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Von hellen und dunklen Wolken: Grundschüler lernen von der Hospizgruppe

Hospiz macht Schule

Cappenberger Schüler lernen in der Projektwoche „Hospiz macht Schule“ gerade den Umgang mit Tod und Trauer. Die Hospizgruppe Selm, Olfen, Nordkirchen ist dabei micht sechs Leuten vor Ort.

Cappenberg

, 11.09.2018
Von hellen und dunklen Wolken: Grundschüler lernen von der Hospizgruppe

Was genau ist eigentlich Krebs? Wie kommt es, dass man manchmal Schluckauf hat und wieso muss man niesen? Was passiert bei einem epileptischen Anfall? Wo im Körper ist die Leber und warum ist sie wichtig? Auf Fragen wie diese haben die Viertklässler der Cappenberger Grundschule am Dienstag eine Antwort bekommen. © Marie Rademacher

Kommt man mit Windpocken ins Krankenhaus? Gibt es nur schlechten Krebs oder auch guten? Wie bekommt man Plattfüße? Was genau passiert bei einem epileptischen Anfall? Wofür ist die Schilddrüse zuständig? Was ist eine Spastik, was Alzheimer? Warum kommen manche Kinder zu früh auf die Welt? Und: Wie werden eigentlich Babys gemacht? Das sind nur ein paar der Fragen, die Schüler der Äckernschule am Standort Cappenberg am Dienstag an Dr. Antje Münzenmaier stellten – und auf die die Selmer Ärztin und Vorsitzende der Hospizgruppe auch eine gut verständliche, kindgerechte Antwort hatte. Nur bei der Frage nach dem Ursprung von Babys grätschte Lehrerin Maria Göddeke kurzerhand rein. Das sei bald Thema im Unterricht. „Außerdem ist das keine Krankheit“, sagte sie.

Krankheit und Leid

Das Thema Krankheit und Leid stand am Dienstag nämlich im Zentrum des Schultages der Viertklässler. Die ganze Woche über ist die Hospizgruppe Selm, Olfen, Nordkirchen mit fünf Ehrenamtlichen und Koordinatorin Dorothea Stockmann in der Klasse. Sie setzen dort das Projekt „Hospiz macht Schule“ um.

Das Projekt, das in ganz Deutschland von örtlichen Hospizgruppen umgesetzt wird, ist schon durch viele Schulen in Selm, Olfen und Nordkirchen getingelt. Jetzt gerade ist Cappenberg dran.

Nicht gezögert

„Vor einigen Jahren hatten wir das Projekt einmal abgelehnt. Aber ich habe inzwischen so viel Positives aus dem Kollegenkreis gehört“, erzählt Maria Göddeke. Als dann von der Hospizgruppe das Angebot kam, habe sie nicht gezögert. Natürlich in Absprache mit den Eltern der Kinder. Vorab gebe es immer einen Abend, an dem die Eltern der Kinder Fragen stellen und Bedenken äußern können, erklärt Koordinatin Dorothea Stockmann. In jeder Familie werde mit dem Thema anders umgegangen, manche Eltern hätten Bedenken, dass die Viertklässler noch zu jung sind für schwere Themen wie diese.

Was in der munteren Fragerunde und auch danach in der Arbeit in Kleingruppen aber schnell klar wird: Es geht zwar um Trauer. Die Stimmung ist aber nicht unbedingt traurig. Zumindest nicht immer. „Die Kinder sind unglaublich wissbegierig und es macht wirklich Spaß, mit ihnen zu arbeiten“, sagt Dorothea Stockmann. „Das paart sich dann mit dem, was sie vielleicht selbst schon erlebt haben“, erklärt sie weiter.

Umgehen und helfen

Bei manchen sind etwa die Großeltern oder ein Haustier gestorben. Auch wenn sie noch klein sind: Trauer ist einigen nicht fremd. Bei dem Projekt geht es den Ehrenamtlichen darum, den Kindern zu zeigen, wie sie damit auf gesunde Art umgehen können. Wie sie, so sagt es Dorothea Stockmann, vielleicht durch dieses Wissen bei einem Trauerfall in der Familie auch einem anderen helfen können.

Wichtig sei bei der Projektarbeit in der Schule immer, auch schwere Themen kindgerecht zu verpacken. Am ersten Tag, so erzählt es Dorothea Stockmann, haben die Ehrenamtlichen zum Beispiel zusammen mit den Kindern Wolken gebastelt. Dunkle, auf der traurige Erlebnisse geschrieben stehen, die die Kinder in ihrem kurzen Leben schon hatten. Und helle Wolken mit schönen Erinnerungen. An Wäscheklammern hängen die Wolken nun an einer Wäscheleine in der Klasse. Dunkle und helle nebeneinander. Denn beide gehören zum Leben.

  • Das Projekt „Hospiz macht Schule“ wurde entwickelt von einem Arbeitskreis, den die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V., heute DHPV e.V., im Jahr 2005 einberufen hatte.
  • Finanziell unterstützte das Bundesfamilienministerium die Erarbeitung und Umsetzung des Projekts.
  • Seit 2008 wird das Projekt „multipliziert“: Das heißt, Hospizvereine und -gruppen setzten es in ihren Orten in Form der einwöchigen Projektwochen an Schulen um.
  • Die Hospizgruppe Selm, Olfen, Nordkirchen war damit schon in vielen ihrer Ortsteile zu Gast.
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