Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Abriss der Lutherschule ist beschlossene Sache

Ratsbeschluss

Der Rat hat beschlossen, die Lutherschule nicht zu erhalten. In nicht-öffentlicher Sitzung. Öffentlich hatten die Politiker zuvor heftig diskutiert. Nicht alle sind für die Radikallösung. Und Bürger wollen sich wehren.

Selm

, 06.07.2018
Abriss der Lutherschule ist beschlossene Sache

Der Abriss der Lutherschule ist beschlossen. Der Rat stimmte mehrheitlich in nicht-öffentlicher Sitzung für diese Maßnahme zur Schaffung neuen Wohnraums. Auch die Schulstraße soll saniert werden. © Arndt Brede

Die Unnaer Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH (UKBS) ist von der im Kaufvertrag mit der Stadt Selm 2014 festgezurrten Verpflichtung, zur Schaffung neuen Wohnraums das Schulgebäude in markanten Bereiche wie der Fassade, zu erhalten, entbunden. UKBS-Chef Matthias Fischer hatte jüngst der Politik den Abriss als die wirtschaftlichere Lösung dargelegt.

Die Abstimmung im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am Donnerstagabend ist so verlaufen: 21 Stimmen für den Abriss der Lutherschule, acht Stimmen dagegen, eine Enthaltung. Mehr als diese Mitteilung der Stadt Selm drang nicht aus dem Sitzungssaal der Burg Botzlar an die Öffentlichkeit. Der einstündigen Diskussion im öffentlichen Teil war aber zu entnehmen, wie das Ergebnis letztendlich zustande kam.

Stimmen aus der Sitzung: „Das Gebäude steht seit 2009 leer und wird nicht besser“, sagt SPD-Fraktionschef Thomas Orlowski unter anderem. Die Stadt habe zwar ein Rückkaufsrecht. „Aber es sind ja nicht nur die 600.000 Euro dafür. Sondern wir müssten als Stadt auch nachdenken, ob wir selber sanieren. Da sollte sich jeder fragen, ob wir das Geld dafür haben.“

Abriss vorhergesehen

„Wir sind belächelt worden, als wir nach Abschluss des Kaufvertrages 2014 gesagt haben, dass das Gebäude in drei Jahren abgerissen wird“, erklärt Dt. Hubert Seier (UWG). „Es wird leider jetzt so kommen.“ Man hätte kreativ herangehen und solch ein altes, historisches Gebäude neu entwickeln können „und nicht die Rendite an oberste Stelle stellen“. Die UWG-Fraktionschefin bezeichnete die einstige Schließung der Lutherschule als eine der größten Fehlentscheidungen des Rates. Nun fehle das Gebäude, um die mangelnden Platzkapazitäten der anderen Grundschulen aufzufangen.

Laut Marion Küpper, der Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen, sei früh abzusehen gewesen, dass die Schule abgerissen werden würde. Sie forderte, neue Konzeptionen anders zu denken als in 75-Quadratmeter-Wohnungen.

„Es geht um ein städtisches Gebäude, für das die Stadt keinen Bedarf mehr hat“, so Dieter Kleinwächter, Chef der CDU-Fraktion. Er könne sich viele Nutzungen für das Gebäude vorstellen. „Aber ich muss auch jemanden finden, der das umsetzt.“ Im Fall einer Rückabwicklung, der Instandsetzung, des Umbaus und der Nutzbarmachung durch die Stadt gebe es, seriös gerechnet, einen Finanzbedarf von mehr als vier Millionen Euro. Mit Blick auf das von Wilhelm Gryczan-Wiese angekündigte Bürgerbegehren zum Erhalt des Schulgebäudes sagte Kleinwächter: „Wenn es doch so interessant ist, das Gebäude der Lutherschule in seinem jetzigen Zustand zu erhalten, und so viele Leute dafür sind, dann darf ich nicht nur eine Unterschrift leisten, sondern auch bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen.“ Seine Rechnung: Jeder, der das Bürgerbegehren unterschreibt, könne 1000 Euro zahlen.

Umfrage

Soll die Lutherschule abgerissen werden?

471 abgegebene Stimmen

Dann sei eine Finanzierung der Sanierung und des Erhalts des Schulgebäudes für die Stadt stemmbar. Das werde aber nicht gelingen. Würde der Rat den Erhalt der Schule beschließen, müsse sich die Stadt zur Finanzierung „das Geld vom Bürger holen“. Zum Beispiel durch die Erhöhung der Grundsteuer B. Da mache die CDU nicht mit. Dieser Weg scheide aus.

„Die Rückabwicklung würde wohl eine Haushaltssperre nach sich ziehen; das wollen wir alle nicht“, erklärte Linken-Fraktionschef Werner Sell.

Bürgerbegehren

Schon im Vorfeld der Ratssitzung hatte Architekt Wilhelm Gryczan-Wiese für den Fall, dass der Rat den Abriss der Lutherschule beschließt, ein Bürgerbegehren zum Erhalt und der Sanierung der Lutherschule angekündigt. In der Ratssitzung bekam er Rederecht. Er schlug vor, Landesfördermittel zum Umbau und der Sanierung der Lutherschule zu akquirieren.

Die Formalia für ein Bürgerbegehren lässt Wilhelm Gryczan-Wiese übrigens bereits bei der Stadt prüfen.

Lesen Sie jetzt