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Schwerter Schüler startete Projekt zu Cyber-Mobbing

Im Landtag vorgestellt

Cyber-Mobbing verfolgt die Opfer - die Mobber treffen sie oft in der Schule. Einige Lehrer denken, sie könnten nichts tun. Falsch, findet ein 13-jähriger Schwerter. Er startete ein Hilfsprojekt und schrieb einen offenen Brief, auf den Die Grünen antworteten und ihn in den Landtag einluden. Sein Projekt könnte Schule machen.

SCHWERTE/DÜSSELDORF

, 18.10.2017
Schwerter Schüler startete Projekt zu Cyber-Mobbing

Medieninteresse mit Fotografen: Pohland zeigt Psychologin Catarina Katzer (l.) und Sigrid Beer (m.), schulpolitische Sprecherin der Grünen, seine Homepage.

Ein Fotoshooting in der Lobby, ein Hintergrundgespräch im Abgeordnetenbüro, eine ganze Pressekonferenz im Fraktionssaal. Lukas Pohland lächelte entspannt in die Kameras, plauderte locker mit einer altgedienten Politikerin und erklärte vor Journalisten glasklar sein Anliegen: der Kampf gegen Cyber-Mobbing.

Der erste Besuch im Landtag auf Einladung der Grünen brachte den 13-jährigen Schwerter am Montagnachmittag nicht aus der Ruhe. „Ich habe ja schon Medienerfahrung“, so der Achtklässler. Erst ein Interview mit den Ruhr Nachrichten im August, dann mit diversen Fernsehsendern. Immerhin. „So viele Journalisten auf einem Fleck ist schon ungewohnt.“

Offener Brief geschrieben

Im Frühjahr war das anders gewesen. Als eine Mitschülerin an der Realschule am Bohlgarten von Klassenkameraden gemobbt wurde, setzte er sich ein. Gegen Bedrohungen und Lästereien per SMS, Facebook oder WhatsApp. Die Folge: Er wurde selbst Zielscheibe.

Doch anstatt die Schule zu wechseln, suchte er das Gespräch mit Lehrern und der Öffentlichkeit. Er schrieb einen offenen Brief an die Bildungsministerin und Schulpolitiker im Landtag. Die Grünen haben reagiert und den Schüler eingeladen.

Sigrid Beer war am Montag noch beeindruckt. „Der Brief hat mich elektrisiert“, sagte die grüne schulpolitische Sprecherin. Von einem damals Zwölfjährigen. „Und dann so fundiert“.

Immer weiterverwiesen

An die Kölner Cyberpsychologin Catarina Katzer hatte sich Pohland im Frühjahr gewandt, um Rat zu bekommen. Zusammen schrieben sie den offenen Brief, in dem sie Präventionsmanagement an den Schulen forderten.

Medienerziehung solle ein eigenes Fach werden, Cyber-Mobbing Thema in Fächern wie Ethik, Politik oder Deutsch werden. Cyber-Mobbing habe sogar schon die Grundschulen erreicht, erklärt Katzer: „60 Prozent der Grundschullehrer kennen das Thema“, und: „Täter und Opfer werden immer jünger.“

Im Landtag wiederholte Schüler Pohland seine Kritik am Umgang mit Mobbing an der Realschule am Bohlgarten. „Es fanden viele Gespräche statt, aber das hat nichts gebracht.“ Die Polizei habe immer wieder auf die Schule verwiesen. „Die Schulleiterin hat uns gesagt: Sie könne nichts tun.“ Kein Einzelfall. „Das ist für Schulen ein unangenehmes Thema“, so Beer.

Initiative im Landtag

Cyber-Mobbing, das rund um die Uhr passieren kann und nicht mehr nur auf dem Schulhof, sei ein Thema der Freizeit. Durch bessere Aus- und Fortbildung der Lehrer müsse man nachhelfen. Seitdem Lukas Pohland an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat sich die Situation beruhigt.

Viele Mitschüler finden sein Engagement ziemlich cool, erzählt er: „Die eigentlichen Täter sind seitdem ruhig, sagen gar kein Wort mehr zu mir.“ Für Katzer ein Vorbild für andere Mobbingopfer: „Das zeigt: Man kann was erreichen.“

Sigrid Beer will in den kommenden Wochen eine Initiative gegen Cyber-Mobbing im Landtag forcieren. Parteiübergreifend. Der nächste Besuch von Lukas Pohland im Landtag ist dann gewiss, wenn ein Ausschuss Mobbing auf die Tagesordnung setzt, so Beer: „Ich weiß jetzt schon, wen ich als ersten Experten einladen werde.“

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