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Mit Harke und Kanne: Wenn nachts die Gärtner geistern

SCHWERTE Wer sich mit Gießkanne, Harke und Blumensamen auf den Weg macht, hat etwas vor. Wer es nachts tut, kreiert damit sogar möglicherweise einen neuen Trend.

von von Patrizia Carlucci

, 22.08.2008
Mit Harke und Kanne: Wenn nachts die Gärtner geistern

Schwerte, Geistergärtner vor dem Wuckenhof vlnr: Heinrich Möller; Susann Klemmt; Heiner Möller; Ingeborg Winzer Foto: Bernd Paulitschke

Heiner Möller und Hans-Joachim Beck haben ein neues Hobby: Schwerte begrünen. „Es gibt hier so viele unschöne, ungenutzte Brachflächen in der Stadt. Das könnte man leicht ändern,“ erklärt Heiner Möller.

Ausgerüstet mit einer Gießkanne und einer Wildblumen-Samenmischung setzten sie sich kurzerhand auf ihre Drahtesel, um erste Schönheitskorrekturen in der Innenstadt vorzunehmen. Also Harke raus, Loch gebuddelt, Samen rein, Wasser drauf, und fertig! Die Geistergärtner sind ganz neu im Geschäft. Gut eine Woche liegt nun ihre erste Aktion zurück. Angefangen hatte alles mit einem Zeitungsartikel. „Meine Nachbarin hat mir vor drei Wochen einen Artikel vom Briten Richard Reynolds gezeigt, der das Geistergärtnern erfunden hat,“ erinnert sich Möller. Gemeinsam überlegten sich die Nachbarn: „Das könnten wir in Schwerte auch machen!“ Dass die erste Schwerter Geistergärtner-Aktion ausgerechnet auf dem Wuckenhof stattfand, ist kein Zufall. „Ich wohne ja hier in der Ruhrstraße, da fällt mir die Gegend natürlich täglich ins Auge“, so Möller.

Vorher musste sich die Untergrundtruppe aber so gut es ging vorbereiten. Die richtige Ausrüstung wurde zusammengestellt, die passende Samenmischung gesucht. Außerdem musste die Tageszeit stimmen. „Wir sind im Dunkeln los, weil wir dachten, Wildgärtnern sei illegal“, erklärt Möller und erinnert sich an die saftige Strafe, die sein Gärtnervorbild in Großbritannien kassiert hat. Mittlerweile steht jedoch fest: In Deutschland ist das Geistergärtnern nicht verboten. Solange man sich auf die Städte beschränkt, schadet das Samenstreuen niemandem. In der Natur dagegen könnten vor allem Vögel in ihrem Lebensraum gestört und somit gefährdet werden. „Wir lassen uns jetzt bald schulen“, betont Möller. Ende August wollen sich die Geistergärtner mit Dieter Ackermann, Vorsitzender der Schwerter Arbeitsgemeinschaft für Ornithologie und Naturschutz, in lockerer Runde zusammensetzen. „Wir wollen schließlich weitermachen. Und zwar richtig.“

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