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König von Benin befreit Zwangsprostitutionsopfer von Vodoo-Schwüren

Vodoo-Prozess

Im Prozess um Zwangsprostitution in Bordellen in Selm und Umgebung ging es am Freitag um „königliche Nachricht“. Ein hochrangiger Stammesherrscher hat die Opfer von Vodoo-Schwüren befreit.

Selm/Bochum

, 25.08.2018
König von Benin befreit Zwangsprostitutionsopfer von Vodoo-Schwüren

Der Vodoo-Prozess um Zwangsprostitution wurde fortgesetzt. © Von Braunschweig (Archiv)

Im „Voodoo-Prozess“ um Zwangsprostitution in Bordellen in Selm und Umgebung stand am Freitag eine „königliche“ Nachricht im Mittelpunkt. Angeblich hat ein hochrangiger Stammesherrscher in Nigeria zuletzt alle Voodoo-Schwüre von Menschenhandelsopfern für ungültig erklärt. Diskutiert wurde die Nachricht von der Annullierung der Voodoo-Flüche durch den König von Benin während der Vernehmung einer weiteren Ex-Prostituierten. „Ja, ich habe davon über das Internet von einer Freundin erfahren“, sagte die 28-jährige Zeugin vor dem Bochumer Landgericht.

Der offenbar gegen jeglichen Menschenhandel eingestellte König von Benin soll vor einiger Zeit in seinem Palast ein Ritual abgehalten haben. Dabei sollen nicht nur alle existierenden Voodoo-Schwüre und -Flüche für ungültig erklärt worden sein. „Der ‚Oba‘ hat jetzt umgekehrt alle Menschenhändler mit einem Fluch belegt“, so die Zeugin.

„Heute habe ich keine Angst mehr“

Auf die Frage von Richterin Isabel Hoffmann, ob sie diese Nachricht mit Erleichterung aufgenommen habe, antwortete die Ex-Prostituierte: „Heute habe ich keine Angst mehr. Aber auch deswegen, weil ich das geforderte Geld ja bezahlt habe.“ Auch die 28-Jährige hatte vor ihrer illegalen Schleusung nach Europa in Nigeria zusammen mit weiteren Frauen, die sich von einem Job in Europa ein besseres Leben für sich und ihre Familien erträumten, eine Voodoo-Zeremonie über sich ergehen lassen. Während des Rituals sei unter anderem Hühnerblut verspritzt worden, hieß es.

„Wir sollten dann vor dem Priester niederknien und mussten schwören. Er sagte, wenn wir das Geld für die Schleusung nach Europa später nicht bezahlen, würden wir unseren Verstand verlieren, außerdem würden wir und unsere Familien qualvoll leiden und sterben“, erinnerte sich die Nigerianerin. „Wo auch immer wir seien, Voodoo würde uns finden und töten.“ Laut Anklage geht es um jeweils rund 25.000 Euro, die die Frauen in Deutschland durch Prostitutionsarbeit zurückzahlen mussten.

Blutiges Vodoo-Ritual

Im Prozess hatten zuletzt bereits auch andere Ex-Prostituierte Einzelheiten von der Schleusung nach Europa und dem blutigen Voodoo-Ritual berichtet. Angeklagt sind zwei Frauen und vier Männer, die zwischen 2015 und 2017 mehr als zehn nigerianische Frauen eingeschleust und gegen ihren Willen an Bordelle, darunter auch eines in Selm, vermittelt und dann ausgebeutet haben sollen. Die Angeklagten sind teilweise geständig. Der Prozess wird fortgesetzt.

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