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Schwerter Lehrer durchsegelte 6000 Kilometer Wellen

SCHWERTE 22 Tage kein Land in Sicht. 22 Nächte nur Wasser, so weit das Auge reicht. 6000 Kilometer lang war die Welt für Jochen Schlechtinger-Hoffmann am Bug der „Sagitta“ zu Ende. Bis am Horizont die Inselgruppe der Marquesas auftauchte.

von von Nicole Jankowski

, 30.08.2008
Schwerter Lehrer durchsegelte 6000 Kilometer Wellen

Zehneinhalb Meter lang, trug seine Yacht "Sagitta" Jochen Schlechtinger-Hoffmann über 6000 Kilometer.

Ein Sabbatjahr hatte der Sonderschullehrer genommen, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: eine Weltreise mit einem Segelschiff. „Ich bin schon immer gern gereist, dann kam das Segeln dazu“, erzählt der 52-Jährige. Im Juli vergangenen Jahres startete Schlechtinger-Hoffmann von Holland aus mit seiner Zehneinhalb-Meter-Yacht.

Da hatte er sich bereits jahrelang auf den Trip vorbereitet. Vor zehn Jahren kaufte er die „Sagitta“. Er las viel, machte Testfahrten, segelte nach Schottland und begann vor zwei Jahren, Mitreisende übers Internet zu suchen. Ehefrau Reinhild unterstützte die Pläne. Mitfahren wollte sie aber nicht. Ein Ingenieur aus Hamburg ließ sich schließlich auf das Abenteuer ein, andere Segler fuhren streckenweise mit. Schlechtinger-Hoffmann plante die Route: Bis nach Australien wollte er kommen – „mehr hätte wettertechnisch nicht gepasst“, erklärt er. Am 07.07.2007 stieß die Crew in See – und musste in der Biskaya gleich die erste Bewährungsprobe überstehen. Ein heftiger Sturm mit Böen bis zu Windstärke 10 fegte über die „Sagitta“ hinweg, drei bis vier Meter hoch schlugen die Wellen. Hält das Schiff, halte ich selber den Sturm aus? Fragen, die dem erfahrenen Segler durch den Kopf schossen. Angst habe er aber keine gehabt, betont er. Und blickte nach der Feuertaufe dem restlichen Trip gelassener entgegen.

Die portugiesische Küste entlang bis zu den kanarischen Inseln führte die Route. Über Email hielt der Holzener jeden Tag Kontakt mit der Familie. Ob sie Angst um ihren Mann gehabt habe? „Man gewöhnt sich an den Zustand“, sagt Reinhild Hoffmann und blickt ihren Mann liebevoll an. Sohn Jan-Erik schickte seinem Vater täglich den Wetterbericht. Am Ende gab er sogar Tipps: „Entweder ihr fahrt jetzt sofort, oder ihr müsst eine Woche warten“, interpretierte er die Wetterkarten. Die „Sagitta“ ließ Europa hinter sich und startete zur Atlantiküberquerung. 21 Tage und Nächte auf See. „So lang war ich vorher noch nie unterwegs“, erzählt Jochen Schlechtinger-Hoffmann.

In dieser Zeit war das Highlight des Tages die gemeinsame Mahlzeit. Ein Grundkochbuch hatten die Männer dabei, außerdem spezielle Kochbücher für Segler. Mit einer Schleppleine angelten sie. Emails oder Bücher lesen, Gymnastik, Wache schieben – so gingen die Tage schnell rum. Vom französischen Guadeloupe fuhren sie bis Trinidad, dann Richtung Panama. Schlechtinger-Hoffmann erzählt und erzählt. Von korrupten Behörden am Kanal, vom Zusammenhalt der Segler, von der Unberührtheit der Marquesas, von exotischen Früchten. Tahiti, Morea, Bora-Bora lauteten die wohlklingenden Ankerplätze der Segler.

Bis die Reise nach einem knappen Jahr schließlich im Hafen von Brisbane endete. Von Australien flog Jochen Schlechtinger-Hoffmann nach Hause zurück, zu Ehefrau Reinhild, Sohn Jan-Erik und Tochter Astrid. Seit Anfang August ist er wieder da. Neben viele Eindrücken brachte er ein ganz neues Gefühl mit nach Hause. „Ich hatte Heimweh. Das kannte ich vorher nicht“, sagt er nachdenklich. „Jetzt weiß ich noch mehr zu schätzen, was ich hier habe“.

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