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Schwerter Stadtpark hat geheimnisvolle Unterwelt

Schwerter Superlative

Der Schwerter Stadtpark ist weit und breit der einzige unterkellerte Park - unter ihm befindet sich ein alter Friedhof. Rund 4000 Schwerter sollen auf diesem Gelände ihre letzte Ruhe gefunden haben. Bis heute weiß niemand genau, wie groß die geheimnisvolle Unterwelt ist.

SCHWERTE

, 02.10.2016
Schwerter Stadtpark hat geheimnisvolle Unterwelt

Einen genauen Lageplan der Gruften und Gräber auf dem alten Friedhof an der Bahnhofstraße zeichnete der Museumsgründer Josef Spiegel.

Plötzlich brach der Boden unter dem Baggerrad weg. Bauhof-Mitarbeiter machten im Jahr 2004 bei Pflegearbeiten unliebsame Bekanntschaft mit der geheimnisvollen Unterwelt des Stadtparks. Er ist der einzige unterkellerte Park weit und breit, weil er aus einem Friedhof mit etlichen gemauerten Gruften entstanden ist.

Rund 4000 Schwerter haben auf dem Gelände zwischen Bahnhof- und Beckestraße, das am 21. Oktober 1821 eingeweiht worden ist, ihre letzte Ruhe gefunden. Bis 1918 fanden dort noch Beerdigungen statt, obwohl die evangelische Gemeinde schon 1881 und die katholische Gemeinde 1884 neue Friedhöfe an der Hörder Straße angelegt hatten.

Der Park sollte zu einer Schönheit werden

Das alte Gräberfeld geriet hinter der hohen Ziegelmauer in Vergessenheit und verwahrloste immer weiter. Unkraut überwucherte die Ruhestätten, eiserne Umrandungen rosteten vor sich hin, Grabsteine verfielen. Wahrlich kein Schmuckstück auf dem Weg zur Innenstadt. „Als Heimatvereins-Vorsitzender wollte Josef Spiegel den alten Friedhof wieder zu einer Schönheit machen, als Park“, berichtet John Loftus, Leiter des Ruhrtalmuseums.

Bevor einige „Dienstverpflichtete“ 1937 mit dem großen Aufräumen begannen, machte sich Spiegel an eine akribische Dokumentation. Auf einer Zeichnung im Maßstab 1:500 markierte er die Lage aller Gräber und Gruften, die noch erkennbar waren. 120 Namen konnten entziffert werden. Als Grundlage hatte eine Kopie eines alten Friedhofsplans von 1852 vom damaligen Bürgermeister Gravemann gedient.

Liegende Kreuze, mit Bleistift eingetragen, bezeichnen die Einzelgräber und Gruften. „Die gehörten den großen reichen Familien“, berichtet Loftus. Er geht davon aus, dass sie von der Bahnhofstraße aus mit der Anlage der Keller begonnen haben, in denen die Särge beigesetzt wurden. Im hinteren Teil zur Beckestraße hin folgten dann auch normale Gräber.

Niemand weiß, wie viele Grabkammern es gibt

Wie viele gemauerte Grabkammern es im Untergrund gibt, weiß niemand. „Es kann sein, dass Spiegel gar nicht mehr feststellen konnte, ob Gruften da waren, ohne zu buddeln“, sagt Loftus. Mehrfach stieß er – so das im Museum erhaltene Tagebuch vom Stadtpark-Bau – mit dem Spaten direkt unter der Grasnarbe auf Mauern von Kellergewölben.

Als er durch einen Spalt ein Stückchen brennendes Papier hineinfallen ließ, konnte er tief unten zerfallene Särge und Beinknochen erblicken. Bei den Planungen für eine Bedürfnisanstalt stieß man sogar auf drei goldene Ringe neben Frauenskeletten.

Frühzeitige Warnung ist in Vergessenheit geraten

Manche Gruften – so weiß Loftus – wurden von Spiegel eingeebnet und verfüllt. Trotzdem warnte er in seinem Tagebuch: „Es ergibt sich hieraus, dass der Friedhof auf der Bahnhofstraße zum großen Teil Kellergruften haben muss und dass man den Friedhof niemals für einen Ehrenmalplatz mit einem Aufmarschplatz verwenden darf.“

Die Worte gerieten in Vergessenheit, bis der Bagger versank. Aus Gründen der Verkehrssicherheit stellte sich dann wieder die Frage nach der Zahl der Gruften. Es gab bei der Stadt sogar den Plan, die Lage der unterirdischen Hohlräume durch eine elektromagnetische Untersuchung feststellen zu lassen. Das Angebot einer Fachfirma aus Essen lag vor. „Es war leider zu kostspielig und nicht möglich“, sagt Loftus.

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