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Wird die Sargpflicht in Schwerte aufgehoben?

Muslimische Gräber in Villigst

Auf dem muslimischen Friedhof in Villigst könnte es bald Beerdigungen ohne Särge, dafür aber mit einem Leinentuch geben. So könnten muslimische Mitbürger gemäß ihren Glaubensvorschriften beerdigt werden. Ob das aber tatsächlich viele Muslime nutzen würden, ist jedoch fraglich.

VILLIGST

, 12.10.2016

Seit 20 Jahren gibt es auf dem städtischen Friedhof in Villigst ein muslimisches Gräberfeld mit je 40 Reihen und 40 Familiengräber. Viele davon sind nicht belegt, wie Friedhofsgärtner Uwe Tembaak auf Anfrage bestätigt. Das könnte sich aber bald ändern. Denn der Integrationsrat hat angeregt, die Friedhofssatzung so zu ändern, dass in Zukunft auch nach islamischen Glauben im Leinentuch ohne Sarg beerdigt werden darf. Das bestätigte am Dienstag Jutta Pentling von der Stadtverwaltung.

„Das Bedürfnis ist halt da“, sagt Aynur Akdeniz, Vorsitzende des Integrationsrates. Mehrere Bürger seien an sie herangetreten und hatten sich eine Beerdigung nach ihrem Glauben gewünscht. „Es geht aber nicht nur um muslimische Mitbürger, sondern auch um andere Glaubensrichtungen“, so Akdeniz.

Es besteht noch Sargpflicht

Bisher besteht in Schwerte bei Bestattungen noch die Sargpflicht. Das Bestattungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2004 räumt jeder Kommune allerdings das Recht ein, auch die Bestattung ohne Sarg auf gesonderten Grabfeldern zuzulassen, so Gerhard Krawczyk, der als Leiter des Baubetriebshofes auch für die städtischen Friedhöfe zuständig ist.

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„Auf Initiative des Integrationsrates soll die Verwaltung den Gremien einen entsprechenden Vorschlag zur Änderung der Satzung machen“, so Jutta Pentling. Im November könnte die Satzungsänderung dann den Integrationsrat, den Finanzausschuss und den Rat passieren. Stellungnahmen von Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen seien, so Aynur Akdeniz, schon eingeholt worden.

"Nur wenige Muslime, die in Deutschland beerdigt werden wollen"

Hakan Yildirim, Vorsitzender Moscheegemeinde an der Beckestraße, begrüßt die Anregung des Integrationsrates. „Die erste Generation der Einwanderer hat sicher noch das Bedürfnis, in der Türkei beerdigt zu werden. Aber bei der zweiten Generation und ihren Kindern sieht das anders aus“, betont Hakan Yildirim. Man habe seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland, Schwerte sei die Heimat. Wenn nun neben der Ausrichtung des Grabes in Richtung des muslimischen Wallfahrtsortes Mekka auch die Beerdigung in einem Leinentuch in Villigst möglich sei, ist er sicher, dass das sich in Zukunft deutlich mehr Muslime nach ihrem Tod in Schwerte beerdigen ließen.

Susanne Lategahn, Inhaberin des Bestattungshauses Lategahn, erwartet dagegen keinen größeren Andrang auf das muslimische Grabfeld durch eine entsprechende Satzungsänderung. „Es sind doch nur sehr wenige Muslime, die in Deutschland beerdigt werden möchten“, glaubt sie. Nach ihren Erfahrungen, auch im privaten Umfeld, zieht es die Mehrheit der türkischstämmigen Gläubigen nach ihrem Tod in die Türkei. Das habe nichts mit dem Leinentuch zu tun. „Sie wollen zurück zu ihren Ursprüngen. Da schließt sich offenbar für sie ein Kreis“, glaubt Susanne Lategahn.

Außerdem gibt es besondere Hilfsfonds, zum Beispiel über den Moscheeverband DITIB, der den Leichnam des Gläubigen in die Türkei zurückführt. Türkischstämmige Muslime können sich also vorbereiten.

In Dortmund sind Bestattungen im Leinentuch möglich

Wem es zuvor auf die Bestattung im Leinentuch angekommen sei, der hätte auch jetzt schon, so Susanne Lategahn, zum Beispiel einen Dortmunder Friedhof nutzen können, wo das bereits gestattet ist. Anfragen für muslimische Beerdigungen kommen ohnehin bei Schwerter Bestattern nur selten vor. „Das ist viel seltener als Anfragen für Bestattungen im russisch-orthodoxen oder buddhistischen Ritus“, berichtet Susanne Lategahn aus ihrem täglichen Geschäft.

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Nur einmal habe sie die Beerdigung eines Moslems in Dortmund mitgestaltet, dessen Frau Christin war. Friedhofsgärtner Uwe Tembaak bestätigt ihren Eindruck: „Meist ist es ein Bestattungshaus aus Köln, dass die Beerdigungen auf dem muslimischen Grabfeld durchführt.“

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