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So arbeitete die Borker Feuerwehr vor 200 Jahren

Blick ins Stadtarchiv

Zweimal wird die Borker Kirche während des 30-jährigen Krieges ein Opfer der Flammen. Die Borker bauen sie wieder auf – und sie brennt um 1700 erneut ab. Ludwig Freiherr von Vincke und seine Beamten organisierten den Feuerschutz. Wie genau, hat Ehepaar Gewitzsch aus Selm im Stadtarchiv nachgelesen.

BORK

, 30.05.2017

Die Angst der Menschen vor verheerenden Feuersbrünsten kam nicht von Ungefähr. Auch die preußischen Reformer teilten sie. Ludwig Freiherr von Vincke und seine Beamten beließen es aber nicht beim Fürchten, sie organisierten den Feuerschutz. 

„Vater Vincke“, wie der 1815 ins Amt gerufene erste Oberpräsident der neu gegründeten Provinz Westfalen im Volksmund hieß, braucht nicht bei Null anzufangen. „Im Gebiet der Bürgermeisterei Bork galt die allgemeine Feuer-Ordnung für das Großherzogtum Berg vom 5. September 1807“, weiß Dieter Gewitzsch. Aber findet die auch wirklich Beachtung?

Vincke will’s wissen

Vincke will es genau wissen und verlangt eine Bestandserfassung. Auch Edmund Fuisting, Borker Bürgermeister mit Amtssitz auf Burg Botzlar, muss Wasserspritzen zählen – und kommt zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, wie die genau 200 Jahre alte Akte „Feuerpolizei Generalia“ zeigt, die Dieter Gewitzsch ausgewertet hat.

Der 69-jährige Lehrer für Geschichte und Sozialwissenschaften hat es sich zusammen mit seiner Ehefrau zur Aufgabe gemacht, nach Aktenlage die Geschichte der Region zu erzählen: die öffentlich zugänglichen Quellen zu sichten und die Ergebnisse auch für Nicht-Experten leicht lesbar zusammenzustellen – dieses Mal den von oben verordneten Feuerschutz, der für jeden Bürger in Selm, Bork und Cappenberg Auswirkungen hatte.

Die „Feuerpolizei Generalia“ 

Die „Feuerpolizei Generalia“ führt in eine Zeit, als der Wind der Veränderung kräftig durch das Münsterland weht. Das Fürstbistum Münster wird aufgehoben, das Münsterland erst preußisch, dann französisch und schließlich wieder preußisch.

„Jeder Hauswirth ist schuldig in seinem Hause, bey dem Herde, an den Öfen, Backöfen und sonst überall auf Feuer und Licht zu jeder Zeit vorzüglich aufmerksam zu seyn“, heißt es gleich zu Beginn der damals geltenden Feuerordnung. „Jeder“ sagt Dieter Gewitzsch, sei ohnehin das am stärksten strapazierte Wort dieser Verordnung: „Jeder ist verantwortlich, jeder ist zuständig, jeder muss helfen, denn jeder kann betroffen sein.

Unter Androhung von Geldstrafen 

Ein Katalog von 24 Vorsichtsmaßregeln ist zu beachten – unter Androhung von Geldstrafen. In der Netzzeitschrift „aktenlage“ sind sie komplett nachzulesen. Hier nur ein Auszug:

Nicht zu dulden in Werkstätten sind danach „auch zur Winterszeit“ offene Kamine, Herde oder Kohlenpfannen. Mit Stroh und Schindeln eingedeckte Dächer sind nicht mehr erlaubt. Für neue Dächer sind ausschließlich Ziegel oder Schiefer zu verwenden. Auch der Bau hölzerner Rauchfänge ist verboten.

Zu jeder Jahreszeit hat in jedem Haus ein Behälter mit Wasser zu stehen. Gleich daneben: ein Ledereimer. Mit dem hat der Hausherr im Brandfall loszustürmen – nicht nur zum Schutz der eigenen vier Wände, sondern auch denen aller anderen. Wer kein eigenes Haus besitzt, muss trotzdem helfen – mit „gemeinen Eimern“ die die öffentliche Hand anzuschaffen hat. Drehleiter und Tanklöschfahrzeuge gibt es noch nicht, dafür aber Leitern und Haken, Feuerpatschen, Wasserkufen und „in einem jeden wenigstens mittelmäßigen und großen Dorfe“ eine große metallene Feuer- oder Schlauchspritze.

Vier Feuerspritzen vorhanden

Soweit die Theorie. Als die Verordnung bereits zehn Jahre gilt, muss Edmund Fuisting gegenüber seinen westfälischen Vorgesetzten Farbe bekennen und bracht dabei nicht rot zu werden.

Jeder Haushalt im Zuständigkeitsgebiet verfüge über einen Ledereimer und einen Feuerhaken. Im Kirchspiel Selm seien „eine Feuerspritze“ und zwei Leitern vorhanden. Im Kirchspiel Bork sogar jeweils drei Spitzen und Leitern, „Letztere aber nicht im guten Stande“. Nur in Altlünen fehle eine Feuerspritze.

Die Ausstellung
„200 Jahre Westfalen“ heißt die Ausstellung, die am Stadtfestwochenende (16. bis 18. Juni) auf Burg Botzlar, Botzlarstraße 1, zu sehen sein wird. 200 Jahre Westfalen ist auch das Thema von Christel und Dieter Gewitzsch. Die pensionierten Lehrer sind Stammgäste im Stadtarchiv im Amtshaus Bork. Ihr Interesse gilt dem 19. Jahrhundert. Aktuell haben die beiden Herausgeber von „aktenlage“, der Netzzeitschrift für Regionalgeschichte, die Akte „AB-1 Nr. 462 Feuerpolizei Generalia“ ausgewertet. Dort findet sich der vielleicht älteste Nachweis über Feuerschutzeinrichtungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Selm.

 

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