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Steinzeit-Kombi toppt Sarg

HENNEN „Ruhe Sanft“ steht auf der schwarzen Kiste, und auch ihr sarg-förmiges Äußeres lässt Schlimmes erwarten. Der Insasse dieser scheinbaren Totenkiste straft diesen ersten Eindruck jedoch Lügen.

von Von Jaqueline Schneider

, 24.08.2008

Denn mit Rollen unter dem Sarg stürzt sich sein quicklebendiger Passagier todesmutig und weder ruhig noch sanft von einer Startrampe die Fliednerstraße hinunter. Beileibe nicht die einzige Kuriosität, die dem Hennener Spaziergänger am Samstag begegnet. Eine Glühweinhütte auf Rädern oder der steinzeitliche Familienkombi der Feuersteins und eine Reihe weiterer, zum Teil undefinierbarer Vehikel, versammelten sich schon um die Mittagszeit am Kreisverkehr in der Neuen Mitte in Hennen, nachdem der Motorsportclub (MSC) Helle zu einem Gaudi-Rennen mit Seifenkisten aufgerufen hatte. MSC-Mitglied und Moderator Benedikt Lowinski erklärt die Spielregeln: „Wir haben uns bewusst für ein GaudiRennen entschieden, wollten dem Ganzen die Professionalität nehmen. Im Gegenteil soll heute die Kreativität der Teilnehmer im Vordergrund stehen.“ Nicht der Schnellste fährt also den Sieg nach Hause, sondern vielmehr das originellste und raffinierteste Design. Einzige Bedingung: funktionierende Lenkung und Bremsen. Sonst sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

Dieses Konzept findet sich schließlich unter dem Jubel zahlreicher Zuschauer auf der Rennstrecke eins zu eins umgesetzt, wenn auch manchmal zu Lasten der Fahrtüchtigkeit. So schreiben Rennfahrer Uwe Kessler, Glenn Arnold und Lars Dittman ihrer rasenden Glühweinhütte zwar ein „spitzen Fahrgefühl“ zu, jedoch überstünde sie wohl kaum einen Elchtest. „Seit vier Jahren treffen wir uns einmal jährlich zu einer privaten Glühweinfete“, beschreibt der Seifenkistenpilot, wie ein lange gepflegtes Ritual straßentauglich gemacht wurde. Das Team „Tank“ dagegen entstand relativ spontan bei einer Runde Bier. Der „Friedenspanzer“ von Thomas Kobusch und Jan Matthes ist an das gleichnamige Lied der Punkrockband „Die Ärzte“ angelehnt – mit einem Kanonenrohr, aus dem Blumen sprießen, inklusive Friedenstaube am Stahlhelm. Dass es hier auch um ein Wettrennen geht, rückt dabei schnell in den Hintergrund. Sieger des Gaudi-Rennens sind denn auch die Familien Stricker und Hohmann als „Familie Feuerstein“. Sie sind am Ende zwar nicht die Schnellsten, überzeugen die Jury jedoch mit ihren selbst geschneiderten Kostümen und einem fahrtüchtigem Steinzeitauto und beweisen wieder einmal, dass auch die Ersten manchmal die Letzten sein können. 

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