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Seefahrer-Ballade «Billy Budd» in Hamburg gefeiert

Hamburg (dpa) - Kaum ein Jahr ist es her, dass Hamburgs Opernintendantin Simone Young ihren Britten-Zyklus mit einem schillernd eingängigen «Midsummer Night's Dream» eröffnete. Jetzt präsentierte sie eine weitere Oper des englischen Komponisten Benjamin Britten: das düstere Seefahrer-Drama «Billy Budd» nach Herman Melvilles weltberühmter Erzählung.

Und wieder war es ein Publikumserfolg. Nach dem Schock der letzten, durch mächtige Buh-Rufe vergifteten Premiere von Strauss' «Frau ohne Schatten» im Februar war Young, die auch hier wieder persönlich am Dirigentenpult stand, die Genugtuung über das Premieren-Glück förmlich anzusehen.

Faszinierend war, dass es für diese Hamburger Britten-Renaissance sinnstarke Wiedererkennungssignale gab: das an blitzenden Drahtseilen auf- und abfahrende bizarre Mobiliar und das magische Riesen-Auge mit verstörend auf- und niederflatterndem Lid, das bereits Brittens «Sommernachtstraum» bewachte und nun die Seelenkatastrophen der Männer auf dem britischen Kriegsschiff «Indomitable» zur Zeit der napoleonischen Kriege ins Zentrum schmerzhaften Erinnerns zog. Denn erst aus der gnadenlosen Qual des Rückblicks, mit der Captain Vere, Commander der «Indomitable», auf die Tragödie seines Lebens schaut, gewinnt Brittens großartiges Opernwerk über Hass und Homoerotik, über Unschuld und Niedertracht seine dramatische Sprengkraft.

Dabei hat der Komponist seinem Seefahrer-Stück auch eine satte Portion wilder, draufgängerischer musikalischer Seemanns-Romantik mitgegeben. Gleichwohl ist der Schlüsselklang des Werks doch von abgründiger Verzweiflung und menschlicher Verlorenheit. So wirken denn auch alle Männer auf der «Indomitable» wie Ausgesetzte, dem Fliegenden Holländer gleich, zu ewigem Umherirren auf dem Meer verdammt. Captain Vere ragt aus der Mannschaft nur deshalb so scharf hervor, weil er seiner schuldhaften Verstrickung am differenziertesten Ausdruck gibt. Der Grund seines Martyriums: Er liebt den schönen und gütigen Matrosen Billy Budd, rettet ihn aber nicht vor dem Strang. Obwohl er weiß, dass der Junge unschuldig ist am Tod des niederträchtigen Waffenmeisters Claggart.

Konsequenter und eindringlicher noch als im «Midsummer Night's Dream» huldigte das Inszenierungsteam um den neuseeländischen Regisseur Simon Phillips und die britische Bühnenbildnerin Es Devlin einem magischen Realismus, der mit seinen flutenden Konturen und gleißenden Farben eine Welt beklemmender seelischer Irritationen zu suggerieren verstand. Simone Young nahm sich des Elegischen wie des Düsteren, des Zarten wie des Schroffen in Brittens Partitur gleichermaßen vehement und feinnervig an. Das Philharmonische Staatsorchester leistete dabei Meisterliches.

Hervorragend auch der Chor der Hamburgischen Staatsoper. Peter Rose gab mit prachtvoller Stimme keineswegs nur dem Schurken, sondern auch dem vergeblich Liebenden in Claggart Leben. Der in Panama geborene Bariton Nmon Ford ließ Sinnlichkeit und Unbefangenheit des Billy Budd mit Temperament und samtenem Timbre aufleuchten. Mit anrührend starkem und subtilem Ausdruck zeichnete Timothy Robinson das Desaster des Captain Vere.

www.staatsoper-hamburg.de

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