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Stummfilm mit Klavierbegleitung: Stimmiges Ganzes

VILLIGST Ein ganz besonderes Kinoerlebnis präsentierte die Sommeruniversität des Haus Villigst ihren Studierenden: Einen Stummfilm mit Live-Musik-Begleitung.

von von Daniel Frenzle

, 20.08.2008
Stummfilm mit Klavierbegleitung: Stimmiges Ganzes

Übereinstimmung von Ton und Bild erreichte Eunice Martins.

Hamlet ist eine Frau. Eine Frau, die ein Mann sein muss. So interpretierte zumindest Schauspielerin Asta Nielson die dramatische Shakespeare-Rolle in ihrem Film von 1921, in dem sie auch die Hauptrolle, eben diesen weiblichen Hamlet, spielt. Diese Rarität der deutschen Filmgeschichte gab es jetzt in Schwerte zu sehen.

Der colorierte Stummfilm wurde 2006 vom Filmarchiv des Deutschen Filminstituts aufwändig restauriert und konnte nun wieder in seiner Premierenfassung gespielt werden. Die Handlung dürfte hinlänglich bekannt sein, allerdings entstehen durch die Deutung des weiblichen Hamlet neue Spielmöglichkeiten in den Beziehungen der Charaktere. Die freundschaftliche Beziehung Hamlets zu Horatio nimmt hier immer wieder Züge einer Liebe an, die im dramatischen Finale ihre Offenbarung findet, wenn Horatio entdeckt, dass sein Freund Hamlet tatsächlich eine Frau war.

Das Flair dieses Stummfilms kann allerdings nicht ohne die traditionelle Begleitung am Klavier entstehen: Für diesen Part konnte das Evangelische Studienwerk die Frankfurter Pianistin Eunice Martins gewinnen. Martins schloss ihr Studium an den Universitäten Berlin und Paderborn ab und hat nun mehrere Lehraufträge. Sie hat bei zahlreichen Festivals mitgewirkt und sich auf die Filmmusik spezialisiert. Seit einigen Jahren ist sie zudem die Hauspianistin des Kino Arsenal in Berlin. Fast durchgängig beobachtet Martins die flimmernden Bilder auf Leinwand und greift, so scheint es, wie selbstverständlich in die Tasten. Ihre präzise Kenntnis des Films zeigt sich in den akzentuiert gesetzten Brüchen in den Stimmungen und der kontinuierlichen Harmonie im Spiel. Diese Harmonie schafft Martins auch in Kombination mit den Bildern: Sie spielt die Musik nicht durch unnötigen Firlefanz in den Vordergrund, sondern vereinigt sie mit dem Film zu einem stimmigen Ganzen.

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