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Warum die Schulbusfahrt trotz Scouts in Selm zur Hindernisfahrt wird

Schulbusse

Nicht nur Schulkinder müssen sich an den neuen Schulweg gewöhnen, auch Busfahrer – zumindest in der Baustellenmetropole Selm: Kreisstraße zu, Sandforter Weg dicht – und die nächste Sperrung kündigt sich schon an.

Selm

, 31.08.2018
Warum die Schulbusfahrt trotz Scouts in Selm zur Hindernisfahrt wird

Sorgen dafür, dass die Schulkinder, die mit dem Bus zur Overbergschule (hinten) und zum Gymnasium fahren, die richtige Bushaltestelle „Jugendheim“ benutzen (v. l.): Volker Psonka, Teambetreuer bei der VKU, Ralf Oberloskamp (hinten), Markus Laukat (vorne), die beiden Scouts, und Verkehrsmeister Ernst Görlitz. vom Hofe

Ralf Oberloskamp (54) und Markus Laukat (51) stehen auf dem Gehweg vor der Overbergschule. Sie sind mit dem Donnerstagmorgen zufrieden: der zweite Tag, an dem die beiden VKU-Scouts an der Kreisstraße Dienst haben. Die meisten Kinder und Jugendliche hätten schon am ersten Tag den richtigen Weg gewählt: nicht zur Haltestelle „Altenheim St. Josef“ auf der anderen Straßenseite, sondern 150 Meter weiter zur Haltestelle „Jugendheim“ an der Neuen Werner Straße. Aber die Macht der Gewohnheit wolle es, dass einige dennoch den Weg einschlagen wollten, den sie auch vor den Ferien gewählt haben.

Diese Grundschüler und Gymnasiasten erhalten dann einen freundlichen Hinweis von den beiden Männern mit den schwarzen Jacken, an denen Dienstausweise der Unnaer Verkehrsbetriebe (VKU) baumeln. „Gerade für die Eltern der jüngeren Schüler ist das eine Beruhigung“, sagt Ernst Görlitz, Verkehrsmeister der VKU. Das weiß er aus dem Gespräch mit der Mutter eines Zweitklässlers.

Kind im Bus begleitet

Die Familie wohne im Außenbereich, in der Nähe des Restaurants Jakobsbrunnen. Die Mutter habe das Angebot der VKU wahrgenommen und habe ihr Kind kostenlos im Bus zur Schule begleitet. Genauer gesagt: erst zur Bushaltestelle Jugendheim und von dort auf die andere Straßenseite zur Schule.

„Sie hatte nun aber das Problem, dass sie anschließend nicht wieder zurückkam“, so Görlitz. Denn die nächsten Busse in die Richtung fahren erst wieder zum Schulschluss. Görlitz löste das Problem pragmatisch: „Ich habe die Frau schnell heimgefahren.“ Andere lassen sich nicht so schnell lösen.

Dass die Sperrung der Kreisstraße noch bis Mai nächsten Jahres dauern wird, ist für die Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs eine echte Herausforderung. Denn sie können nicht so nah an ihre Kundinnen und Kunden heranfahren, wie sie wollen. „Und wir können kaum die Zeiten einhalten“ – bei den ganzen Schleifen, die sie zurzeit fahren wegen des Umbaus der Kreisstraße und den Bauarbeiten auf dem Campus-Gelände.

Neue Sperrung ab dem 10. September 2018

Die nächste Sperrung hat sich erst am Mittwoch angekündigt: Damit die Straßenbauer, die gerade auf der Werner Straße aktiv sind, weiterarbeiten können, müsse die Einmündung Netteberger Straße ab 10. September gesperrt werden, teilte die Stadtverwaltung mit – voraussichtlich bis in die erste Oktoberwoche. Görlitz schüttelt den Kopf. Mit der Sperrung der Netteberger Straße hat er zwar Erfahrung. Die Straße war schließlich vor zwei Jahren mehrere Monate komplett gesperrt. Damals mussten die Busse einen Umweg fahren. „Aber damals waren ja nicht auch noch gleichzeitig alle anderen Verbindungen unterbrochen.“

Welche Wege die 12 bis 15 Schulbusse am Vormittag nehmen können, wissen Ralf Oberloskamp und und Markus Laukat, die beiden VKU-Scouts, nicht. Eine andere offene Frage macht ihnen zurzeit viel mehr Kopfzerbrechen. Was passiert mit ihnen, wenn Ende des Jahres die Beschäftigungsmaßnahme „Chancen eröffnen – Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ ausläuft?

Jürgen Klose vom Jobcenter des Kreises Unna kann ihnen auch noch nichts Verbindliches sagen. Fest steht: Im Kreis gab es 700 Menschen in diesem Programm, das sich an Männer und Frauen richtete, die mindestens seit vier Jahren Hartz-IV beziehen, minderjährige Kinder haben oder krank sind. 630 von ihnen seien aktuell noch in Maßnahmen – darunter 58 Selmer.

Sorgen um Jobs

Der aktuelle Entwurf zur neuen Änderung des Teilhabe-Chancen-Gesetzes sehe zurzeit 240 Plätze für den Kreis Unna vor, so Klose: deutlich weniger als zurzeit. Das hat Uwe Ringelsiep, den Geschäftsführer des Jobcenters des Kreises Unna, bereits aufgebracht. Er hat sich schriftlich an die örtlichen Bundestags- und Landtagspolitiker gewandt mit der Bitte, den sozialen Arbeitsmarkt zu stärken. Und damit auch die Arbeit der VKU-Scouts zu sichern.

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