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Tafel wirft abgelaufene Lebensmittel auf den Müll

Mindesthaltbarkeit

SCHWERTE Butter, Wurst, Joghurt – bergeweise in den Müll. Leere herrscht in den Kühlschränken der Schwerter Tafel. Auf Anweisung der Geschäftsführung – so die Mitarbeiter – mussten überraschend alle verpackten Lebensmittel entsorgt werden, die das Haltbarkeitsdatum geringfügig überschritten hatten.

von Von Sophie Bissingen und Reinhard Schmitz

, 05.11.2009
Tafel wirft abgelaufene Lebensmittel auf den Müll

So gut wie leer sind die Kühlschränke der Schwerter Tafel nach der Wegwerf-Aktion.

20 Kisten voller Spenden, die ihnen die Supermärkte wie gewohnt zur Verfügung gestellt hatten, wurden weggeworfen. Darunter Paletten voller Schokopudding mit dem Datum vom Mittwoch. Löwensenf und Brot von Feinkost Käfer. Im Kühlraum konnte die Kältemaschine abgestellt werden. In einer Ecke verloren sich nur noch ein paar Pakete Kokosfett.

„Es ist erstmalig ein Fall vorgekommen, wo wir Lebensmittel, die abgelaufen sind, nicht annehmen können“, sagt Olaf Heppe, Geschäftsführer des Trägervereins Signal. Diese, so Heppe, seien nicht verwertbar. Als gewerblicher Betrieb könne er diese Lebensmittel nicht ausgeben. „Ich stehe da in der Verantwortung. So kann man doch nicht mit Bedürftigen umgehen“, sagt er. Ebenso wie die ununterbrochene Kühlkette diene die Ablehnung der Lebensmittel schließlich als Vorsorge. Ganz so streng wie andere Betriebe werden die Tafeln von der Lebensmittelaufsicht beim Kreis Unna aber nicht kontrolliert. „Man hält den Ball ein bisschen flacher“, erklärt der amtliche Tierarzt Ludger Nottenkämper die vertrauensvollen Zusamenarbeit. Bei Joghurt oder Pudding drücke man leichter mal ein Auge zu, wenn das Datum leicht überschritten sei. Auch bei Trockenprodukten wie etwa Nudeln.

Ähnlich sieht es auch der Bundesverband deutsche Tafel, der gerade ein Gutachten über Mindesthaltbarkeitsdaten erstellen ließ. Die Lebensmittelindustrie habe gesagt, dass natürlich ein Zeitpuffer eingebaut sei, heißt es aus der Geschäftsstelle in Berlin. Schon beim Frühstück bekamen die Tafel-Gäste den Mangel zu spüren. Trockene Brötchen hätten sie mampfen müssen, wenn nicht irgendjemand selbst gekochte Marmelade mitgebracht hätte. Mittags konnte nur noch Dosensuppe warm gemacht werden. Und am Donnerstag bei der Lebensmittelausgabe gibt es statt Körben voller Lebensmittel nur noch ein bisschen Obst und Gemüse.

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