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Schulpflegschaft: "Fordern Sitz im Schulausschuss"

Vorsitzende im Interview

Seit der Gründung im Jahr 2014 war Claudia Belemann-Hülsmeyer Vorsitzende und Gesicht der Stadtschulpflegschaft. Das Gremium stieß die Diskussion um Schwertes Schullandschaft an, die in der Gründung der zweiten Gesamtschule mündete. Heiko Mühlbauer sprach mit ihr über ihr Engagement und ihre Pläne.

SCHWERTE

, 26.10.2016
Schulpflegschaft: "Fordern Sitz im Schulausschuss"

Claudia Belemann-Hülsmeyer im Interview mit Reporter Heiko Mühlbauer.

Wie kam es zur Gründung der Stadtelternpflegschaft? Auslöser war eine Veranstaltung der GEW in der Rohrmeisterei. Da ist mir die Dimension dieser Schieflage der Schwerter Schullandschaft bewusst geworden, da eigentlich alle Schulen ein Problem hatten, dadurch dass die Hauptschule zugemacht hatte. Die Realschulen hatten viele Hauptschüler, die Gymnasien viele Realschüler. Die Eltern konnten ihr Kind nicht an der Schule ihrer Wahl anmelden.

Und wie lief das praktisch? Ich war damals Vorsitzende der Schulpflegschaft der Gesamtschule und habe alle Schulpflegschaftsvorsitzenden angerufen, ob wir uns nicht mal treffen und reden wollen. Daraufhin haben wir uns im Pfarrheim St. Marien getroffen. Aus dieser Versammlung raus wurden Andreas Schultz Schulz, Tim Decker und ich benannt, die Sache voranzutreiben.

Waren das denn sofort Partner mit gleichen Interessen? Uns ging es gemeinsam darum, die Schwerter Schulproblematik zu lösen. Wir haben ja auch nicht von Anfang an gesagt, wir wollen eine zweite Gesamtschule, sondern wir haben gesagt, wir wollen eine Lösung. Erst als die dritte Abfrage bei den Eltern ergeben hat, die möchten eine zweite Gesamtschule, da haben wir Position bezogen. Wir haben im Vorstand immer Gymnasialvertreter gehabt, die haben das mitgetragen, weil eigentlich klar war, dass die Existenz der Gymnasien nicht wirklich bedroht war – auch wenn zwischenzeitlich ein anderer Eindruck erweckt worden ist.

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Ist das Instrument Stadtschulpflegschaft im Schulgesetz verankert? Ja. Dass es die vorher in Schwerte nicht gegeben hat, lag wohl daran, dass niemand darüber nachgedacht hat.

Welche Aufgaben erwarten ihre Nachfolger? Es ist unser klares Ziel, in den Schulausschuss des Rates zu kommen. In Dortmund sitzt die Stadtschulpflegschaft im Ausschuss, in Iserlohn auch und bei uns ist Heiner Kockelke für den Stadtsportverband beratend im Schulausschuss. Das ist das, was wir auch anstreben. Auch im Landtag ist erst kürzlich parteiübergreifend die Bedeutung der Stadtschulpflegschaften betont und die Mitwirkung in den Schulausschüssen begrüßt worden.

Und darüber hinaus? Da wird die OGS-Problematik zu regeln sein. Da muss die Stadt einen neuen Träger finden und sich mit dem abstimmen. Außerdem gibt es nach wie vor mehr Bedarf als OGS-Plätze. Und außerdem stehen auch einfache Dinge an, wie die Konzepte für die Mensen. Und natürlich: das Dauerthema Integration und Inklusion.

Wie viel Anteil am Entstehen der neuen Gesamtschule hat die Stadtschulpflegschaft? Das lief mit der Initiative Hand in Hand. Die Stadtschulpflegschaft ist ein Gremium, dass für alle Schulen da sein muss. Von daher habe ich es sehr begrüßt, dass die Initiative sich darauf konzentrieren konnte.

Was gab es außer der zweiten Gesamtschule in ihrer Amtszeit für die Schulpflegschaft zu tun? Viel. Da war zunächst die Vortragsreihe in der Rohrmeisterei, mit gefragten Referentinnen und Referenten. Im September war Professor Struck aus Hamburg da, im Jahr davor Frau Raesfeld aus Berlin mit zwei Schülerinnen. Dann die 15 Realschüler, die ursprünglich pendeln sollten und jetzt doch in Schwerte zur Gesamtschule gehen können.

Hat auch mal was nicht geklappt? Es gab ja den zweiten großen Protest der Eltern zum Umzug der Grundschule Ergste. Da wurde vonseiten der Politik der Elternwille nicht nachvollzogen.

Wie kann man dafür sorgen, dass trotz Vorstandswechsel Konstanz in der Arbeit bleibt? Das ist gesichert. Auch wenn es oft den Eindruck machte, dass ich da in der ersten Reihe stehe, wir waren von Anfang an ein festes Team. Wir haben einen siebenköpfigen Vorstand, in dem alle Schulformen vertreten sind. Es wird da Veränderungen geben und hat auch innerhalb dieser zwei Jahre Veränderungen gegeben. Und jetzt werden sich ja nicht alle zurückziehen. Es ist eine sehr lebendige Gemeinschaft. Es war ein Trupp, der hat sich nicht getroffen, weil die eigenen Kinder betroffen waren, sondern weil man sich gesagt hat, hier ist eine Schieflage, wir wollen uns engagieren. Deshalb bin ich überzeugt, dass das weitergeht.

Jetzt haben Sie sich über die Jahre so engagiert, haben Sie ein Anschlussprojekt? Ja klar. Ich gehöre schon seit ein paar Monaten dem Team Schule des Arbeitskreises Asyl an, werde dadurch auch weiter mit dem Thema Schule befasst sein. Die Frage ist, wie schafft man es, die vielen Kinder, die nach Deutschland gekommen sind, gut zu beschulen und gut zu integrieren.

Wie sind sie überhaupt zum Engagement in der Elternvertretung gekommen? Anfänglich habe ich immer gesagt, ich habe drei Kinder und den Beruf – aus der Schulpflegschaft halte ich mich raus. Dann habe ich mich bei der Gesamtschule doch mal wählen lassen. Die Elternarbeit war da ein bisschen eingeschlafen. Und dann ging es gleich in die Vollen. Und es hat auch Spaß gemacht, weil wir ein tolles Team waren und weil es meinen Glauben an die Demokratie gestärkt hat. Wir haben gespürt, wenn man sich engagiert, kann man was erreichen.

Sind Sie stolz auf das, was man erreicht hat? Wir sind stolz, dass es uns gelungen ist, eine Elternlobby in der Stadt aufzubauen. Und dass es uns gelungen ist, in kurzer Zeit die Schieflage in der Schullandschaft durch die Gründung der zweiten Gesamtschule zu korrigieren.

Nachfolger wird Donnerstag gewählt
Am Donnerstag um 19.30 Uhr wird Claudia Belemann-Hülsmeyer zum letzten Mal eine Sitzung der Stadtschulpflegschaft eröffnen.
Weil sie keine Kinder mehr auf einer Schwerter Schule hat, scheidet sie aus.
Die Wahl ihres Nachfolgers findet in der Gaststätte Haus Schneider, Am Mühlendamm, in Ergste statt.
Jede Schule kann vier Vertreter, darunter den Schulpflegschaftsvorsitzenden, für das Gremium benennen.
 www.schwerter-eltern.de

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