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Warum im Atombunker unter dem Markt niemand aufs Klo gehen möchte

Bunker in Schwerte

Im Atombunker muss es Toiletten geben und die könnte man fürs Pannekaukenfest nutzen. Mit dieser Idee besichtigte man die Einrichtung in Schwerte. Und verwarf die Idee sofort wieder.

Schwerte

, 04.08.2018
Warum im Atombunker unter dem Markt niemand aufs Klo gehen möchte

Im Raum mit den Aktivkohlefiltern eingelagert sind 19 Trockenklos, die bei Alarm im Atombunker unter dem Markt verteilt werden sollten. © Bernd Paulitschke

Lindgrüner Plastiktopf mit weißer Brille, darin zum Auffangen ein roter Putzeimer. Nein, auf diese Camping-Toiletten mit dem alten Aufdruck „Bund“ möchte im Atombunker unter dem Marktplatz möchte sich niemand setzen. Keine Wasserspülung, stattdessen erhielte jeder Benutzer einen Plastikbeutel zum Entsorgen seiner Notdurft in bereitstehende Mülltonnen. Ähnliche Tütchen wie beim Gassigehen mit dem Hund, bloß durchsichtig statt schwarz gefärbt.

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So sieht es im Bunker unter dem Markt aus

Die Tiefgarage unter dem Markt in Schwerte ist eigentlich ein Atombunker, noch in Zeiten des Kalten Kriegs wurde sie 1979/80 zu diesem Zweck gebaut. 1685 Menschen sollten auf den 3370 Quadratmetern Schutz finden.
04.08.2018
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Eine geheime Stahltür führt in den Flur mit den nicht gerade üppig bemessenen Funktionsräumen. Hier sollten keine Menschen Schutz finden. Sie sind nur für die Technik und als Lager vorgesehen. Die Luft darin ist feucht und muffig© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Winzig wirkt das Notstromaggregat. Es leistet 35 Kilowatt – solange die 1500 Liter Diesel im Tank reichen. Ein Rußfilter soll die atomverseuchte Umwelt vor den Abgasen schützen. Die Wartung der Anlage bezahlt der Bund seit 2005 nicht mehr. Sie macht sich nützlich für die Sicherheitsbeleuchtung des Garagenbetriebs.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Exakt 19 solcher Campingtoiletten sind für die 1685 Personen im Bunker eingelagert. Trocken, ohne Spülung. Damit der Eimer sauber bleibt, sollte jeder Benutzer einen Plastikbeutel bekommen. 80.000 Stück sind vorhanden – allesamt durchsichtig.© Bernd Paulitschke
Exakt 19 solcher Campingtoiletten sind für die 1685 Personen im Bunker eingelagert. Trocken, ohne Spülung. Damit der Eimer sauber bleibt, sollte jeder Benutzer einen Plastikbeutel bekommen. 80.000 Stück sind vorhanden – allesamt durchsichtig.© Bernd Paulitschke

Die Aktivkohlefilter sollten die Außenluft reinigen, die nach einer Atombombenexplosion in den Bunker gesaugt werden sollte. Da erwartet wurde, dass die Luft glühendheiß ist, sollte sie zuvor in einem Sandfilter abgekühlt werden. © Bernd Paulitschke

