Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ex-Prostituierte sagt, Angeklagter habe sie nicht nur ausgebeutet, sondern auch vergewaltigt

„Voodoo-Prozess“

Im „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Zwangsprostitution in Bordellen in Selm und Umgebung ist der Hauptangeklagte (34) schwer belastet worden.

Selm, Bochum

, 29.08.2018

Es war mucksmäuschenstill im Prozess vor dem Bochumer Landgericht, als die 28-jährige Zeugin am Mittwoch (29.8.) mit leiser Stimme von einem weiteren unangenehmen Geschehnis im Zusammenhang mit dem Hauptangeklagten berichtete. „Das war nachdem ich bereits mein Geld bei ihm abbezahlt hatte“, sagte die Ex-Prostituierte. Mit „mein Geld“ meinte die Nigerianerin die in der Anklageschrift genannten 25.000 Euro, die auch sie im Anschluss an ihre Einschleusung auf Afrika nach Europa durch Prostitution abarbeiten musste. Der 34-Jährige habe sie damals von ihrer Wohnung in Herne abgeholt und sei mit ihr in ein Hotel gefahren. Die 28-Jährige: „Ich war überrascht, fragte ihn warum. Er beschwichtigte und sagte, er wolle dort nur einen Freund besuchen.“

Aufs Bett geschubst, Hände festgehalten

Angekommen in dem Hotelzimmer sei dort aber gar kein anderer Mann gewesen. Dann hätten sich die Ereignisse auch bereits überschlagen. „Er hat mich aufs Bett geschubst, meine Hände festgehalten, mir die Jeans bis zu den Knien runtergezogen und meine Unterhose zerrissen“, so die Ex-Prostituierte. Dann habe er sie brutal vergewaltigt. Sie habe sich zwar gewehrt, habe aber letztlich gegen den ihr körperlich überlegenen Mann gar keine Chance gehabt.

Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft hat bereits reagiert und den Vergewaltigungsvorwurf der 28-Jährigen, der intern erstmals schon kurz vor Prozessbeginn während einer ihrer Zeugenvernehmungen bei der Polizei aufgekommen war, inzwischen durch eine so genannte „Nachtragsanklage“ auch offiziell zum Bestandteil der Anklagevorwürfe gemacht. Für den Hauptangeklagten geht es daher im Voodoo-Prozess nunmehr nicht nur um Zuhälterei, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung - sondern auch um Vergewaltigung.

Menschenhandel und Zwangsprostitution

Nach Angaben der Zeugin gab es noch mindestens zwei weitere Vorfälle in einem Hotelzimmer, bei denen ihr der 34-Jährige zu nahe gekommen sei. Bei einem der Vorfälle habe sie „aus Angst“ Geschlechtsverkehr mit dem Hauptangeklagten über sich ergehen lassen. Wie außerdem bekannt wurde, soll auch noch eine weitere Ex-Prostituierte, die bislang im Prozess noch nicht als Zeugin vernommen worden ist, Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen den 34-Jährigen erhoben haben.

Die sechs, teilweise geständigen Angeklagten sollen zwischen 2015 und 2017 mehr als zehn Frauen aus Nigeria eingeschleust und gegen ihren Willen an Bordelle, darunter auch ein Rotlicht-Club in Selm, vermittelt haben. Vor der strapaziösen Schleusung über Libyen, das Mittelmeer, Italien bis ins Ruhrgebiet sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester ein blutiges Voodoo-Ritual durchlaufen haben. Sinn und Zweck des Juju-Schwurs war laut Anklage, die Frauen einzuschüchtern und gefügig zu machen, ihre Schleuserkosten in Höhe von 25.000 Euro allein aus panischer Angst vor den möglichen Fluch-Folgen abzubezahlen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt

Voodoo-Prozess

Ehemalige Zwangsprostituierte schildert Details über dramatische Flucht nach Deutschland

Eine Zeugin (18) hat am Montag im Voodoo-Prozess um Zwangsprostitution vor dem Bochumer Landgericht ausgesagt. Sie berichtete über ihre Flucht und das damit verbundene Martyrium der Frauen. Von Werner von Braunschweig

Lesen Sie jetzt