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Historiker führte Besucher durch Schloss Cappenberg

Kulturgeschichte

Neun Führungen für insgesamt 250 Besucher: Auf Schloss Cappenberg kamen barockinteressierte Besucher am Wochenende auf ihre Kosten.

CAPPENBERG

von Volker Beuckelmann

, 15.08.2010
Historiker führte Besucher durch Schloss Cappenberg

Dr. Gerd Dethlefs erklärte auf der Schlossterrasse stehend den Wildpark, der einst eine Art Zoo darstellte mit Auerhähnen und türkischen Enten. Foto Beuckelmann

„Ziel ist, barocke Elemente der Anlage ins Bewusstsein zu heben und zu helfen, das Klosterschloss besser zu verstehen“, sagte  Dr. Gerd Dethlefs. Er ist Historiker beim LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Er führte neun Führungen durch und ließ die Gäste in den Alltag des Prämonstratenser Ordens eintauchen. Der Orden hatte von 1122 bis 1803 auf Cappenberg einen Stift betrieben als Gemeinschaft von Priestern, die ihresgleichen aus altadeligen Familien stammten. Mit einem Glas Wein, Spätburgunder Weissherbst und Rheingau Riesling des Grafen von Kanitz sowie Selterswasser wurde am Samstag die erste einstündige Führung eröffnet.

Wein sei für die damaligen Stiftsherren (ihre Zahl wurde 1536 auf zwölf begrenzt) ein typisches Getränk gewesen, so der Historiker. Zwischen einem Viertel und einem Achtel der Jahresgeldeinkünfte seien in Wein investiert worden. Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nahm das erfolgreich wirtschaftende Männerstift einen exklusiven, adeligen Charakter an, erklärte Dethlefs. „Der standesgemäße Zeitvertreib der adeligen Herren bestand aus dem Spielen, Reiten und Jagen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung sei nur 50 Jahre gewesen, im Gegensatz etwa zu Domherren in Münster, die zwischen 55 und 60 Jahre alt wurden.  Von 1699 bis etwa 1720 erfolgte auf Cappenberg ein repräsentativer Neubau im Stil des Barock. Dabei kam es zur baulichen Trennung zwischen Abtei und Kirche. Die Besucher blickten u.a. in die ehemalige Renteistube (Hofkammer) und erfuhren, dass einige der Stiftsherren Literaturfreunde waren und auch Liebeslyrik sammelten.

Als Gerd Dethlefs barocke Klänge summte, kamen beim würdigen Beschreiten der Schlosstreppen adelige Gefühle auf bei dem einen oder anderen Besucher. Die prächtigste Stuckdecke war in der ehemaligen Empfangsstube des Probstes zu bewundern. Heute wird sie als Trauzimmer genutzt. Die Gäste durften sogar verschlossene Räume betreten, wie das Archiv, das den schriftlichen Nachlass des Freiherrn vom Stein beherbergt.

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