Die Aktivkohlefilter sollten die Außenluft reinigen, die nach einer Atombombenexplosion in den Bunker gesaugt werden sollte. Da erwartet wurde, dass die Luft glühendheiß ist, sollte sie zuvor in einem Sandfilter abgekühlt werden. © Bernd Paulitschke
Exakt 19 solcher Campingtoiletten sind für die 1685 Personen im Bunker eingelagert. Trocken, ohne Spülung. Damit der Eimer sauber bleibt, sollte jeder Benutzer einen Plastikbeutel bekommen. 80.000 Stück sind vorhanden – allesamt durchsichtig.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Hinter Gittern lagern in einem Nebenraum der Tiefgarage die bundeswehrgrünen Plastikplanen. Sie sollten als Sichtschutz zwischen den Campingtoiletten aufgehängt werden, um den Benutzern ein Mindestmaß an Intimsphäre zu gewähren. Die Eisenhaken zur Befestigung sind an Decken und Wänden zwischen den Autoparkplätzen vorhanden. Ein Lüftungsmöglichkeit gibt es aber nicht. © Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Die Stadt-Mitarbeiter (v.l.) Thomas Lichteiker und Hans Dieter Hoffmann führten Herbert Dieckmann, Jürgen Paul und Thomas Buhl in den Atombunker.© Bernd Paulitschke
Hinter Gittern lagern in einem Nebenraum der Tiefgarage die bundeswehrgrünen Plastikplanen. Sie sollten als Sichtschutz zwischen den Campingtoiletten aufgehängt werden, um den Benutzern ein Mindestmaß an Intimsphäre zu gewähren. Die Eisenhaken zur Befestigung sind an Decken und Wänden zwischen den Autoparkplätzen vorhanden. Ein Lüftungsmöglichkeit gibt es aber nicht. © Bernd Paulitschke
Griffbereit im Regal liegen die dicken Schrauben, mit denen im Ernstfall die drei Eingangstüren zum Bunker verrammelt werden sollten.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Die Tiefgarage unter dem Markt ist eigentlich ein Atombunker. 1979/80 wurde sie zu diesem Zweck gebaut.© Bernd Paulitschke
Winzig wirkt das Notstromaggregat. Es leistet 35 Kilowatt – solange die 1500 Liter Diesel im Tank reichen. Ein Rußfilter soll die atomverseuchte Umwelt vor den Abgasen schützen. Die Wartung der Anlage bezahlt der Bund seit 2005 nicht mehr. Sie macht sich nützlich für die Sicherheitsbeleuchtung des Garagenbetriebs.© Bernd Paulitschke

„Das ist echt der Hammer“, entfährt es Jürgen Paul, dem stellvertretenden Bürgermeister. Desillusioniert steht auch Thomas Buhl vom Hanseverein neben ihm in der muffigen Unterwelt. Er hatte die Idee gehabt, die Sanitäranlage des Bunkers bei Großveranstaltungen wie Pannekaukenfest oder Welttheater der Straße nutzen zu können.

In seiner Vorstellung 16 gekachelte Toiletten, mit Kacheln im 70er-Jahre-Design vielleicht, aber funktionstüchtig.

Trocken-Toiletten sollten mit Plastikplanen abgeschirmt werden

Doch all das gibt es nicht, stattdessen nur in einem Lagerraum exakt 19 Trocken-WC und ein paar Plastikplanen zur Abtrennung von „Kabinen“. Wer die Stellen kennt, entdeckt an den Wänden neben den Parkplätzen sogar die Eisenhaken, an denen sie gespannt werden sollten.

„Der Bunker ist immer noch in Betrieb. Er ist nicht aufgegeben“, sagt Hans Dieter Hoffmann vom Zentralen Immobilien-Management der Stadt. 80.000 Toilettenbeutel sind immer noch eingelagert. Wie lange die für die 1685 Menschen reichen sollten, die im Alarmfall in der Tiefgarage Schutz suchen sollten – ohne Betten. „Zwei Quadratmeter pro Person“, erklärt Hoffmann. Wer dabei sein sollte? „Wir kennen keine Liste.“

Drei Stahltore und Sandfilter sollten Schutz bieten

Vielleicht möchte auch niemand in das muffige Verlies, das sich mit drei Stahltoren gegen die Außenwelt verriegeln lässt. Ein Sandfilter soll die von der Atom-Explosion glühendheiße Luft abkühlen, bevor sie über einen Aktivkohlefilter hineingelassen wird. Ein kleines Notstromaggregat sorgt für Licht, solange die 1500 Liter im Dieseltank reichen.

So sah man sich geschützt, als 1979/80 die Tiefgagarage als Bunker gebaut wurde. Auch wenn es – so Hoffmann – ein halbes Jahr gedauert hätte, ihn betriebsfähig zu machen. Essensvorräte waren beispielsweise in einer Halle in Geisecke gelagert. Und bei der Stadtverwaltung gab es 15 bis 19 Mitarbeiter für den Bunkerbetriebsdienst.

Die wussten beispielsweise, wie die schweren Stahltore mit den dicken Schrauben verrammelt werden. Mittlerweile sind alle in Rente. Die letzte Übung fand 1986 statt. Hoffmann kennt den Grund: „Die Geschäftsleute protestierten, weil dann die Tiefgarage jedes Mal zwei Tage lang gesperrt werden musste.“

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