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Jugendliche in Schwerte fordern mehr Freizeit-Angebote

Jugend in Schwerte

Wirklich zufrieden sind viele Jugendliche mit den Freizeitmöglichkeiten in Schwerte nicht. Sie haben einige Anregungen, wie die Angebote attraktiver gestaltet werden können. Zwei Wünsche wurden besonders oft geäußert.

Schwerte

, 25.05.2018
Jugendliche in Schwerte fordern mehr Freizeit-Angebote

Die Jugendlichen wünschen sich für Schwerte vor allem wieder ein Freizeitbad und ein Kino. © Foto: Manuela Schwerte

Das Licht geht aus, der Comedian Bernhard Hoecker stolpert auf die Bühne: „Guten Abend Schwerte“, begrüßt er das Publikum in der Rohrmeisterei. „Wer musste denn heute alles arbeiten oder zur Schule oder Uni?“ Fast alle Arme gehen schlagartig hoch. „Und geht es euch trotzdem gut?“, ergänzt Hoecker mit einem frechen Grinsen. Ein fröhliches Lachen im Publikum ist Antwort genug. Knapp 500 Zuschauer sind für das Programm „So liegen Sie richtig falsch“ von Bernhard Hoecker in die Rohrmeisterei gekommen, ungefähr ein Viertel davon Jugendliche. „Ich war ja noch nicht so oft in Schwerte, gibt es etwas, das man in Schwerte unbedingt gesehen haben muss?“ „Den Ruhrtalradweg“, tönt es aus einer Ecke, ein paar Reihen weiter vorne schlägt eine Zuschauerin „St. Viktor“ vor. „Unbedingt den Stau auf der B236“, ruft nach kurzer Stille eine männliche Stimme mit ironischem Unterton. „Ist der so schlimm?“, hakt Hoecker nach und löst damit ein lautes Getöse im Publikum aus. Lachend hebt Hoecker die Hände, um wieder für etwas Ruhe zu sorgen.

Programm für Jugendliche

Mit solchen Unterhaltungsprogrammen möchte die Rohrmeisterei auch Jugendlichen ein attraktives Programm bieten: „Wir haben Veranstaltungen für eine große Bandbreite, für ganz junge und ältere Besucher. Für Jugendliche haben wir zum Beispiel verschiedene Konzerte und Comedyprogramme, wie jetzt Bernhard Hoecker. Wir binden auch Nachwuchsbands in das Programm ein, um sie zu fördern“, so der Leiter Tobias Bäcker. Auch der 21-jährige Tim Grosser aus Lichtendorf war schon ein paar Mal in der Rohrmeisterei, das letzte Mal beim Abiball seines besten Kumpels. „Ich finde, vor allem für so eine kleine Stadt ist die Rohrmeisterei schon echt toll und bietet viel Programm.“

Weniger Jugendliche

Zudem ist es Tobias Bäcker sehr wichtig, gemeinsam mit den Jugendlichen etwas auf die Beine zu stellen: „Wir haben auch den gemeinnützigen Verein ,Theater am Fluss (TaF)‘. Der Verein wurde im Juli 2008 gegründet und hat mittlerweile über 50 Mitglieder. Hier sind theaterbegeisterte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 6 und 21 Jahren dabei und machen Stücke von Jugendlichen für Jugendliche. Solche gemeinsamen Programme und Events mit Jugendlichen sind uns am wichtigsten und zudem Mitmachangebote wie Skate-Events oder auch Literatur-Projekte.“ Trotz allem kämen weniger Jugendliche als noch vor zehn Jahren in die Rohrmeisterei. „Das kann aber daran liegen, dass es insgesamt weniger Jugendliche in Schwerte gibt“, so Bäcker. „Deshalb ist es auch umso wichtiger und deshalb müssen wir umso mehr aufpassen, dass wir genügend Angebote für Jugendliche haben.“

Jugendliche in Schwerte fordern mehr Freizeit-Angebote

Tobias Bäcker (Leiter Rohrmeisterei) © Foto: Bernd Paulitschke

Nähe zum Publikum

Irgendwo im Publikum fällt ein Glas um, „Na, hat da jemand seine Kontaktlinse verloren?“, fragt Hoecker prompt, beide Hände in die Hüfte gestemmt. Er kommuniziert viel mit dem Publikum, spricht verschiedene Themen von Religion über Geschichte bis zur Kommunikation an: „Manchmal kommunizieren wir ja auch über Handzeichen. Beim Autofahren zum Beispiel. Wenn wir, wie so häufig, den Fahrer im Auto nebenan mit einem Daumen hoch loben wollen, weil er sich im Stau auf der B236 noch knapp vor uns gedrängelt hat, dann kommt das in Ländern des Nahen Ostens ganz anders rüber: Da bedeutet der Daumen hoch eher soviel wie bei uns der Mittelfinger.“

Verrückte Tauchzeichen

Beim Tauchen hingegen habe der Daumen hoch eine noch andere Bedeutung: Auftauchen! „Haben wir hier einen Taucher unter uns, der weiß, ob es auch ein Zeichen für einen Hai gibt, wenn der sich nähert?“ Ein Mann in der ersten Reihe hebt die Hand. „Ah, der Schlaumeier aus der ersten Reihe“, Hoecker macht ein paar Schritte auf den Mann zu. „Dann macht man die Hand auf den Kopf“, erklärt der junge Mann, und Hoecker spinnt das Szenario fort: „Und bei einem Hammerhai? Legt man dann die eine Hand senkrecht auf den Kopf und hämmert mit der anderen?“ Die eine Hand auf dem Kopf, die andere zu einer Faust geballt, rauf und runter schwingend, läuft der Comedian über die Bühne ... und späht ins Publikum. „Was machen Sie denn da?“, fragt er eine junge Frau, die im Gang hockt und unter einen Stuhl späht. „Ich habe meinen Ehering verloren.“ „Wie lange sind Sie denn schon verheiratet?“ „Seit gestern!“ „Oh, dann sollten wir besser schnell das Licht anmachen“, weist Hoecker die Lichttechniker an – und die Deckenlampen leuchten auf.

