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Raafat Daboul tauscht die Bühne in Damaskus gegen Brillen in Schwerte ein

Ausbildung

In Damaskus wurde er im Theater gefeiert. Drei Jahre nach seiner Flucht aus Syrien macht der Schauspieler Raafat Daboul jetzt eine Ausbildung zum Augenoptiker.

Schwerte

, 22.08.2018
Raafat Daboul tauscht die Bühne in Damaskus gegen Brillen in Schwerte ein

Raafat Daboul (l.) aus Syrien hat bei Augenoptiker-Meister Peter Rienhöfer seine dreijährige Ausbildung begonnen. © Reinhard Schmitz

Die erste Azubi-Aufgabe: Alle Markennamen der Brillengestelle in den Regalen aufsagen können. Für Raafat Daboul ein Leichtes. Texte auswendig zu lernen – das macht man als früherer Schauspieler fast im Schlaf. Seit dem 1. August sind die Verkaufsräume bei Augenoptik Rienhöfer seine neue Bühne geworden. „Ich wollte gerne etwas Anderes machen“, sagt der 26-Jährige. Nach einigem Überlegen fiel die Wahl auf die dreijährige Ausbildung zum Augenoptiker. Der Job eines Steuerberaters, den er bei einem Praktikum ebenfalls schon angetestet hatte, erschien ihm doch ein wenig zu trocken.

Selbstständigkeit ist sein großes Ziel

„Hier ist das ganz anders: Es gibt was mit Menschen zu tun“, sagt Daboul. Kommunizieren zu können, ist dem Syrer, der seit fast drei Jahren in Deutschland lebt, sehr wichtig. Um sich deutsche Sprachkenntnisse anzueignen, setzte er sich nach seiner Ankunft in Schwerte sogar als Gast ein halbes Jahr in den Unterricht des Ruhrtal-Gymnasiums. Jetzt interessieren ihn zusätzlich die Wirtschaftskenntnisse, die ihm die Ausbildung bietet. „Wenn man später mal ein Geschäft aufmachen möchte“, verrät er den Grund. Denn sein großes Ziel sei es, später einmal beruflich selbstständig zu werden. Schließlich habe seine Familie früher zwei Geschäfte in der syrischen Hauptstadt Damaskus betrieben, in denen Installateurbedarf und andere Waren verkauft wurden. „Dort habe ich nebenbei bei meinem Vater gearbeitet“, berichtet Daboul. Um ein bisschen Geld zu verdienen und gleichzeitig die Familie zu unterstützen.

Als zweites Standbein bleibt immer noch die Schauspielerei in der Hinterhand. Anderthalb Jahre – so erklärt Daboul – habe er in Damaskus Schauspielunterricht genommen. Nach der Flucht aus dem Bürgerkriegsland half ihm sein Kommunikationsbedürfnis, das Theater am Fluss zu finden, wo er unter anderem in dem Stück „Drei Männer im Schnee“ auftrat. Über ein Praktikum kam ein Kontakt mit dem Schauspielhaus Dortmund zustande, das dem Schwerter einen Zwei-Jahres-Vertrag gab. Dort konnte er sein Talent in Aufführungen wie „Der Kirschgarten“ und „Nach Manila“ unter Beweis stellen. Und in der „Borderline Prozession“, die dem Ensemble sogar eine Einladung nach Berlin einbrachte.

Der Kopf entschied gegen die Schauspielerei

„Theater war eine schöne Zeit“, sagt Daboul: „Es ist traurig, dass ich das gelassen habe.“ Aber wenn er dabeigeblieben wäre, hätte er die Schauspielausbildung in Deutschland noch einmal komplett von vorn beginnen müssen. Der Kopf entschied daher für den anderen Weg. Ein Praktikum beim Augenoptikermeister Peter Rienhöfer hatte den letzten Ausschlag gegeben. In den ersten Wochen gab es für den Auszubildenden schon mehr zu tun, als lediglich Neuwaren in den Computer einzugeben. „Ich habe gelernt, eine Brille zu richten“, erzählt er. Auch die Bearbeitung von Kunststoff und Acetat, aus denen oftmals die Bügel gefertigt sind, konnte er schon üben.

Nach Ende der Sommerferien, ab dem 20. August, wartet dann auch zweimal pro Woche die Theorie im Berufskolleg in Dortmund. Daboul macht sich vor alledem nicht bange. „Von nichts kommt nichts“, sagt er. Das Sprichwort gelte auch in seiner Heimat Syrien.

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