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Stadtpark-Anwohnerin über Ruhestörungen und Drogenhandel: „Da muss etwas passieren“

Stadtpark Schwerte

Eigentlich ist es schön, eine grüne Oase vor der Tür zu haben. Doch für die Nachbarn bedeutet der Stadtpark in diesem Sommer nur noch Ärger. Dabei geht es nicht nur um Lärm bis in die Nacht.

Schwerte

, 25.08.2018
Stadtpark-Anwohnerin über Ruhestörungen und Drogenhandel: „Da muss etwas passieren“

Absolut keine Kunstinstallation, sondern Realität wie in einem Slum: Schmuddelige Unterwäsche an einem rot-weiß-roten Plastik-Absperrband, das zur Wäscheleine umfunktioniert wurde, entdeckte die Anwohnerin angeekelt im Stadtpark. „In diesem Sommer war es dort unzumutbar“, sagt sie. © privat

Schmuddelige Unterwäsche, auf einem zur Leine umfunktionierten Absperrband zwischen zwei Stadtpark-Bäumen aufgehängt. Der Ekel kommt bei der Schwerterin schon hoch, wenn sie nur daran denkt, wie sie dieses Foto aufgenommen hat. Dann zieht sie ein zweites aus ihrer Handtasche. Vom Streetfood-Markt mit bunten Ständen und friedlich feiernden Gästen.

„So schön kann es sein“, sagt die 76-Jährige, die vom Fenster ihrer Wohnung an der Bahnhofstraße fast die gesamte Grünlage im Blick hat. Schön war es auch früher einmal, als sie dorthin gezogen ist: „Das war so entspannend, das war da Erholung pur.“ Viele ältere Leute hätten auf den Bänken gesessen. Doch das ist vorbei. Jetzt seien die Bänke den ganzen Tag über von Menschen blockiert, die sie der Trinker- oder Methadonszene zuordnet. Auch die eine Bank, die extra für Rollatorfahrer hergerichtet worden sei.

Anwohnerin klagt über ständigen Lärm von Alkoholikern

Noch unerträglicher sei für die Nachbarn aber der ständige Lärm. „Diesen Sommer war es so schlimm“, klagt die Seniorin: „Man konnte bei der Hitze die Fenster nicht aufmachen.“ Bis tief in die Schlafenszeit hinein. Denn die Gruppen, die vormittags auf den Bänken zur Bahnhofstraße säßen, verlagerten sich nach Dienstschluss im Rathaus II auf die dortige Eingangstreppe. Manchmal blieben sie bis spät in die Nacht.

„Die Alkoholiker sind die schlimmsten“, berichtet die Nachbarin: „Diese Brüllerei.“ Die lauten Stimmen von draußen raubten ihr den Schlaf. In diesem Sommer sei es unzumutbar gewesen. Das wolle sie auch dem Bürgermeister in einer seiner nächsten Sprechstunden sagen. Leider habe Dimitrios Axourgos diese Möglichkeit im August nicht angeboten.

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„Es ist grauenvoll, was da passiert. Und wir leben direkt daneben“, sagt die Schwerterin. Seit 25 Jahren wohnt sie an dem zentralen, aber irgendwie auch früher ruhigen Ort mitten in der Stadt. Doch jetzt beunruhigen sie zusätzlich Beobachtungen, die auf eine Drogenszene hinzuweisen scheinen. „Ich habe zwei Männer gesehen, die mit Pillen und Tütchen gehandelt haben“, berichtet sie. Einer habe dann auch noch gefragt: „Hast du auch Viagra?“ Doch das Potenzmittel sei offenbar nicht im Angebot gewesen.

Ein wenig befremdet berichtet die Nachbarin von der Reaktion, als sie die Polizei auf diesen Vorfall ansprach. „Das wissen wir“, habe sie lediglich als knappe Antwort zurückbekommen.

Polizei: „Wir kennen die Szenen“

„Wir kennen die Szenen im Stadtpark – es sind eigentlich immer die gleichen“, sagt Polizei-Pressesprecherin Ute Hellmann. Regelmäßig würden ihre Kollegen auf dem Gelände Kontrollen vornehmen – manchmal auch Zivilstreifen. Dabei würden ebenfalls regelmäßig Personen durchsucht. Was mit denen passiere, sei aber Sache der Justiz: „Wir können nur Anzeigen schreiben.“

Die Anwohnerin sorgt sich angesichts ihrer Drogenhandel-Beobachtungen um die Kinder, die durch den Stadtpark zur Friedrich-Kayser-Grundschule gehen. „Die Schule fängt wieder an“, sagt sie: „Da muss etwas passieren.“ Auch ältere Menschen trauten sich nicht mehr in die eigentlich schöne Grünanlage.

Um den Stadtpark wieder zu einem Ort zu machen, in dem sich jeder wohlfühlt, hatte der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Paul (CDU) kürzlich angeregt, für die Innenstadt ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum auszusprechen. Sein Vorstoß löste kontroverse Diskussionen aus.

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