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Cappenberger Wald unsicher gemacht: Polizei nimmt mutmaßlichen Räuber fest

Ungewöhnlicher Polizeieinsatz

Weil ein Pärchen Schreie gehört hatte, suchte die Polizei mit einem Hubschrauber den Cappenberger Wald ab. Sie fand zwar keinen Schreihals, aber einen schlafenden Räuber. Und seine Katze.

Cappenberg

, 24.08.2018
Cappenberger Wald unsicher gemacht: Polizei nimmt mutmaßlichen Räuber fest

In diesem Auto hatte sich der Mann aus Lünen niedergelassen

Durch Mark und Bein ging ihnen das, was sie da hörten kurz vor Mitternacht im Ruheforst: panische Schreie. Da war sich das Pärchen ganz sicher. Bestimmt menschliche Schreie, wahrscheinlich von einer Frau. Der Polizei schilderten die Zwei das derart nachdrücklich, dass die Beamten sofort aktiv wurden. Wenig später kreiste ein Hubschrauber im fahlen Mondlicht über den Wipfeln. Die Besatzung wurde auch fündig – allerdings anders als erwartet.

Seniorin ohne Angst

„Die Kollegen entdeckten aus der Luft ein allein stehendes Auto“, berichtet Ute Hellmann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde. Der Golf parkte vor dem hinteren Eingang zum gräflichen Tierpark unterhalb des Schlosses: auf einer Stichstraße vom Dreischfeld: ein einsamer Platz. Der Hubschrauberpilot lotste eine Streifenwagenbesatzung zu dem Fahrzeug. Sie fanden dort zwar keine schreiende Frau, dafür aber einen auf der Rückbank schlafenden Mann und seine Katze: kein Unbekannter für die Polizei.

Der zuletzt in Lünen gemeldete 56-Jährige habe offensichtlich in seinem Auto gewohnt, so Hellmann, inklusive komplettem Hausstand und Haustier. Das allein machte ihn aber noch nicht zum Gesuchten. Er stehe im dringenden Verdacht, für einen bewaffneten Raub am 3. August in Unna verantwortlich zu sein, so die Polizeisprecherin. Eine Tat, die allerdings anders verlief, als es der Mann geplant hatte.

Spielzeug-Pistole im Auto

Der weißhaarige Mann – „zurückgekämmtes Haar, ungepflegte Erscheinung“, wird es später in der Täterbeschreibung heißen – hatte auf dem Parkplatz eines Kamener Lebensmittelmarktes eine 73-jährige Frau mit einer Waffe bedroht. Sie solle ihm ihren Autoschlüssel geben, forderte er. Die Seniorin weigerte sich aber standhaft. Daraufhin begnügte sich der Räuber damit, ihre Handtasche zu stehlen und floh. Die Frau habe inzwischen in dem festgenommenen Mann aus dem Cappenberger Wald den Täter wiedererkannt, so Ute Hellmann.

Dasselbe Gesicht nicht so schnell vergessen, werden wohl auch die Gäste einer Geburtstagsfeier im Bischof-Vieter-Haus am Buschkamp in Cappenberg. Der Mann hatte sie mit einer Waffe bedroht und übel beschimpft. Die Autos der Gäste hatte er außerdem mit klebrigen Dosen-Ravioli beworfen. Er habe sich über die laute Musik auf der Feier geärgert, gab er später bei der Polizei an. Die Schreckschusspistole nahmen ihm die Beamten damals ab.

„In der Nacht zu Freitag fanden die Kollegen eine Spielzeugpistole in seinem Auto“, so Ute Hellmann. Mit welcher Waffe er die Frau in Kamen bedroht hatte, ist noch offen.

Sobald wird der Mann, den auch bereits die Staatsanwaltschaft Aurich suchen ließ, wohl nicht zu seinem Auto zurückkehren, wie Polizeisprecherin Hellmann vermutet. Am Freitag stand es immer noch unterhalb des Schlosses – mit dem Katzenkorb auf dem Beifahrersitz.

Katze in Obhut

„Natürlich haben wir die Katze nicht zurückgelassen, als wir den Mann festgenommen haben“,so Hellmann auf Anfrage unserer Redaktion. Ein Kollege, der sich damit auskenne, habe sich des Tieres angenommen.

Und die panisch schreiende Frau im Ruheforst? Auf Facebook schrieben am Freitag andere Cappenberger, dass sie sie auch gehört hätten. Könnte es vielleicht doch eine Tierstimme gewesen sein? Vielleicht die eines jungen Nachtvogels? „Bislang verlief die Suche nach der Frau ohne Erfolg“, so Ute Hellmann. Die Polizei nehme die Sache aber ernst.

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