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18-Jährige sollte mit Verzehr von rohem Hühnerherz eingeschüchtert werden

Voodoo-Prozess

Brisante Enthüllungen im Voodoo-Prozess um Menschenhandel. Eine Prostituierte (18) hat am Montag berichtet, dass sie vor der Schleusung über das Mittelmeer ein rohes Herz verzehren musste.

Selm, Bochum, Castrop-Rauxel, Dorsten

, 30.07.2018
18-Jährige sollte mit Verzehr von rohem Hühnerherz eingeschüchtert werden

Die Angeklagten sollen Frauen illegal nach Europa eingeschleust und an Bordelle – unter anderem auch in Selm – vermittelt haben. Foto von Braunschweig

„Das war nicht wirklich sehr angenehm“, erinnerte sich die aus Nigeria stammende Zeugin am Bochumer Landgericht. „Ich musste das Herz eines frisch geschlachteten Huhns essen.“ Überwacht habe das Ableisten des spirituellen Rituals ein so genannter „Juju-Priester“. Als Konsequenz habe der Mann gewarnt, dass mit dem Verzehren des Hühnerherzes ab sofort ein Fluch wirke. Wenn sie nach der Überfahrt nach Europa die Schleuserkosten im Bereich von 25.000 Euro nicht abbezahle, erleide sie einen schnellen Tod.

Rückblick: Von ähnlichen Einschüchterungen durch den Juju-Schwur hatte zuletzt bereits eine andere Prostituierte als Zeugin berichtet. Diese Frau hatte allerdings von einer Nuss berichtet, die sie habe essen müssen. Außerdem sei sie mit Hühnerblut bespritzt worden.

Beschwerlicher Weg über Mittelmeer

Mit uralten Bussen durch die Wüste, zu Fuß über Grenzen, mit einem schrottreifen Boot über das Mittelmeer: Ihre Schleusung nach Europa schilderte die Nigerianerin als echte Strapaze. Bei der Schleuserroute durch die Wüste habe sie sich bei einem Verkehrsunfall in Agadez (Niger) schwer verletzt. Weil im dortigen Krankenhaus aber niemand ihren erlittenen Beinbruch habe behandeln wollen, habe sie zwei lange Monate zu Rehabilitation gebraucht, ehe sie schließlich mit einem Boot über das Mittelmeer in Europa angekommen sei.

Die sechs Angeklagten sind teilweise geständig. Die zwei Frauen und vier Männer sollen zwischen 2015 und 2017 mehr als zehn Frauen aus ihrer Heimat illegal nach Europa eingeschleust und gegen ihren Willen an Bordelle im Ruhrgebiet, darunter auch einen Rotlicht-Club in Selm, vermittelt haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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