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Welttheater: Zwei Nächte lang nur staunen

SCHWERTE Da steht er in einer Kulisse voller Geheimnisse: weiße Tierschädel, Tiegel, Fläschchen. Dr. Marrax trägt seinen Zylinder auf dem Kopf. Ein schwarzer Mantel baumelt um seine Beine. Beim Welttheater der Straße an diesem lauen Spätsommer-Wochenende versammelt der beleibte Kauz zig begeisterte Zuschauer um sich. Und nicht nur er.

von Von Hilke Schwidder

, 31.08.2008
Welttheater: Zwei Nächte lang nur staunen

Wasserkünstler "Rigolo" aus der Schweiz.

Hinter jeder Biegung begegnet der Besucher Märchen und Künstlern, bizarren Anblicken und fesselnden Tanzvorführungen. Tausende schlendern über das holprige Kopfsteinpflaster der Altstadt. Das Welttheater stellte mit 18 000 bis 19000 Besuchern einen neuen Rekord auf. Die Gäste sehen die Barmixer von Woesh auf dem Markt. Unterwegs zum Wuckenhof treffen sie Lady Luck, die auf einer weichen Wolke durch Schwerte gleitet. Und am Wuckenhof angekommen, stehen sie direkt vor der halbrunden Arena der Musikclowns vom Teatro Necessario.

Der Abend dauert mehr als vier Stunden. Längst ist es dunkel geworden. Vor begeistertem Publikum in altmodischen Schaukelstühlen spielen die Jungs von Uwaga! – Zwei Violinen, Akkordeon und Bass, amüsante Mimik, schnelle Stücke. Das Pubikum nickt den Takt mit. Es schaukelt den Takt mit. Es tanzt den Takt mit. Uwaga! spielen und spielen.  

Kaum zwei Minuten entfernt, im Park an der Ruhrstraße, tanzen Artscenico das Thema „Hanging around“ (Rumhängen) in poetischen Bildern. Drei Frauen, blaue Kostüme, Parkbänke, viel Fantasie. Als symbolischer Kokon dreht sich das geschmeidige, blaue Tuch um die Darstellerinnen. Sie winden und drehen sich, laufen vor und zurück. Die Bühne ist ein heller Lichtkegel. Das Publikum steht still und bezaubert im dunklen Park davor.

Und irgendwann ist es halb zwölf. Tausende stehen auf dem Plateau der Rohrmeisterei, während die Akrobaten von ÖffÖff auf Mitternacht zuschweben. Wie helle Segel heben sich riesenhafte Stahl- und Stoffkonstruktionen vom schwarzen Himmel ab. Sphärische Musik, kühles Licht, in zig Metern Höhe klettern und tanzen die Künstler. Winzig erscheinen sie auf dieser gigantischen Bühne. Sie sprechen mit ihren Körpern, streiten streiten und vertragen sich. Sie sind wie Unbekannte in einer mathematischen Gleichung. Teil der sich scheinbar schwerelos bewegenden Segel. Teil einer anderen Welt. 

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