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Die miesen Maschen der Autoknacker in Selm

Ein Aufbruchs-Opfer berichtet

Selm steht offenbar im Fokus einer Autoknacker-Bande: In der Nacht zu Dienstag sind mindestens drei Autos aufgebrochen worden. Die Diebe gingen dabei wohl geplant vor. Die Polizei legte am Nachmittag alarmierende Zahlen vor. Und wir sprachen mit einem Aufbruchs-Opfer.

SELM

, 25.11.2014

Matthias Bartkowiak, der in der Altstadt an der Südkirchener Straße wohnt, meldete sich am Dienstag in der Redaktion - weil er selbst Opfer wurde und es ihm einfach reicht. Bartkowiaks Firmenwagen wurde in der Nacht zu Dienstag aufgebrochen. Dabei stand er eigentlich recht sicher im Hof vor der Garage - dachte er. Diebe (oder ein Dieb?) hebelten die seitliche Schiebetür des Dacia Dokker auf, durchsuchten den Wagen und nahmen vom Beifahrersitz einen Firmen-Laptop mit. Sie durchwühlten noch ein paar Akten und verschwanden.

"Es ist sehr ärgerlich, was zurzeit in Selm los ist", sagt Bartkowiak. "Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass die Autoknacker die Autos längere Zeit beobachten." Eine Vermutung, die Polizeisprecherin Ute Hellmann am späten Nachmittag mit Zahlen belegte: Von 85 Diebstählen aus oder von Kraftfahrzeugen in Selm von Januar bis Oktober 2013 stieg die Zahl in diesem Jahr im selben Zeitraum auf 193 - das ist eine Steigerung um 227 Prozent. Mit den neuen Fällen aus dem November müsste die Marke von 200 Fällen inzwischen weit überschritten sein. Ute Hellmann sagt zum aktuellen Fall aber: "Ein Laptop auf dem Beifahrersitz ist natürlich eine Einladung an Diebe!"  

Bartkowiaks Vermutung ist: Die Diebe müssen die Situation schon länger beobachtet haben. Er macht das daran fest, dass sie den Bewegungsmelder, der einen Strahler schaltet, ausgetrickst haben - sie bogen den Detektor einfach um. Ein zweites Indiz: Bei Autos von Nachbarn wurde in derselben Nacht an den Seitenscheiben die Frostschicht weggewischt: Spählöcher ins Wageninnere. Und als Bartkowiak bei der Polizei in Werne vorstellig wurde, um den Aufbruch anzuzeigen, da traf er auf dem Flur zwei weitere Selmer: Ihre Firmenwagen waren in der Nacht ebenfalls aufgebrochen worden.   "Meistens ist es so, dass sich Täter einen Bereich raussuchen - also eine Straße, an der dann mehrere Anwohner betroffen sind", sagt Ute Hellmann dazu nur. Das könne eine professionelle Bande sein oder reisende Täter - aber es müsse nicht so sein. "Da spekulieren wir als Polizei nicht herum", so Hellmann.  

Vor zwei Wochen sei in den Wagen einer Bekannten eingebrochen worden, berichtet Bartkowiak: Seitenscheibe eingeschlagen, Laptop und Digitalkamera rausgeholt und ab. "Seitdem achte ich eigentlich explizit darauf, keine Wertsachen drin zu lassen" - nur eben an diesem Montagabend nicht. "Aber der Laptop ist alt, der ist eigentlich nichts mehr wert", so Bartkowiak. Er arbeitet für eine Firma, die sich um Sicherheitstechnik, Alarmanlagen und Brandmeldeanlagen kümmert - ein kleiner Hohn dieser Geschichte.

Sein Auto stünde im Hof, hinter einer Hecke. Bartkowiak hält das für einen sicheren Ort - Hellmann hingegen sagt, dass geschütztere Ecken eher eine Einladung seien. Das Auto der Bekannten stand hingegen auf der Ludgeristraße unter einer Straßenlaterne. Hellmann: "Grundsätzlich sicherer."   Bohrmaschinen, Spezialwerkzeuge - das ließen die Autoknacker im Wagen. "Dabei handelt es sich um spezielle Dinge, für die die Diebe ja auch Abnehmer brauchten", sagt Hellmann. Üblichere Geräte lassen sich einfacher verkaufen, weil die Nachfrage danach größer ist und es schwerer ist, anschließend eine Spur zu finden. Navigationsgeräte, Autoradios: Sie blieben die Renner bei Autoaufbrüchen, sagt Hellmann.  

Die Polizei, sagt Bartkowiak, werde den Vorfall untersuchen - habe ihm aber auch gesagt: Es ist Anzeige gegen Unbekannt erstattet, und solche Anzeigen verlaufen oftmals im Sand. Ermittlungen zu diesen Vorgängen würden oft nach einem halben Jahr eingestellt. Auch dazu gibt es Zahlen von der Polizei: Von den 85 Fällen zwischen Januar und Ende Oktober 2013 wurden zwei aufgeklärt. Von den 193 im selben Zeitraum dieses Jahres immerhin 35. 

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