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Wenn der Sportausschuss ausgerechnet während des WM-Spiels tagt

Ausschusssitzung Schwerte

Ein Super-Nachmittag: Wenn der Sportausschuss in Schwerte tagt, während die Nationalelf im letzten Gruppenspiel um das Achtelfinale kämpft, verliert – und der Italiener lächelt.

Schwerte

, 27.06.2018
Wenn der Sportausschuss ausgerechnet während des WM-Spiels tagt

Eigentlich sollten Sport und Politik im Sportausschuss eine Einheit bilden. Am Mittwoch klappte das nur sehr bedingt. © Manuela Schwerte

17 Uhr: Im Trikot der Weltmeister von Bern hatte Bernd Droll die Sitzung des Sportausschusses pünktlich mit Anpfiff zur zweiten Halbzeit des WM-Spiels Deutschland Südkorea eröffnet. „Ich begrüße Sie zur Sitzung, die nun mal an diesem Termin stattfindet“, so Droll.

Auf dem Weg zum Rathaus konnte man eine fast menschenleere Rathausstraße erleben. Die Bedienungen in Café standen ohne Kunden hinter der Theke, der benachbarte Makler hatte ein Schild im Fenster: „Ich befinde mich auf einem Außentermin.“ Bei Bäcker Becker durften die Angestellten sich freinehmen. Doch irgendwie hatte man nicht das Gefühl, dass Vorfreude das Fußballereignis begleitet.

Sportausschuss tagt ausgerechnet zum Schicksalsspiel

Im Sport- und Schulausschuss, der ausgerechnet zum „Schicksalsspiel“ eine Sitzung anberaumt hatte (bereits im vergangenen Herbst, als man den Spielplan nicht kannte), sah das nicht anders aus . Die Riege der Schulleiter, die normalerweise zu diesen Sitzungen kommt, war am Mittwochnachmittag reichlich ausgedünnt.

Ähnlich wie beim Fußball im fernen Russland geschah auch im Sitzungsraum wenig Bedeutendes. Deutschland kickt ideenlos vor dem Strafraum, die Ratsmitglieder hören den turnusgemäßen Bericht über die Baumaßnahmen an Schulen.

Bange Blicke auf Handy und Tablets

Nachfragen gab es wenig, dafür mehr Blicke auf Handys und Tablets. Ratsfrau Renate Goeke (FDP) hatte eine schwarz-rot-goldene Federkette umgelegt, Marco Kordt (CDU) den Deutschlandhut des Vorsitzenden dann doch nur vor sich auf dem Tisch liegen.

Um 17.25 Uhr ist der Bau-Vortrag durch. Vorsitzender Bernd Droll ergreift das Wort: „Nach derzeitigem Stand ist Deutschland draußen, Schweden führt gegen Mexiko mittlerweile bereits 2:0.“

17.38 Uhr: Die öffentliche Sitzung ist beendet, in Jekaterinenburg fabriziert Edson Álvarez ein Eigentor. In Schweden erinnert man sich an zahlreiche Ikea-Witze vom Wochenende.

Zum Sitzungsende kommt das Vorrunden-Aus

Im Besprechungsraum des Rathauses wird nun hinter verschlossenen Türen weiterverhandelt und gebangt. Und pünktlich zum Sitzungsende: der Videobeweis, 1:0 für Südkorea. Die Politiker strömen aus dem Sitzungssaal. An der Rathauspforte bimmelt die NewsApp von SPD-Politiker Hans Haberschuss: 2:0. Es folgen wenig zitierfähige Kommentare.

Auf dem Weg zur Redaktion ist die Rathausstraße wieder belebt. Man blickt in fassungslose Gesichter. Nur der Italiener von der Pizzeria schaut irgendwie übertrieben fröhlich drein.

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