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Ärger über Plastik in der Ostsee reicht bis Selm

Umweltskandal betrifft auch Selm

Ein Umweltskandal in Norddeutschland lässt auch an der Werner Straße zurzeit das Telefon heiß laufen. Journalisten erkundigen sich bei dem bundesweit tätigen Speisereste-Verwerter Refood nach fingernagelgroßen Plastikpartikeln. Wie die in die Ostsee gelangen konnten, gibt Rätsel auf – und sorgt für Ärger zwischen Refood und seinem Vertragspartner in Schleswig.

Selm

, 20.03.2018
Ärger über Plastik in der Ostsee reicht bis Selm

Kleine Plastikteilchen und Treibsel, also angeschwämmtes Material, zeigt ein städtischer Arbeiter auf einem Uferstreifen an der Schlei. © picture alliance / Carsten Rehde

Refood liefert Speisereste an die dortigen Stadtwerke: Biomasse zur Gas- und Wärmeerzeugung. Darunter befinden sich auch Plastikschnipsel: Reste von Verpackungen und Joghurtbechern. Wer muss diese Fremdstoffe herausfiltern? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt – aber zurzeit nur in eine Richtung. „Beschuldigter ist der Geschäftsführer der Stadtwerke“, sagt die leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt aus Flensburg auf Anfrage unserer Redaktion. „Man muss sehen, in welche Richtung das weitergehen wird.“

Schleswigs Stadtwerkechef im Fokus

Der Mann im Fokus der Ermittler heißt Wolfgang Schoofs. Der weist indes die Vorwürfe weit von sich und sieht Refood in der Verantwortung. Er sei „in Treu und Glauben“ davon ausgegangen, dass die Speisereste keine Verunreinigungen hätten, wie er es von einem anderen Lieferanten gewohnt gewesen sei. Für die maschinelle Entfernung von Plastikrückständen sei allein Refood zuständig, sagt er am Montag unserer Redaktion. Das regele der Vertrag zwischen Lieferant und Verwerter. Den will Schoofs aber nicht offenlegen – mit Verweis auf die Verschwiegenheitsklausel und den Rat seiner Rechtsanwälte.

„Refood nicht verantwortlich“

Marcel Derichs, Sprecher von Refood in Selm, stellt den Vertragsinhalt ganz anders dar: „Die Stadtwerke sind für die Abtrennung der Fremdstoffe vertraglich verpflichtet.“ Das habe etwa mittels eines Abschieberechens und Lochblechen mit zwei Millimeter kleinen Öffnungen zu erfolgen. „Gab es da einen technischen Defekt? Haben die Filter nicht funktioniert?“ Das seien Fragen, die er sich jetzt stelle. In der Vergangenheit habe es schließlich weder in Schleswig noch woanders Beanstandungen gegeben. Dass Plastikreste zwischen die Speisereste gelangen, lasse sich nicht vermeiden. „Das kommunizieren wir auch so.“

Der Heizöl-Vergleich

Derichs vergleicht die Situation des rund 1000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens – 50 davon in Selm – in der Auseinandersetzung mit den Stadtwerken Schleswig mit der eines Heizöllieferanten. „Den kann man ja auch nicht dafür verantwortlich machen, wenn die Heizung des Kunden nicht die gesetzlich bestimmten Grenzwerte einhält.“

Refood verarbeitet Abfälle aus der Gastronomie und abgelaufene Lebensmittel aus Supermärkten. Die Stadtwerke Schleswig bedienen sich der Speisereste, um die Energieausbeute ihrer Biogasanlage auf dem Klärwerk zu verbessern. Ein übliches Vorgehen: „Wir betreiben ja auch selbst solche Anlagen“, sagt Marcel Derichs. Die nächste sei in Marl.

Reinigungsarbeiten laufen


Das Landeskriminalamt ermittelt mit der Staatsanwaltschaft Flensburg. Dafür wurden Gutachter beauftragt, die die Kläranlage in Schleswig untersuchen. Währenddessen laufen die Reinigungsarbeiten am Ufer der Schlei, einem Meeresarm der Ostsee, auf Hochtouren. Schilfreste, auf denen die Kunststoffpartikel hafteten, würden eingesammelt, so Schoofs. Speisereste würden die Stadtwerke „vorerst gar nicht annehmen“.

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