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Ehemaliger Disko-Stammgast rettet 300 Goldfische

Mit Video und Fotostrecke

Seit eineinhalb Jahren ist die ehemalige Diskothek Magic (zuletzt „Easy Dance Club“) dicht. 300 Goldfische in der Teichanlage im Außengelände wurden jedoch vergessen. Tim Speicher, ehemaliger Stammgast, hat diese nun vor dem Abriss gemeinsam mit der Feuerwehr und dem Tierschutzverein gerettet.

SELM

, 08.10.2016
Ehemaliger Disko-Stammgast rettet 300 Goldfische

Der Initiator der Rettungsaktion freut sich über den Erfolg: Dass es so viele Fische sein würden, hätte er auch nicht gedacht.

Das Martinshorn schwieg, als die Freiwillige Feuerwehr Selm am Samstagnachmittag zu einem ihrer ungewöhnlichsten Einsätze gefahren ist. Dabei ging es in der ehemaligen Disco Magic an der Industriestraße durchaus um Leben und Tod – im Zierfischbecken. Seit eineinhalb Jahren ist die Disco geschlossen, die vor mehr als 30 Jahren als Skylab begann, als Easy Danceclub endete, den meisten aber als Magic in Erinnerung geblieben ist.

Goldfische wurden vergessen

Obwohl die Bässe längst schweigen, drehten sich auf dem Clubgelände immer noch unermüdlich letzte Gäste im Glitzeroutfit – nicht auf der verwaisten Tanzfläche, sondern in den mehr als einen Meter tiefen Becken im einstigen Biergarten. „Die Goldfische sind einfach vergessen worden“, sagt Tim Speicher, selbst ein Magic-Stammgast. Er hat sich ihrer erinnert – gerade noch rechtzeitig, bevor die Abbruchbagger anrollen.

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Fischrettung am Teich der Disco Magic

Die Disko Magic soll abgerissen werden, aber im Teich neben an schwimmen noch ein paar Goldfische. Ein ehemaliger Stammgast hat sie nun gerettet - gemeinsam mit der Feuerwehr.
08.10.2016
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Viele Augenpaare suchen die Wasseroberfläche ab.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zum Glück für diesen Fisch und zig geschuppter Artgenossen, hatte Tim Speicher die Rettungsktion initiiert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wo schwimmen sie denn?© Foto: Sylvia vom Hofe
Das war am Samstagnachmittag ein ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz: vermutlich der letzte an der ehemaligen Disco an der Industriestraße, die Ende der 1980er-Jahre nach einem Feuer einige Jahre geschlossen hatte.© Foto: Sylvia vom Hofe
Thomas Adler von der Freiwilligen Feuerwehr hält Ausschau nach den zu rettenden Fischen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Am Samstagnachmittag hatte die Freiwillige Feuerwehr Selm einen ungewöhnlichen Einsatz: Goldfischrettung im ehemaligen Magic, der dem Abbruch geweihten Disco an der Industriestraße.© Foto: Sylvia vom Hofe
Im ehemaligen Biergarten gibt es eine Tecihanalge, die offenbar vergessen wurde.© Foto: Sylvia vom Hofe
Tim Speicher hat die Rettungsaktion ins Leben gerufen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Tim Speicher ist selbst Angler und Aquarianer - und ein langjähriger Magic-Fans.
Tim Speicher freut sich, dass die Goldfische und der kleine Koi-Karpfen bald ein neues Zuhause haben.© Foto: Sylvia vom Hofe
Im Cocktailglas erreicht der Goldfisch den Eimer.© Foto: Sylvia vom Hofe
Geschafft: Im Wassereimer kann der Fisch sich erholen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wieviel Wasser genau in den Becken ist, kann niemand sagen. Das Wasser ist mehr als einen Meter tief.© Foto: Sylvia vom Hofe
Während zwei Pumpen der Feuerwehr im Einsatz sind, senkt sich der Wasserspiegel.© Foto: Sylvia vom Hofe
Petri Heil! Mitglieder des in Gründung befindlichen Selmer Tierschutzvereins und der Feuerwehr schauen zu, wie Tim Speicher den Kescher ansetzt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Bald schon wird dieser eine Eimer nicht mehr ausreichen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Während der Tierrettung besteht Gelegenheit, enen letzten Blick auf die ehemalige Disco Magic zu werfen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Nur noch wenige Tage, dann beginnt der Abriss.© Foto: Sylvia vom Hofe
Susanne Hübner, die Vorsitzende des im Juli entstandenen Tierschutzvereins, und Tim Speicher begutachten die geretteten Fische.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Feuerwehrleute packen mit an.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wo schwimmen sie denn?© Foto: Sylvia vom Hofe
Mehr Fische als vermutet befinden sich im Wasser.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Tierretter müssen im Trüben angeln.© Foto: Sylvia vom Hofe
1985 war die Disco eröffnet worden - damals noch als Skylab.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zwei Pumpen hat die Feuerwehr im Einsatz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Vorsichtig packt Tom Speicher den Fisch in den Eimer.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Initiator der Rettungsaktion freut sich über den Erfolg: Dass es so viele Fische sein würden, hätte er auch nicht gedacht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Eimer ist voll.© Foto: Sylvia vom Hofe
Nicht nur Fische schwimmen im trüben Nass.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die dem Abbruch geweihte Disco von innen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Draußen retten Feuerwehrleute die Goldfische.© Foto: Sylvia vom Hofe
Immere mehr Fische kommen zum Vorschein. Sie hatten sich unten im Schlamm versteckt.© Foto: Sylvia vom Hofe
1000 Liter Wasser in der Minute schafft diese Pumpe.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Retter angeln im Trüben.© Foto: Sylvia vom Hofe
In ihrer Ruhe gestört schwimmen die Fische audgeregt herum. m© Foto: Sylvia vom Hofe
Andre Wirkowski aus Vinnum (hinten mit dem Kescher) ist selbst Feuerwehrmann und gleichzeitig Mitglied des neuen Tierschutzvereins.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hier wurden die Goldfische gerettet.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schlagworte Selm

