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Das sagt das Selmer Gymnasium zum "Turbo-Abi"

Meinungen zur Schulpolitik

Eine Entscheidung für oder gegen das Abitur nach 12 Jahren wurde beim "Runden Tisch" in Düsseldorf nicht gefällt. Auch am Städtischen Gymnasium (SGS) in Selm sind die Meinungen zum so genannten Turbo-Abitur durchaus unterschiedlich. Mehr Ruhe im System wünschen sich aber alle.

SELM

, 26.10.2016
Das sagt das Selmer Gymnasium zum "Turbo-Abi"

Auch am Städtischen Gymnasium in Selm wurde über das Turbo-Abi diskutiert.

Freunde des Turbo-Abiturs nach acht Jahren sind sie alle nicht: weder Ulrich Walter, Leiter des Städtischen Gymnasiums Selm , noch Schulpflegschaftsvorsitzende Elke Wüllhorst und auch nicht Carla Mlinski (17), Mitglied der Schülervertretung. Eine mögliche Rolle rückwärts zu neun Jahren, wie sie am Dienstag am runden Tisch in Düsseldorf diskutiert wurde, gefällt ihnen aber dennoch nicht.

Gerade habe sich das neue, System eingespielt, „da wird schon wieder reingegrätscht“, so Ulrich Walter. Das SGS habe dafür gesorgt, Schüler zu entlasten – trotz der 2005 landesweit eingeführten verkürzten Schulzeit. Damit G8 nicht zum Stresstest für seine Schüler werde, gäbe es etwa nur an höchstens zwei Tagen Nachmittagsunterricht. Wer sich ehrenamtlich engagiere, könne das verrechnen lassen mit Ergänzungsstunden. Und Hausaufgaben seien nicht zum nächsten Tag zu erledigen, sondern innerhalb der Woche: alles selbst entwickelte Verbesserungen, deren Auswirkungen die Schule gerade untersuche.

Hobbys für G8 aufgegeben

Wenn seitens der Verantwortlichen offen gesagt würde, „dass man den Kindern nicht gerecht wird, wenn man sie in nur acht Jahren zum Abitur führt und ihnen die Zeit zur persönlichen Reifung nimmt“ , wäre eine Rückkehr zu neun Jahren ja in Ordnung, sagt Walter: „So wird das aber nicht formuliert.“

„Ich finde G9 besser“, sagt Carla Mlinski. Sie selbst habe als gestresste G8-Schülerin Hobbys aufgeben müssen. „Ich tanze zum Beispiel kein Ballett mehr.“ Und sie fühle sich mit 17 noch nicht reif genug, um eine Entscheidung über Studium oder Beruf zu treffen. „Ich mache deshalb erst einmal ein Auslandsjahr.“ Eine Rückkehr zu G9 empfiehlt sie aber nur dann, wenn sie „konsequent und überall“ erfolge.

"Inzwischen können sie es schaffen"

Elke Wüllhorst ist selbst Mutter von vier Kindern: Zwei von ihnen hätten das Abi nach neun Jahren gemacht, das dritte Kind gehörte dem ersten G8-Jahrgang an, und ihre Jüngste habe noch zwei Jahre bis zum Abi. Wüllhorsts Eindruck: „Inzwischen können die Schüler G8 sehr gut schaffen“ – auch dank der im SGS erarbeiteten Anpassungen. „Jetzt wieder alles umzuwerfen, ist nicht gut.“

Auch die von Ministerin Löhrmann ins Gespräch gebrachte „flexible Schulzeit“ – danach sollen Jugendliche selbst entscheiden, ob sie 12,13 oder gar 14 Jahre zur Schule gehen – hält der Schulleiter nur an großen Gymnasien für umsetzbar, aber nicht an solchen mit bis zu fünf Zügen.

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