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Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Stadtentwicklung

Was tut sich städtebaulich in Selm? Ein Experte erläutert in einem kleinen Rundgang, was er gut findet. Und was bedrohlich.

Selm

, 28.06.2018
Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Wilhelm Gryzcan-Wiese ist Architekt und Stadtplaner.

Wilhelm Gryzcan-Wiese ist Architekt und Stadtplaner und ehemaliger Schüler der Lutherschule. „Noch nie hat es in den vergangenen 50 Jahren in Selm so viele positive Veränderungen gegeben wie seit Beginn des 21. Jahrhunderts“, sagt er mit Verweis auf die im Bau befindliche Aktive Mitte mit Campus und „Wohnen am Wasser“. „Die Stadt blüht“, sagt Gryzcan-Wiese, „eine andere stirbt aber“. Er warnt auf einem Rundgang vor „rigorosem Abriss von historischen Gebäuden“ wie der Lutherschule und reizt UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer damit zum Widerspruch.

Kein Schutz für Zechenhäuser

Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Der Bergbau hat Anfang des 20. Jahrhunderts das Dorf Selm mit 1500 Einwohner innerhalb kurzer Zeit zur Stadt wachsen lassen. Bis heute sind die Zechenhäuser prägend. Manchmal muss man aber lange hinschauen, um sie hinter den Fassaden zu erkennen. Gryzcan-Wiese bedauert, dass sich die Politik in den 1970er-Jahren nicht zu einer Gestaltungssatzung durchgerungen hatte, die das Siedlungsbild erhalten hätte.

Gutes Beispiel Haus Knipping

Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Den Umbau der ehemaligen Gaststätte Knipping zu einer Wohnanlage wertet der Selmer Stadtplaner als gutes Beispiel, „dass man Neues schaffen kann und dabei doch Spuren der Stadtgeschichte erhält“. In dem Gebäude sind auf zwei Etagen 20 Wohnungen entstanden. Wie beim Haus Knipping soll auch bei der Gaststätte Alt Bork an der Borker Hauptstraße alte Bausubstanz nutzbar gemacht werden für neues Wohnen.

Streitthema Lutherschule

Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Für Matthias Fischer, Geschäftsführer der Unnaer Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS), gibt es keine Alternative: „Wir werden die Lutherschule abreißen und dort neu bauen“ – 30 Wohnungen (Grafik). 2014 wollte die UKBS noch den Schulbau erhalten. „Damals konnten wir nicht ahnen, dass die Kosten so steigen würden“. Und was, wenn der Selmer Rat auf den Erhalt besteht? „Daran will ich gar nicht denken.“


Neubau eckt an

Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

Das viertstöckige Ärztehaus an der Ludgeristraße/Breite Straße ist in den Augen von Wilhelm Gryzcan-Wiese ein Fremdkörper im Dorf geblieben. Bei der Fertigstellung 2015 hatte es eine große Diskussion über das Nebeneinander von Alt und Neu in der Stadt ausgelöst. Ein entscheidendes Argument auch damals: die Bereitschaft von Investoren, in Selm Geld ausgeben zu wollen.

Gerade noch gerettet

Das Stadtbild im Wandel: So verändert sich Selm

© Arndt Brede

Kaum zu glauben heute: Die Burg Botzlar stand in den 1960er-Jahren auf der Abrissliste. Sie sollte Platz machen für moderne Hochhäuser. „Gott sei Dank fehlte damals das Geld dafür“, sagt Gryzcan-Wiese. Auch das alte Zechengebäude, in dem heute das Unternehmen Interhydraulik seinen Sitz hat, wäre bald verloren gegangen. „Gut, dass sich da das Bewusstsein geändert hat und Wertschätzung herrscht für historische Orte.“

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