Wünsche der Jugendlichen

Der Lichtendorfer Tim Grosser kommt in seiner Freizeit des Öfteren nach Schwerte: „Vor allem im Sommer verbringe ich sehr gerne Zeit an der Ruhr und fahre dort Rad oder gehe Laufen.“ An Freizeitangeboten für Schwerte würde Grosser sich eine Soccer-Halle, ein neues Schwimmbad und ein Kino wünschen.

Jugendliche in Schwerte fordern mehr Freizeit-Angebote

Tim Grosser (Student, 21) © Maren Carle

Vor allem dem Wunsch nach einem Kino schließen sich viele Schwerter Jugendliche an. 32 der 50 befragten Schülerinnen und Schüler gaben bei ihrem Wunsch für Schwerte ein Kino an. „Ein Kino in Schwerte wäre super, jetzt muss ich ständig zu einem Kino weiter weg fahren“, meint der 16-jährige Vincent Moritz Giuvalisco. „Insgesamt finde ich, dass es zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche in Schwerte gibt.“ „Ein neues Kino wäre super“, findet auch Jana Gutzeit-Greth vom Ruhrtal-Gymnasium. „Außerdem würde ich mich über ein Schwimmbad und frei zugängliche Sport-, beziehungsweise Spielplätze freuen.“ Auch Hendrik Heithus, Schüler am Friedrich-Bährens-Gymnasium und Vorsitzender der Jusos in Schwerte, würde sich ein Kino für Schwerte wünschen. Der neue Bürgermeister Dimitrios Axourgos versprach im Wahlkampf, sich für ein Kino einzusetzen und will dieses Versprechen auch weiterhin halten.

Freizeitbad ausgeschlossen

Ein Spaß- oder Schwimmbad hingegen, das sich 12 der befragten Schüler wünschen, schließt der Pressesprecher der Stadt Alexander Nähle aus: „Das Freizeit- und Allwetterbad (FAB) hat gezeigt, dass sich die Stadt Schwerte diese Investition gar nicht leisten konnte und es auch nicht ausreichend genutzt wurde. Es gab 2006 ein Bürgerbegehren zum Erhalt des FAB, das aber erfolglos war, weil es eine zu geringe Beteiligung hatte“, so der Pressesprecher. Irgendetwas sollte sich im Bereich Freizeit jedoch tun, denn mit den aktuellen Angeboten sind viele Jugendliche unzufrieden. „Ich verbringe meine Freizeit kaum in Schwerte, lediglich, um mich mal mit Freunden zu treffen. In Schwerte gibt es wenig Freizeitangebote“, meint unter anderem Maurice Jentsch vom FBG.

Vergleich mit Bünde

In diesem Bereich ist die Stadt Bünde (ungefähr so groß wie Schwerte) ein bisschen besser aufgestellt. Hier gibt es ein Kino, die Stadthalle, und das Universum (in beiden kann man sich verschiedene Show- und Comedyprogramme anschauen, man kann die Stadthalle für Feiern mieten, und im Universum werden auch Kinofilme gezeigt) sowie den Steinmeisterpark.

Für die Rohrmeisterei würde sich Tim Grosser wünschen, dass mal der eine oder andere bekanntere deutsche Sänger vorbei schaut: „Klar ist das schwierig zu realisieren, aber es wäre echt cool, wenn mal ein paar größere nationale Stars wie die Toten Hosen oder Kraftklub in die Rohrmeisterei kommen würden. Darüber würden sich bestimmt viele Jugendliche freuen. Die Räume der Rohrmeisterei eignen sich ja auch super für ein Unplugged-Konzert.“

Zuschauer mögen Schwerte

Die junge Dame hat ihren Ehering gefunden, das Licht im Raum geht wieder aus. Als es um Richard Wagner geht, erklärt Bernhard Hoecker die altertümlichen Begriffe auch schmunzelnd für Jugendliche: „Also ein Komponist ist so was wie ’n Songwriter, und eine Schlussarie ist quasi ein Bonustrack.“

Dann startet Hoecker auf einer Leinwand im Hintergrund eine Umfrage, an der alle Zuschauer per Handy mitmachen und Multiple-Choice- Fragen beantworten können. Dabei kommt unter anderem raus: 76 Prozent der Zuschauer gefällt Schwerte, 15 Prozent gefällt es nicht, und 9 Prozent haben noch nie was von Schwerte gehört. Bei der Frage „Auf welche Toilette geht ihr? Vorne, mitten oder hinten?“ wird hinten am häufigsten angegeben. „Ja, ja die meisten gehen auf die hintere Toilette, weil da ja sonst keiner hingeht“, schmunzelt Hoecker. Tim Grosser hat der Abend gut gefallen: „Am besten fand ich, dass Bernhard Hoecker so spontan auf das Publikum reagiert hat. Es war sehr lustig.“

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