Samstagnachmittag, 15 Uhr: Ein Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr biegt von hinten auf das Disco-Gelände. Etwa fünf Meter von den mit grünbrauner Brühe gefüllten beiden Betonbecken entfernt bleibt es stehen. Thomas Adler und seine Kollegen machen sich an die Arbeit: Schläuche verlegen, Pumpen aufbauen und los.

Mit knatterndem Dröhnen saugen die Schläuche das brackige Wasser und spucken es hinter dem Parkplatz in einen Graben wieder aus. Rund zehn Augenpaare suchen gespannt die wellige Wasseroberfläche ab. Allen voran: Tim Speicher. „Etwa 2003 war es, als dort Fische eingesetzt wurden“, sagt er, ohne den Blick zu wenden. „Ich müsste mich wahnsinnig irren, wenn die je rausgeholt worden wären.“ Sind sie nicht. „Da!“ Susanne Hübner, die Vorsitzende des Selmer Tierschutzvereins, deutet auf eine Stelle, wo etwas Orange-Rotes hin und her huscht.

"Tiere werden wie Möbel angeschafft"

Während Tim Speicher, der selbst Angler war und lange ein Aquarium hatte, den Kescher eintaucht, um den ersten Fisch zu fangen, schüttelt Hübner den Kopf. „Das ist doch typisch für unsere überspannte Freizeitgesellschaft. Tiere werden wie Möbel angeschafft – und am Ende auch so entsorgt.“

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Im Juli hat sich Hübner mit inzwischen rund 40 anderen Mitstreitern zusammengeschlossen, um Tiere vor einem solchen Schicksal zu bewahren. „Meistens habe wir uns bislang um Katzen kümmern müssen.“ Zwei Schildkröten seien auch schon dabei gewesen. Und jetzt der erste Fisch. Zig weitere werden in der nächsten halben Stunde folgen.

Rettung in den Gartenteich

Inzwischen fischt nicht nur Tim Speicher im Trüben. Auch André Wirkowski hat einen Kescher in der Hand. Der Vinnumer ist sowohl Feuerwehrmann als auch aktives Mitglied im neuen Tierschutzverein. Unten im Schlamm, der sich in den Becken abgelagert hat, seien bestimmt noch mehr Fische, vermutet er. Wirkowski wird Recht behalten. Als das Wasser nur noch zehn Zentimeter hoch steht, tummeln sich unerwartet viele Flossen an den tiefsten Stellen.

Längst hat Susanne Hübner, die in der vergangenen Woche mit Stadtverwaltung und Feuerwehr den Rettungsplan geschmiedet hatte, per Telefon zusätzliche Eimer bestellt: Transportmittel für die rund 300 Geretteten. Sie werden nach einem Leben in der Disco ihre Rente in einem Selmer Gartenteich verbringen. 

Von der Disco zur Unterkunft für Flüchtlinge
- Dezember 1985: Die Discothek Skylab eröffnet an der Industriestraße.
- Juni 1988: Nach einem Brand bleibt die Disco geschlossen.
- Februar 1990: Wiedereröffnung als Magic 3 mit drei Tanzflächen.
- 1994: Umbau
- Späte 1990er-Jahre: Die Disco heißt zwischenzeitlich „Art of Nightlife“, wird später aber wieder in „Magic 3“ umbenannt.
- 2013: Die Discothek wird geschlossen.
- 5. September 2014: Wiedereröffnung als Easy Dance-club.
- 19. Mai 2015: Die Disco schließt, dafür wird ein Insolvenzverfahren eröffnet.
- Oktober 2015: Die Stadtverwaltung bringt das Disco-Gelände ins Gespräch als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft.
- Oktober 2016: Sechs Wochen lang soll der Abriss der Disco dauern, anschließend folgt der Aufbau eines Containerdorfes zur Unterbringung von bis zu 300 Flüchtlingen. Im Februar 2017 soll es bezugsfertig sein.

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