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"Viele Menschen wollen nicht in der Erde liegen"

Bestattungs-Trends in Schwerte

Seit dem 1. Oktober 2014 gilt in Nordrhein-Westfalen ein neues Bestattungsgesetz. Der Schwerter Bestatter Sascha Bovensmann erklärt im Interview, was sich damit für die Angehörigen eines Verstorbenen ändert und welcher Trend sich bei Bestattungen abzeichnet.

SCHWERTE

, 22.11.2014
"Viele Menschen wollen nicht in der Erde liegen"

Die Urne muss spätestens sechs Wochen nach dem Tod beigesetzt werden, sagt Sascha Bovensmann.

Im Wesentlichen betrifft das neue Gesetz (

) Friständerungen, sowohl in Bezug auf Erd- als auch auf Feuerbestattungen. Vorher hatte man bei Erdbestattungen acht Tage Zeit, jetzt sind es zehn Tage. Die Fristen bei Einäscherungen waren vorher ungeklärt, auch hier sind es jetzt zehn Tage.

Ja. Man kann beispielsweise Fristverlängerungen bei Feiertagen beantragen.

Mit dem neuen Gesetz wird außerdem die Frist für die frühestmögliche Erdbestattung von 48 auf 24 Stunden herabgesetzt. Das kommt den Religionen entgegen, in denen schnell bestattet werden soll. Das ist beispielsweise im Islam und Judentum der Fall. Neu ist außerdem, dass die Beisetzung der Totenasche nachgewiesen werden muss. Viele glauben, dass man in Deutschland mit der Urne ähnlich liberal umgehen kann wie zum Beispiel in den Niederlanden. In NRW ist es aber verboten, sich die Urne zu Hause hinzustellen.

Ich hätte mir da einen liberalen Umgang - wie in Bremen - vorgestellt. Jetzt ist man zeitlich stärker eingeschränkt: Das könnte Probleme machen, wenn eine Seebestattung gewünscht wird, weil die Angehörigen hierbei auch vom Wetter abhängig sind. Dass man für die Erdbestattung wiederum mehr Zeit hat, hat Vorteile. Auch, weil die Angehörigen nicht mehr alle in der Nähe wohnen und von weit her für die Beerdigung anreisen. Das ist anders als noch vor 30, 40 Jahren. Das macht sich übrigens auch auf den Friedhöfen bemerkbar. Mittlerweile gibt es mehr pflegefreie Gräber - weil die Angehörigen sich häufig nicht mehr 30 Jahre lang um ein Grab kümmern können. Auch, weil sie nicht mehr so verwurzelt sind.

Erkennbar ist auch der Trend zur Feuerbestattung. Mittlerweile sind drei Viertel aller Bestattungen Feuerbestattungen, früher waren sie die Ausnahme. Das Verhältnis zu Erdbestattungen hat sich umgekehrt.

Ein Grund ist sicherlich die Grabpflege, und es ist auch eine Kostenfrage. Die Gebühren für ein Urnengrab sind günstiger. Außerdem stecken emotionale Gründe dahinter. Viele Menschen wollen nicht in der Erde liegen. Die Gedanken zu diesem Thema sind in den vergangenen Jahren offener geworden.

Bestattermeister
Sascha Bovensmann war der erste Bestattermeister im Kreis Unna und arbeitet beim Familienunternehmen Bovensmann, das es seit 85 Jahren gibt.

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