu sind. Besetzte Bänke, Menschen, die mehr oder weniger im Freien urinieren, Gruppen, die am Weg stehen, Kronkorken und andere Abfälle und nicht zuletzt Lärm.

Die meisten der Menschen, die im Stadtpark sitzen und trinken, würden zur Seite gehen und seien eben keine Bedrohung, da waren sich die meisten Beschwerdeführer einig. „Ich gehe da immer durch eine Diskussionsrunde, an den Zaun vor der Schule wird uriniert“, erklärte eine Diskussionsteilnehmerin. Sie forderte, den Park umzustrukturieren und eine Fläche für die Menschen dort zu schaffen. „Die Bänke sind zu 90 Prozent von Tagesgästen besetzt“, sagte Nachbarin Emmi Beck. Die täten zwar nichts, aber es sei unangenehm. Das gelte im besonderen Maße auch für die Schüler und Eltern der Friedrich-Kayser-Schule, betonte der Schulpflegschaftsvorsitzende Stefan Simon.

Jetzt lesen

Und dann gibt es noch das Thema Lärm: Fast rund um die Uhr habe man im Sommer kein Fenster aufmachen können, erklärte eine Mieterin des Hauses an der Bahnhofstraße am Eingang zum Stadtpark. Ihr Vermieter, Gerhard Breuer, bringt es auf die Formel: „Wir fühlen uns abgehängt.“ Genau wie der Sprecher der Interessengemeinschaft Bahnhofstraße, Bernhard Druffel, drängte er darauf, die einst von Stadtplaner Adrian Mork vorgelegten Pläne zur Umgestaltung des Stadtparks aus der Schublade zu ziehen.

Sozialarbeit vor Ort

Vor allem das Thema Lärm kann durch Sozialarbeit nicht gelöst werden. Das liegt auch daran, dass die beiden Sozialarbeiter, die im Stadtpark tätig sind, eben keine Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind. „Unsere Mentalität geht nicht dahin, die Leute zu vertreiben, sondern ihnen Strukturen zu geben“, erklärte Mario Clausen.

Beim Verein für soziale Integrationshilfen (VSI)), der die Sozialarbeit im Auftrag der Stadt organisiert, setzt man auf ein Ausweichquartier. Doch das zu finden, ist nicht einfach. „Wir haben schon mit vielen Vermietern in der erweiterten Innenstadt gesprochen, doch für so ein Projekt will niemand seine Immobilie vermieten“, sagt Jutta Pentling vom VSI. Deshalb setzt der Verein seine Hoffnung auf die ehemalige Fruchtbörse an der Margot-Röttger-Rath-Straße, die noch bis Ende 2019 als Lager für die Baumaterialien der Bahnhofsbaustelle an die Deutsche Bahn vermietet ist, allerdings ohne den Sozialtrakt.

Das Gebäude liegt nicht gerade in einem attraktiven Umfeld, das räumt auch Sozialarbeiter Peter Blaschke ein. Deshalb müsse man den Ort attraktiv herrichten. Und das kann kosten. Ein mögliches Ausweichquartier wird vermutlich auch einer der Hauptpunkte auf der Tagesordnung der Projektgruppe sein, die sich nach der Sitzung des Generationenausschusses am 13. September treffen will. Dann werden auch Vertreter der Stadt mit an Bord sein. Die waren im Stadtpark nicht. „Die Einladung kam kurzfristig, und die Veranstaltung war zeitgleich mit dem Ältestenrat, an dem Bürgermeister Dimitrios Axourgos und Sozialdezernent Hans-Georg Winkler teilnehmen“, so Stadtsprecher Carsten Morgenthal auf Anfrage.

Was sagen Betroffene?

Und was sagen die Betroffenen selbst zu dem Thema? „Zunächst ärgert es uns, dass wir immer alle in einen Topf geworfen werden“, sagte eine Frau, die nach eigenem Bekunden schon lange den Stadtpark als Treffpunkt nutzt. „Wir stehen immer auf und machen Platz.“ Den eindringlichsten Appell richtete aber David Niggeloh an die Anwesenden: „Ich sitze seit 15 Jahren hier und appelliere an Sie: So, wie Sie hier gegen uns wettern, setzen Sie sich doch mal für uns ein, dass wir einen anderen Treffpunkt bekommen.“

Lesen Sie jetzt